Bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin sollen noch in diesem Monat 1400 Mitarbeiter der Verwaltung gekündigt werden. Sie brauchen neue Arbeitsstellen. Bei der Suche danach sollte eine Jobbörse am Dienstag in der Firmenzentrale am Saatwinkler Damm helfen.
Hunderte Angestellte nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren, es herrschte Gedränge in der Kantine vor den Ständen von Firmen und der Arbeitsagentur, die auf engem Raum aufgestellt waren.
Die Stimmung war angespannt bis bedrückt. Ein Mitarbeiter berichtete, dass man gerade die Übergabe an eine andere Fluggesellschaft vorbereite. Das nehme einen mit. Er sieht gute Chancen für Sekretärinnen oder Buchhalter, in Berlin oder Brandenburg neue Arbeit zu finden. Schwieriger sei es mit Luftverkehrsspezialisten, weil nur noch die Fluggesellschaft Germania ihren Sitz in Berlin hat.
Die Bahn wirbt mit sozialen Leistungen
Peter Höfer aus der Verkehrszentrale erlebt seine zweite Pleite. Nach dem Aus für Augsburg Airways war er 2003 nach Berlin gekommen und will hier bleiben. „Von Air Berlin erwarte ich nichts mehr“, sagte der Vater zweier Kinder. Er hat sich verschiedene Angebote auf angesehen, denn mit seiner Qualifikation könne er auch bei der BVG, der Bahn oder in einem Logistikunternehmen arbeiten.
Neben der Jobagentur waren 13 Firmen vertreten, darunter BASF, das Maut-Unternehmen Toll Collect, die Zeitarbeitsfirma Randstad, Zalando und die Deutsche Bahn. Die Bahn beispielsweise warb mit ihren sozialen Leistungen: keine betriebsbedingten Kündigungen, betriebliche Altersvorsorge, und ab 2018 die Wahl, ob man mehr verdienen will oder sechs Tage mehr Urlaub bekommt.
Wer Flugzeuge gewartet hat, kann auch Züge reparieren.
Das scheint zu anzulocken, das Interesse war groß, sagte ein Bahnsprecher: „Die Kollegen haben Dutzende von Lebensläufen mitgenommen.“ Die Bahn stelle im laufenden Jahr bundesweit 10.000 Leute ein, allein in Berlin mehr als 1000.
Im nächsten Jahr sei die gleiche Anzahl zu erwarten. Gesucht würden unter anderem Zugbegleiter und IT-Fachleute bis hin zu Verwaltungsfachleuten. Technikaffine Bewerber können binnen zehn Monaten zu Lokführern oder Fahrdienstleitern umgeschult werden. Wer Flugzeuge gewartet hat, könnte auch Züge instandhalten.
Holger Hammes vom Air-Berlin-Betriebsrat fordert unterdessen eine Transfergesellschaft. „Damit die Kollegen nicht sofort auf Arbeitslosengeld angewiesen sind.“
"Die Chefs kümmern sich wenig um die Mitarbeiter"
Dafür müsse es eine finanzielle Unterstützung der Länder Berlin und Nordrhein-Westfalen geben, wo Air Berlin seine größten Standorte hat. Auch die Bieter für das Unternehmen müssten sich beteiligen.
Vom Senat hieß es, es gebe bereits Gespräche zur Finanzierung einer Transfergesellschaft. Zudem könnten zahlreiche der 4000 offenen Stellen im öffentlichen Dienst mit Air Berlinern mit IT- oder Buchhaltungserfahrung besetzt werden.
In die eigene Führung unterdessen scheinen die Mitarbeiter von Air Berlin nicht viel Vertrauen zu haben. Eine Frau schimpfte, die Chefs kümmerten sich weniger um die Mitarbeiter, sondern darum, von Lufthansa belohnt zu werden, falls diese den größten Teil übernehmen könne.
1000 ausgeschriebene Arbeitsplätze
Am Donnerstag soll darüber Klarheit herrschen. Dann sollen die Verhandlungen mit den Interessenten Lufthansa und Easyjet abgeschlossen sein.
Am Freitag gibt es eine Jobbörse der Lufthansa-Tochter Eurowings, die sich ebenfalls an Mitarbeiter von Air Berlin richtet. 1000 Arbeitsplätze sind ausgeschrieben.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de