A114: Berlin, eine Stadt der Lügen

Dreizehn lange Monate meiner Wehrdienstzeit habe ich in Goldberg verbracht, einem Nest von knapp 4000 Einwohnern im Mecklenburgischen. Beschreibungen der örtlichen Sehenswürdigkeiten erspare ich dem geneigten Leser an dieser Stelle, einfach weil ich mich an keine einzige erinnere. Dass ich den Ort hier überhaupt erwähne, hat nur einen Grund: Er führt einen so treffenden Beinamen. Goldberg, muss man nämlich wissen, ist die „Stadt der drei Lügen: Kein Gold. Kein Berg. Keine ...

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Berlin - Dreizehn lange Monate meiner Wehrdienstzeit habe ich in Goldberg verbracht, einem Nest von knapp 4000 Einwohnern im Mecklenburgischen.  Beschreibungen der örtlichen Sehenswürdigkeiten erspare ich dem geneigten Leser an dieser Stelle, einfach weil ich mich an keine einzige erinnere. Dass ich den Ort hier überhaupt erwähne, hat nur einen Grund: Er führt einen so treffenden Beinamen. Goldberg, muss man nämlich wissen, ist die „Stadt der drei Lügen: Kein Gold. Kein Berg. Keine Stadt.“ 

Womit wir bei Berlin wären. Denn auch die Hauptstadt ist ohne Zweifel eine Stadt der Lügen. Ich will gar nicht von einem angeblichen Flughafen und seinen Eröffnungsterminen reden, da mische ich mich nicht ein.  Für meine Beweisführung genügt mir eine Fahrt auf der A 114.

Jedes Mal, wenn ich vom Autobahnring nach Pankow hineinfahre, lese ich, was dort steht. Und jedes Mal frage ich mich, was die Schwindelei eigentlich soll.

Das erste Schild steht kurz hinter der Ausfahrt Bucher Straße und wirbt dafür, auf der Weiterfahrt in die Innenstadt doch auf die Bahn statt auf den Pkw zu setzen: P+R, ausgeschrieben Parken und Reisen  – ein netter Versuch, die Autofahrer zum Umsteigen in die Bahn zu bewegen, keine Frage.

Das zweite Schild verheißt sodann eine S-Bahn alle fünf Minuten von Pankow-Heinersdorf zum Alexanderplatz, nach  Friedrichstraße oder zum Potsdamer Platz, was natürlich blanke Utopie ist. Da gehen die Schummeleien also schon los.

Und dann kommt, kurz vor der Ausfahrt Pasewalker Straße, das dritte und letzte Schild. Es enthält ein Zählwerk, das  ausweist, wie viele freie Parkplätze momentan auf dem P+R-Platz zur Verfügung stehen. Exakt 338 waren es, als ich am vergangenen Wochenende dort vorbeikam. 338 waren es auch am 9. August und in der Silvesternacht vor sieben Jahren. 338 sind es offenbar, solange das Schild dort steht.

Denn das vermeintliche Zählwerk zählt überhaupt nichts, die Zahl ist fix. Selbst wenn auf dem Parkplatz demnächst Eigentumswohnungen oder ein Einkaufszentrum entstehen sollten, wird das Schild noch immer seine frohe Botschaft von den 338 freien Plätzen verkünden. Von Ewigkeit in Ewigkeit, Amen.

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