Könnten Sie auf Anhieb einige der Sehenswürdigkeiten des Landes Gabun benennen? Nein? Das ist nicht schlimm. Schließlich liegt Libreville – das ist die Hauptstadt des 1,7-Millionen-Staates an der Westküste Afrikas – 5 800 Kilometer von der Mitte unserer Stadt entfernt.
Inzwischen wissen wir aber etwas Spannendes: die Mitte Berlins kennt in Gabun jeder. Zumindest jeder, der sich der Philatelie verschrieben hat. Denn unseren Dom, das prächtige Bauwerk am Lustgarten, gibt’s auch in Gabun. Er prangt dort auf einer umgerechnet 2,25 Euro wertvollen Briefmarke, die im Jahr 2000 auf den Markt kam.
Die Marken sehen niemals einen Brief
Der Sammler Günther Klebes aus Erlangen entdeckte das Stück kürzlich bei einer Auktion. Und staunte nicht schlecht. Bisher war der Dom nur auf einer Marke zu sehen, die 2005 von der Deutschen Post herausgegeben wurde, um das 100. Jubiläum des sakralen Gebäudes zu feiern. Das bedeutet: 50 Prozent der Marken, die den Berliner Dom zeigen, stammen aus Afrika.
Böse Zungen behaupten, die gabunische Post schmücke sich mit fremden Federn. Da ist was dran, weiß der Profi-Sammler. Gerade in exotischen Ländern ist es normal, dass Dinge auf Postwertzeichen gedruckt werden, die mit dem Land selbst nichts zu tun haben. „Die sehen auch niemals einen Brief, sondern sind Sammlern vorbehalten“, sagt Klebes. Ein anderes Bild der Serie zeigt das Schloss Lichtenstein, das eine Attraktion der gleichnamigen Gemeinde in Baden-Württemberg ist, weniger eine von Gabun.
Dürfen die das?
Ja, die dürfen das – dank Panoramafreiheit, sagt Svenja Pelzel, die Sprecherin des Doms. Warum sollte man sich auch darüber beschweren? Ist doch schön, dass der Dom gewürdigt wird, oder? In der Dom-Verwaltung herrscht über Klebes Fundstück jedenfalls pure Freude – den kleinen Schatz will man nun sogar im Gemeindebrief präsentieren.
Der Sammler ist zufrieden, die Dom-Chefs freuen sich. Herzlichen Dank, Gab... Augenblick. Leider gibt es einen Berufsstand, der beim Betrachten der Marke Hitzewallungen bekommen dürfte: die Historiker der Hauptstadt. Klebes stieß nämlich nicht zufällig auf die Marke. Der 68-Jährige hat es nicht vorrangig auf kleine Porto-Blättchen abgesehen, sondern auf Dinge, die etwas mit Eisenbahnen zu tun haben. Nur deshalb fiel sein Blick auf das Postwertzeichen. Weil hier zu sehen ist, wie vor dem Dom eine preußische Dampflok ihre Runden dreht. Das gab es nie. Macht aber nichts – in einer Stadt, in der die Geschichte eine so große Rolle spielt, kann man ruhig ein Auge zudrücken.
Aber, liebe gabunische Post, wir hätten da noch eine Idee: Wie wäre es mit einer Marke, auf der zu sehen ist, wie am Flughafen BER die ersten Maschinen starten und landen? Dass dieses Bildnis garantiert Seltenheitswert hätte, dürfte man inzwischen sogar in 5800 Kilometern Entfernung verstanden haben.
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