29-Jähriger entkam Bewachern nach Hochzeit

Zielfahnder jagen flüchtigen Vergewaltiger

Katrin Bischoff
2 Min

POTSDAM. Die Polizei hat bei der Suche nach dem am Wochenende geflohenen Strafgefangenen Gerd Uwe Förster Zielfahnder des Landeskriminalamtes eingesetzt. Zudem wurde eine 40-köpfige Sonderkommission gebildet. "Wir fahnden nach dem 29-Jährigen in ganz Brandenburg, den benachbarten Bundesländern sowie Polen", sagte Matthias Kühnel, der Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder). Noch fehlt von dem Mann jede Spur. Hinweise auf den Häftling, der auffällige Tätowierungen am Hinterkopf und den Armen hat, nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Förster war wegen Körperverletzung und Vergewaltigung zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden und sollte seine Strafe bis Februar 2004 in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel absitzen. Am Sonnabend hatte er Ausgang erhalten, um zur Hochzeit seiner Schwester nach Spremberg zu fahren. Dabei war er von zwei Justizvollzugsbediensteten begleitet worden. Nach Angaben des Justizministeriums fuhren die drei Männer in einem Taxi nach Spremberg, das von Förster bezahlt wurde. Zum Standesamt und der anschließenden Feier sei ein privates Fahrzeug genutzt worden, hieß es. Gegen 15 Uhr kehrten Förster und seine Bewacher in einem Fahrzeug der Hochzeitsgesellschaft zu dem wartenden Taxi zurück. Unmittelbar vor der Rückfahrt gelang Förster dann die Flucht. "Er hatte gerade seine Jacke aus dem Kofferraum geholt, dann rannte er weg", sagte Justizsprecher Rolf Hellmert. Förster kenne sich in Spremberg sehr gut aus. Und so habe er den Bediensteten, die unbewaffnet gewesen seien und nur zwei Meter von Förster entfernt gestanden hätten, entkommen können. "Es wird geprüft, warum das passieren konnte", sagte Hellmert. Justizministerin Barbara Richstein (CDU) habe angeordnet, das Verhalten der beiden Strafvollzugsbediensteten unter dienstrechtlichen Gründen zu prüfen. Laut Hellmert hatte ein psychiatrischer Gutachter dem Strafgefangenen im März dieses Jahres eine negative Kriminalprognose gestellt. Doch habe der Mediziner die Gefahr, dass Förster erneut Sexualstraftaten begehe, als ausgesprochen gering eingeschätzt. "Der Gutachter hat auch auf das günstige soziale Umfeld des Mannes verwiesen und vorsichtige Lockerungen der Haft angeregt", sagte der Justizsprecher. So seien Förster in diesem Jahr bereits mehrfach Ausführungen gewährt worden: Im April zur Beerdigung eines nahen Familienangehörigen und im Juni zu einer Behörde.

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