Kunst und kühles Wetter vertragen sich offensichtlich bestens. Jedenfalls verlor die am Himmelfahrtstag fürs Publikum gestartete 8. Berlin Biennale der zeitgenössischen Kunst (bis 3. August) niemanden an die coolen Strandbars.
Vielmehr standen Kunstkarawane und Berliner schon zur regennassen Vernissage am Abend zuvor lieber Seit’ an Seit’ geduldig Schlange im Hof und im Treppenhaus der KW Auguststraße, wo wegen des Andrangs bloß noch schubweise Einlass möglich war. Dabei wirkte die Stimmung trotz der vielen Leute merkwürdig gelassen, heiter, neugierig-nachdenklich. In der Halle und in den Räumen des Kunsthauses in Mitte möchte der kolumbianisch-kanadische Kurator Gaitán schließlich den „exploratorischen“, also „prüfenden“ Blick auf diesen deutlich globalpolitisch-ästhetischen Biennale-Teil lenken.
Wenig aufgekratzt und hipp
So wenig aufgekratzt und hipp geht es selten zu, wenn die sogenannte Kunstwelt in der Auguststraße flaniert. Denn auch an die beiden anderen Orte der Schau, ins Museum Dahlem, wo auf der Probebühne des Humboldt Lab ein multikulturell-dadaistisches Theater stattfand und im Haus am Waldsee, wo es eine poetische Ballett-Performance gab, drängte eine Menge Publikum. Und doch ist bei dieser Biennale mit großem Begleitprogramm, die „aufs Dorf“ verlegt wurde – die U-Bahn-Station Dahlem Dorf zählte wohl noch nie so viele Passanten –, ist nichts so abwesend wie effektheischendes Spektakel.
Aber womöglich ist ja gerade das die Sensation: Die Leute kommen dennoch, nehmen den weiten Weg hinaus aus dem Zentrum, verlieren sich wissbegierig in den Weiten der Völkerkundesammlung und erkunden, was er wohl besagen will, dieser Dialog zwischen Ethnografie und junger Kunst, und worin sie wohl besteht, die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen und empirischen Wissensansätzen.
Rasch wird einem klar, dass es hier nicht um einen reflexiven Blick auf Berlin geht, auf seine besondere Geschichte, auch nicht um die Zeit nach dem Mauerfall und seine aufs Zentrum fixierte Baupolitik. Hier geht es um eine andere Sicht auf die Welt, wenn etwa Dahlems Völkerkunde zum geistigen Hotspot dieser Biennale mit 53 Künstlern wird, von denen viele aus Konflikt-Gegenden Amerikas, Asien, Afrikas mit kolonialer Vergangenheit stammen. Auf einmal, durch die Verweise und Bezüge der – subtil dazu gestellten – Kunst von heute bekommen die alten ethnologischen Objekte, einst von Europäern hergebracht, ihre kulturelle Deutungshoheit zurück.
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