Betrugsfall

„Wie Hausarzt, der am Gehirn operiert“: Air-Canada-Pilot flog jahrelang mit falscher Lizenz

Die Polizei spricht von einem Fall wie aus einem Drehbuch: Ein früherer Air-Canada-Kapitän soll 900 Flüge ohne gültige Lizenz absolviert haben. Nun wird er angeklagt.

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Eine Boeing 787-8 Dreamliner der Air Canada beim Start

Eine Boeing 787-8 Dreamliner der Air Canada beim Start

© Heike Feiner/HMB Media/imago

Ein ehemaliger Kapitän der größten kanadischen Fluggesellschaft soll über 17 Jahre hinweg mehr als 900 Linienflüge geflogen sein, ohne die dafür vorgeschriebene Lizenz zu besitzen. Die Polizei der Region Peel in der kanadischen Provinz Ontario hat nach eigenen Angaben den 59-jährigen früheren Piloten von Air Canada festgenommen und angeklagt.

Wie die Behörde am Dienstag (Ortszeit) in einer Pressemitteilung erklärte, soll der Mann zwischen 2009 und 2025 mehr als 900 nationale und internationale Flüge als Kapitän durchgeführt haben, ohne die erforderliche Verkehrspilotenlizenz (ATPL-A) zu besitzen. In dieser Zeit habe er laut Polizeiangaben rund 2,9 Millionen kanadische Dollar (etwa 2,1 Millionen US-Dollar) verdient.

Der Beschuldigte verfügte nach Angaben der Peel Regional Police lediglich über eine Berufspilotenlizenz (CPL-A). Diese reichte nach Darstellung der Ermittler nicht aus, um große Verkehrsflugzeuge wie eine Boeing 777 als Kapitän zu führen. „Das ist vergleichbar mit einem Arzt, der zwar eine Zulassung als Hausarzt besitzt, in seiner Praxis aber Gehirnoperationen durchführt“, sagte der stellvertretende Polizeichef Nick Milinovich laut CBS News.

Dem Mann werden der Mitteilung zufolge unter anderem Betrug, Urkundenfälschung und Besitz gefälschter Dokumente vorgeworfen. Der Mann sei im Jahr 2025 schließlich nach 27 Jahren bei Air Canada in den Ruhestand getreten, bevor die Ermittlungen eingeleitet worden seien, so die Polizei.

Polizei spricht von Einzelfall

Die im Januar 2026 unter dem Namen „Project Icarus“ gestartete Untersuchung sei nach einer Überprüfung durch die kanadische Luftfahrtbehörde Transport Canada eingeleitet worden, teilte die Peel Regional Police mit.

Polizeichef Nishan Duraiappah sagte der Zeitung Toronto Star, ein solcher Vorgang sei – soweit ihm bekannt – ein einmaliges Ereignis in diesem Ausmaß.

Air Canada: Sicherheit nicht beeinträchtigt

Air Canada teilte in einer eigenen Stellungnahme mit, die Sicherheit sei durch den Vorfall nicht gefährdet gewesen. Alle Piloten der Airline durchliefen alle sechs Monate ein verpflichtendes Training, jährlich folge ein Flugcheck mit einem zertifizierten Prüfer von Transport Canada, so das Unternehmen.

Der betroffene Pilot habe stets eine gültige Berufspilotenlizenz besessen und die geforderten Leistungen erbracht. Nach Entdeckung der fehlenden Lizenz sei er sofort vom Dienst suspendiert und der Vorfall freiwillig an Transport Canada gemeldet worden, erklärte die Fluggesellschaft. Eine interne Überprüfung der gesamten Pilotenschaft habe keine weiteren Verstöße ergeben.

Der kanadische Verkehrsminister Steve MacKinnon kündigte gegenüber CBS News eine Überprüfung des Falles an. Mögliche Verbesserungen würden umgesetzt, sofern nötig. Zugleich zeigte er sich zufrieden, dass das Kontrollsystem den Vorgang aufgedeckt habe.

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