Die Gegend rund um die Gustav-Adolf-Straße in Weißensee ist keine Flaniermeile, nicht mal eine Einkaufstraße. Es gibt zwar kleine Geschäfte, Kneipen, Bäcker und die Apotheke. Doch einige Läden stehen leer, neue Betreiber werden gesucht, Baustellen versperren den Fußweg. Die Geschäfte laufen nicht gut, erzählen die Besitzer, die Stimmung sei schlecht „Die Kundschaft fehlt“, sagt Friedemann Preubsch, Inhaber des Optikergeschäfts Lichtblick. Seit acht Jahren führt der 49-jährige Augenoptikermeister sein Geschäft. Preubsch musste mit ansehen, wie Läden um ihn herum erst immer seltener öffneten und letztlich für immer schlossen. Zuletzt gaben die Betreiber eines Teeladens auf.
Im Graefekiez in Kreuzberg haben Gewerbetreibende ebenfalls einen besonderen Adventskalender organisiert. In der Graefestraße, der Dieffenbachstraße und der Böckhstraße erleben die Passanten in 24 Geschäften jeden Tag eine kleine Überraschung. An der Aktion beteiligen sich Kinderläden, Bäcker, ein Zahnarzt, zwei Frisiersalons, ein Second-Hand-Shop und ein Lakritzladen.
In den 24 Geschäften hängen Nummern, das sind die Tage bis zum 24. Dezember. Jeden Tag präsentieren die Inhaber eine Aktion in ihren Schaufenstern. Das kann ein Gedicht sein, eine brennende Kerze oder eine schöne Dekoration. In den Läden liegen Straßenpläne mit den Adressen der Geschäfte. Die Liste hängt auch am Schwarzen Brett Dieffenbach-/Graefestraße.
Nachbarn und Gewerbetreibende der Interessengemeinschaft Weißenseer Spitze suchten in den vergangenen Wochen Ideen, um ihr Viertel wiederzubeleben, um neue Kundschaft anzulocken. „Wir wollen keine Schlafstadt sein“, sagt Preubsch. Vor allem eine Aktion fanden alle toll. In der Vorweihnachtszeit verwandeln die Inhaber ihre Läden zu einem Adventskalender der besonderen Art. Am Sonntag, dem 1. Advent, eröffnet er.
Eine gemütliche Zeit im Laden
An jedem Tag in der Vorweihnachtszeit laden die Inhaber von 24 Läden im Viertel Weißenseer ihre Nachbarn und Passanten in ihr Geschäft ein. Die Inhaber verteilen keine Geschenke, es gibt auch nichts umsonst, die Besucher sollen eine gemütliche Zeit im Laden verbringen. Im Lottoladen können sie basteln und malen, das italienische Restaurant bäckt eine Weihnachtspizza, in der Druckerei werden Kalender hergestellt, im Stummfilmkino Delphi findet eine Lesung statt, im Computerladen können Besucher Laternen basteln. Das Kulturzentrum Brotfabrik zeigt Kinderfilme „Wir wollen etwas zusammen machen“, sagt Marion Koch. Die Opernsängerin lehrt Gesang in ihrer Opernakademie in der Gustav-Adolf-Straße. „Vielleicht gelingt es uns, mit niveauvollen Aktionen die Anonymität zu beseitigen“, sagt sie. Denn die Gegend nördlich des Prenzlauer Bergs ist beliebt, die Mieten sind günstiger als in der Innenstadt. „Doch viele Bewohner kaufen nicht in ihrem Viertel ein“, sagt Preubsch.
Die Hinzugezogenen kennenlernen
Die Händler wollen die Hinzugezogenen nun kennenlernen. Auch die Kunsthochschule Weißensee beteiligt sich an der Kiez-Weihnachtsaktion. In der Kunsthalle am Hamburger Platz verkaufen Studenten in einer UHU-Ausstellung ihre Werke. UHU, Unter Hundert Euro.
Bis zum 24. Dezember erklingt nun jeden Tag um 16.30 Uhr ein Glöckchen, ein lichtverzierter Holzrahmen, ein Portal, steht dann an einer Ladentür, an jedem Tag vor einer anderen. Optiker Preubsch lädt die Nachbarn zum Kerzenverzieren vor sein Geschäft ein und Opernsängerin Marion Koch von gegenüber singt und erzählt Geschichten. Am Tag darauf lädt ein Fitnessstudio zum Weihnachtstanz.
Das Adventsprogramm mit allen Terminen und Orten:
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