Afghanistan

Bundeswehr-Dolmetscher in Kundus getötet

In Kundus ist eine ehemalige deutsche Ortskraft erwürgt und in seinem Auto gefunden worden. Vieles deutet auf einen Racheakt der Taliban hin. Angeblich gehörte der Afghane zu jenen Ortskräften, denen eine Emigration in die Bundesrepublik bereits genehmigt worden war.

Steffen Hebestreit
3 Min
Die ehemaligen Dolmetscher der Bundeswehr in Afghanistan gelten als besonders gefährdet.

Die ehemaligen Dolmetscher der Bundeswehr in Afghanistan gelten als besonders gefährdet.

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In der afghanischen Stadt Kundus ist am Sonntag ein Dolmetscher ermordet aufgefunden worden, der lange Zeit für die Bundeswehr gearbeitet hatte. Der Mann sei in seinem Auto erwürgt worden, teilte die örtliche Polizei mit. Angeblich gehörte der Afghane zu jenen Ortskräften der Deutschen, denen eine Emigration in die Bundesrepublik bereits genehmigt worden war.

Kollegen des Getöteten berichteten mehreren Nachrichtenagenturen, dass der Mann in der Vergangenheit mehrere telefonische Todesdrohungen der radikalislamischen Taliban erhalten hatte, weil er die ausländischen Soldaten unterstützt hätte. Ein Sprecher der Taliban wollte seinerseits allerdings zunächst nicht bestätigen, dass der Mann als Vergeltung getötet worden ist. Grundsätzlich müssten aber alle, die die Invasionstruppen unterstützt hätten, mit dem Tode rechnen, sagte er.

Von den etwa 1200 afghanischen Ortskräften der Bundeswehr in Afghanistan haben bislang etwa 250 beantragt, nach Deutschland ausreisen zu dürfen. Drei von vier Anträgen sind bislang genehmigt worden, allerdings ziehe sich die Ausreise hin, kritisierten Betroffene. Die letzten Bundeswehrsoldaten hatten das Feldlager Kundus am 18. Oktober verlassen. Zwei Wochen zuvor war es offiziell den afghanischen Sicherheitskräften übergeben worden. Das Gros der einheimischen Mitarbeiter ist gegenwärtig noch im großen Bundeswehr-Feldlager in Masar-i-Scharif beschäftigt.

Loja Dschirga billigt Abkommen

In Kabul hat am Wochenende die Große Stammesversammlung (Loja Dschirga) grünes Licht für das lange umstrittene Sicherheitsabkommen mit den USA gegeben, das die Grundlage für die Präsenz ausländischer Truppen in Afghanistan über das Jahr 2014 hinaus bildet. Nun stehen noch die Zustimmung des afghanischen Parlaments und die Unterschrift des Präsidenten aus. In der Übereinkunft gesteht Afghanistan den ausländischen Truppen Immunität für eventuelle Straftaten in Afghanistan zu. Die USA hatten das Sicherheitsabkommen zur Bedingung für einen weiteren Einsatz von Truppen am Hindukusch gemacht.

Deutschland will sich von 2015 an mit maximal 800 Soldaten an einer Nato-Folgemission beteiligen. Die Bundeswehr-Soldaten sollen ausschließlich als Ausbilder in den Stäben und Hauptquartieren der afghanischen Armee Dienst tun.

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