Edelmetalle

400 Dollar in vier Wochen: Was Goldbesitzer jetzt wissen müssen

Gold und Silber erholen sich nach dem Absturz vom Januar. Kurse, Rekordhoch, Steuerregeln und Prognosen für Anleger in Deutschland im Überblick.

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Goldbarren in einem Tresor: Die Bundesbank verwaltet rund 3350 Tonnen Gold. Beim aktuellen Kurs sind das gut 400 Milliarden Euro. (Symbolbild)

Goldbarren in einem Tresor: Die Bundesbank verwaltet rund 3350 Tonnen Gold. Beim aktuellen Kurs sind das gut 400 Milliarden Euro. (Symbolbild)

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Der Goldpreis steigt seit vier Wochen, und ausnahmsweise liegt es nicht an neuer Krisenangst. Es liegt an einer Zinserhöhung, die ausbleibt.

Die Feinunze notierte am Mittwoch bei rund 4340 Dollar, gut 400 Dollar mehr als vor einem Monat. Umgerechnet sind das etwa 3740 Euro oder 120 Euro je Gramm.

Für die Bundesbank, die rund 3350 Tonnen Gold verwaltet, bedeutet das einen Bestand von gut 400 Milliarden Euro. Ende 2024 waren es noch etwa 270 Milliarden.

Die Fed debattiert über höhere Zinsen

Wer Gold verstehen will, muss auf die US-Notenbank schauen. Und die diskutiert in diesem Jahr über Zinserhöhungen.

Bei der Sitzung am 29. Juli stimmten drei von zwölf Mitgliedern für einen höheren Leitzins. Am Markt lag die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung im September danach bei etwa 57 Prozent.

Dann kamen die Daten. Im Juli verlor die US-Wirtschaft 23.000 Stellen, erwartet worden war ein Plus von 80.000. Die Verbraucherpreise stiegen nur um 0,1 Prozent zum Vormonat, die Einzelhandelsumsätze sanken um 0,6 Prozent.

Die Erwartung einer Zinserhöhung fiel auf etwa eins zu drei. Weil Gold keine Zinsen zahlt, wird es immer dann attraktiver, wenn verzinste Anlagen weniger abwerfen.

Goldpreis-Rekord am 29. Januar: 5594 Dollar

Zum Rekord fehlen trotzdem mehr als 22 Prozent. Am 29. Januar kostete die Feinunze 5594 Dollar, Silber stand bei 121 Dollar.

Am Freitag darauf verlor Gold rund neun Prozent, den größten Tagesverlust seit 1983. Silber brach zeitweise um ein Drittel ein, nachdem die US-Terminbörse Comex die Sicherheitsleistungen angehoben hatte.

Wer damals zum Höchstkurs gekauft hat, wartet also weiter. Silber notiert heute bei knapp 65 Dollar und liegt 46 Prozent unter seinem Hoch. Es schwankt stärker, weil rund die Hälfte in die Industrie geht.

Ölpreis und Anleiherenditen bremsen

Der Gegenwind kommt aus zwei Richtungen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte in dieser Woche den höchsten Stand seit 19 Jahren. Je mehr Anleihen abwerfen, desto teurer wird es, zinsloses Gold zu halten.

Dazu kommt das Öl. Weil im Konflikt zwischen den USA und Iran keine Einigung über die Straße von Hormus in Sicht ist, notiert Rohöl nahe 90 Dollar. Teure Energie treibt die Inflation, und genau damit wird in der Fed für höhere Zinsen geworben.

Am Dienstag verlor Gold deshalb wieder fast zwei Prozent.

Jackson Hole: Warsh spricht am 28. August

Vom 27. bis 29. August treffen sich die westlichen Notenbanker in Wyoming. Am Freitagmorgen spricht Kevin Warsh, erstmals seit seinem Amtsantritt als Fed-Chef am 22. Mai.

Unter Warsh kündigt die Notenbank Beschlüsse nicht mehr vorab an. Eine Grundsatzrede hat damit mehr Gewicht als früher.

In den Anlegermagazinen ist die Stimmung derweil wieder euphorisch. Das Magazin Der Aktionär erwartet bis 2027 ein „Feuerwerk“ und rät, jede Korrektur als Kaufgelegenheit zu sehen.

Nüchterner sind die Zahlen der Notenbanken. Sie kauften im zweiten Quartal 289 Tonnen Gold, so viel wie in keinem zweiten Quartal zuvor.

Gold kaufen: Steuern und Fristen

Anlagegold ist nach Paragraf 25c Umsatzsteuergesetz von der Mehrwertsteuer befreit, Barren ab 995/1000 Feingehalt und gängige Anlagemünzen. Auf Silber fallen dagegen 19 Prozent an.

Gewinne sind nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Wer früher verkauft, zahlt seinen persönlichen Steuersatz, sobald alle privaten Veräußerungsgeschäfte des Jahres über 1000 Euro Gewinn liegen.

Kaufbelege aufbewahren. Ohne sie lässt sich die Haltefrist nicht nachweisen. Beim Barkauf im Laden ist bis 1999,99 Euro kein Ausweis nötig, anders als bei der EU-Obergrenze für Barzahlungen ab 2027.

Streit um das Gold in New York

Von den 3350 Tonnen der Bundesbank lagern nach eigenen Angaben rund 1710 Tonnen in Frankfurt und 432 Tonnen in London. Und 1236 Tonnen, knapp 37 Prozent, liegen bei der Federal Reserve in New York.

Darüber wird seit dem Frühjahr gestritten. Die Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und der Bund der Steuerzahler fordern eine Rückholung. Deutschland sei Eigentümer, habe aber keine physische Kontrolle.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel wies das zurück. Er habe keine Zweifel an der Sicherheit der Bestände, sagte er im März Bloomberg TV.

Zum Vergleich: Die französische Notenbank lagerte bis Mitte 2025 nur fünf Prozent ihrer Goldreserven in den USA.

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