Ab 420 Euro Warmmiete für einen Neubau – mit diesem Preis startet die landeseigene Howoge an der Huronseestraße in Berlin-Friedrichsfelde die Vermietung von 148 Wohnungen. Die Hälfte der Einheiten ist als Sozialbau an einen Wohnberechtigungsschein (WBS) gebunden. Das Angebot reicht vom Ein-Zimmer-Apartment bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung, der Bezug ist für den Sommer geplant. Die infrastrukturelle Besonderheit des Projekts: Wer einzieht, erhält keinen Pkw-Stellplatz auf dem Grundstück.
Das kommunale Unternehmen verzichtet bei dem Neubau vollständig auf oberirdische Parkflächen und eine klassische Tiefgarage. Stattdessen richtet die Wohnungsbaugesellschaft 380 Abstellplätze für Fahrräder und Lastenräder ein. Das entspreche den Vorgaben der aktuellen Berliner Stellplatzverordnung, die durchschnittlich zwei Rad-Stellplätze pro Wohnung kalkuliert, so das Unternehmen. Eine rechtliche Verpflichtung für Pkw-Parkplätze bestehe nicht mehr.
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Fahrrad statt Parkplatz Teil einer Strategie
Diese Umverteilung der Flächen zugunsten des Radverkehrs scheint Teil einer breiteren stadtplanerischen Strategie für den Berliner Osten. Nur wenige Straßenzüge entfernt, auf einem 6000 Quadratmeter großen Grundstück am Rosenfelder Ring, überträgt die Howoge das Konzept auf ein weiteres Großprojekt. Auch für die dort entstehenden 173 Wohnungen weicht der Bau von Tiefgaragen einer Planung mit rund 300 Fahrradstellplätzen.
Die Entscheidung gegen den Bau von Tiefgaragen ist laut dem kommunalen Vermieter Teil des Grundsatzes, „Wohnraum kosteneffizient und damit bezahlbar zu errichten“. Zudem würden zusätzliche Parkflächen unweigerlich zulasten von Grünflächen oder Spielplätzen gehen.
An diesem zweiten Standort stehen neben der Verkehrswende die Grundrisse und die Bauweise im Vordergrund. Auch hier werden 50 Prozent der Einheiten, 86 Wohnungen, mietpreisgebunden an WBS-Inhaber vergeben. Neben klassischen Etagenwohnungen entstehen 23 Maisonette-Einheiten in einem zweigeschossigen Vorbau, die gezielt Familien ansprechen sollen.
Howoge verweist auf gute Anbindung durch öffentlichen Nahverkehr
Um die Nebenkosten niedrig zu halten, werden die achtgeschossigen Gebäude als reine Strom-Häuser ohne Anschluss an das Gas- oder Fernwärmenetz konzipiert. Wärmepumpen und Solaranlagen decken den Energiebedarf. Friederike Münn, Geschäftsführerin des Generalunternehmers B&O Bau, ordnete das Projekt auf dem jüngsten Richtfest am Rosenfelder Ring als Branchenbeispiel ein: „Das Quartier in Lichtenberg steht für zukunftsfähiges Bauen: seriell vorgefertigt, ressourcenschonend und zugleich architektonisch anspruchsvoll.“
Wenn im Sommer die ersten Mieter an der Huronseestraße einziehen, beginnt der Praxistest für dieses stadtplanerische Modell. Die Howoge verweist in diesem Zusammenhang auf die sehr gute Anbindung beider Standorte an den öffentlichen Nahverkehr. Man plane Projekte „grundsätzlich unter Berücksichtigung des sich bereits heute reduzierenden und immer weiter abnehmenden Individualverkehrs“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Offen bleibt dabei, wie stark der Zuzug in die stellplatzfreien Anlagen den Parkdruck in den umliegenden Straßen des Kiezes erhöhen wird.
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