Betonschwellen sorgen auch im Berliner und Brandenburger Bahnverkehr für immer mehr Probleme. Jetzt wurde bekannt, dass der wichtigste Binnenhafen von Berlin auf dem Schienenweg nicht mehr erreichbar ist. Das teilte die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala), die diese Anlage betreibt, auf Anfrage mit. Der benachbarte Ringbahnabschnitt, der zu dem wichtigen Umschlagplatz führt, ist gesperrt.
Die Bahnstrecke zwischen Berlin-Moabit und Hamburger und Lehrter Bahnhof steht seit dem 13. Juli nicht mehr zur Verfügung, teilte Behala-Geschäftsführerin Petra Cardinal der Berliner Zeitung mit. „Das betrifft den Güterzugverkehr vom und zum Westhafen. Wir gehen davon aus, dass die Sperrung mit den seit Mitte der vergangenen Woche laufenden bundesweiten Prüfungen von Betonschwellen zusammenhängt.“
Am Logistikstandort Westhafen spielt die Bahn eine bedeutende Rolle. Ende März verladen Arbeiter Container auf einen Zug der DB-Schienenbrücke Ukraine.
© dpa/Carsten Koall
„Unser derzeitiger Stand ist, dass die Sperrung bis zum 12. August 2022, 15.30 Uhr, andauern soll“, sagte die Behala-Chefin. Folge sei, dass der Güterumschlag von auf der Schiene transportierten Gütern zur Zeit nicht durchgeführt werden kann und die Kunden damit nicht beliefert werden können. „Alle unsere direkten, aber auch die indirekten Kunden sind von der Sperrung betroffen“, berichtete Cardinal. Namen nannte sie aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht. keine einzelnen Kunden benennen können.
Umso deutlicher wurde sie, als es um die Folgen der Streckensperrung ging: „Ersatzlösungen lassen sich insoweit organisieren, als dass der Transport in Teilen über die Straße oder die Wasserstraße organisiert wird. Selbiges ist mit hohem Organisations-, Personal- und finanziellem Aufwand verbunden. Eine Möglichkeit der vollständigen Kompensation sehen wir nicht“, sagte sie.
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Eine Bahnsprecherin bestätigte der Berliner Zeitung auf Anfrage die Sperrung. Aus diesem Grund sei auch auf der Strecke nach Spandau ist zwischen Berlin-Moabit und Wiesendamm eine Langsamfahrstelle eingerichtet worden, teilte sie am Freitag mit.
Regionalbahnlinie in Brandenburg unterbrochen
Wie berichtet lässt die Deutsche Bahn (DB), deren Tochterunternehmen DB Netz die Schienenwege betreibt, seit der vergangenen Woche bundesweit einige Hunderttausend Betonschwellen überprüfen. Damit reagierte das Bundesunternehmen auf die Diskussion nach dem schweren Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen, bei dem fünf Menschen getötet und 68 verletzt wurden. Bei den Betonschwellen, die nun untersucht werden sollen, handelt es sich um den gleichen Bautyp wie auf dem Streckenabschnitt in Burgrain (Oberbayern), auf dem eine Regionalbahn nach München am 3. Juni entgleiste.
Probleme mit Betonschwellen: Bahn sperrt überraschend Strecke in Berlin
Seit dem 15. Juli ist auch ein Abschnitt der Ostbahn im Osten Berlins nicht mehr befahrbar. Ein Bahnsprecher bestätigte auf Anfrage, dass dies mit dem aktuellen Schwelleninspektionsprogramm im Zusammenhang stehe.
Wie berichtet hat die Sperrung dazu geführt, dass die Züge der Regionalbahnlinie RB26 zwischen den Berliner Bahnhöfen Ostkreuz, Lichtenberg und Mahlsdorf nicht mehr verkehren können. Die Dieseltriebwagen der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) beginnen und enden jetzt in Mahlsdorf oder Strausberg. „Es sieht so aus, als ob in den nächsten Tagen der reguläre Betrieb auf dem gesperrten Abschnitt der RB26 wieder aufgenommen wird“, sagte NEB-Sprecherin Katja Tenkoul am Donnerstag. „Witterungsbedingt kann es aber zu Verzögerungen kommen, daher kann ein definitiver Tag nicht genannt werden.“
Auf einer wichtigen Pendlerstrecke nach Berlin werden die Züge kleiner
Inzwischen ist auch eine weitere Strecke der DB, die von der NEB befahren wird, betroffen. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Sperrung auf der Linie RB60, die baustellenbedingt bisher von Frankfurt (Oder) nach Werbig reichte, bis Letschin verlängert worden ist. „Dies kam heute sehr kurzfristig“, so Tenkoul. Auf der Internetseite des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg ist von einer „Infrastrukturstörung“ die Rede. Auch dort müssten Betonschwellen ausgetauscht werden, so ein Beobachter. Der Schienenersatzverkehr wurde entsprechend verlängert.
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