Alba Berlin

Ein ideales Übungsfeld

Mit Erfolgen im Eurocup will sich Alba Berlin Selbstvertrauen holen, das der Mannschaft auch in der Bundesliga helfen soll. Nach souverän absolvierter Vorrunde empfängt das Team von Sasa Obradovic am Mittwoch zum Auftakt der Zwischenrunde SIG Straßburg.

Johannes Kopp
4 Min

Manche Überzeugungen sind nur schwer vermittelbar. Davon lässt sich jedoch Mithat Demirel nicht entmutigen. „Radnicki Kragujevac und Chimik Juschne“, sagt der Manager von Alba Berlin zu Beginn des Gesprächs, „kann man auf den ersten Blick nicht mit Real Madrid vergleichen.“ Eine hübsch formulierte Untertreibung. Demirel weiß eigentlich nur zu gut, der Name von Real wiegt auch im Basketball so schwer, dass er mit seiner nun folgenden Argumentation kaum das entsprechende Gegengewicht in die Waagschale zu werfen vermag. Gegen große Namen ist schwer anzukommen.

Demirel ist dennoch bestrebt, die Wertschätzung für die Duelle vermeintlich kleinerer Klubs in Europa zu steigern. Er sagt: „Der Eurocup ist in der Öffentlichkeit unterbewertet. Es spielen dort Teams mit sehr hoher Qualität.“ Im Eurocup hat Alba die Vorrunde souverän als Gruppenerster gemeistert und trifft nun in der Zwischenrunde auf Kragujevac (Serbien) und Juschne (Ukraine) sowie zum Auftakt heute Abend auf SIG Straßburg (Arena am Ostbahnhof, 20 Uhr). Real Madrid misst sich derweil im höherklassigen Wettbewerb, der Euroleague, etwa mit Galatasaray Istanbul, Bayern München und Maccabi Tel Aviv.

Doch Demirel warnt davor, sich von Namen blenden zu lassen. Im Eurocup, gibt er zu bedenken, gäbe es einige Teams, die es selbst in der Euroleague ins Achtelfinale schaffen könnten. Als Beispiel nennt er den Vorrundengegner CAI Saragossa, bei dem Alba auswärts 50:75 verlor. In der Leistungsspitze bestünde kein großer Unterschied zur Euroleague, findet Demirel. Die Aufstockung des Eurocup-Teilnehmerfelds von 32 auf 48 Mannschaften hat in dieser Saison allerdings insgesamt eine geringere Leistungsdichte zur Folge.

Kritik an den Funktionären

Vor Saisonbeginn haderte man in Berlin noch mit den Funktionären der Euroleague, weil bei der Vergabe der Wildcards Bayern München den Vorzug erhielt. Geschäftsführer Marco Baldi schimpfte damals: „Es ist nicht klar, nach welchen Kriterien die Wildcards vergeben wurden. Nach sportlichen Gesichtspunkten sicher nicht.“ Alba stünde in der europäischen Klubrangliste vor den Bayern.

Im Verlauf der Saison dürfte man sich aber in Berlin von den Vorzügen des Eurocups überzeugt haben, auch wenn Mithat Demirel nach wie vor versichert: „Natürlich würden wir lieber in der Euroleague spielen.“ Die Vorteile des Eurocups liegen auf der Hand: Für das neu zusammengestellte Team von Alba, dessen Ambitionen im Sommer deutlich tiefer gestuft wurden, ist der Eurocup zum idealen Übungsfeld geworden.

Die Gegner haben meist durchaus Klasse, und die internationalen Erfolge haben Alba Selbstvertrauen gegeben, von dem sie nicht zuletzt auch bei ihren sechs Siegen in Folge in der Liga profitieren. So erklärt der Manager im Hinblick auf die nächsten sechs Eurocup-Begegnungen: „Die Spiele gegen Gegner auf höchstem Niveau sind gut für uns. Sie helfen uns, noch weiter zusammenzuwachsen.“ In der Euroleague wären nachhaltigere Störungen dieses Findungsprozesses vorprogrammiert gewesen. Demirel räumt ein: „Dort werden Fehler schneller bestraft.“

Partie gegen SIG Straßburg ist "Schlüsselspiel"

Von vielleicht noch größerem Vorteil ist die Terminierung. Im vergangenen Jahr musste Alba oft freitags in der Euroleague und sonntags in der Liga antreten. Wegen der späten Vergabe der Wildcard ließ sich der Spielplan der Bundesliga nicht mehr umwerfen. In dieser Eurocupsaison liegen nun mindestens drei Tage zwischen den nationalen und internationalen Aufgaben.

Die Auftaktpartie gegen SIG Straßburg erklärt Demirel gleich zu einem „Schlüsselspiel“ fürs Weiterkommen ins Achtelfinale. Alba muss dazu in der Vierer-Gruppe den ersten oder zweiten Platz belegen. Und die Franzosen, die nach ihrem Vorrunden-Aus in der Euroleague im Eurocup mitmachen dürfen, gelten als der komplizierteste Kontrahent, auch wenn sie ihren besten Profi, den Center Alexis Ajinca, zum Jahreswechsel nach New Orleans in die nordamerikanische Profiliga NBA ziehen lassen mussten.

Ein Erfolg gegen Straßburg würde Alba jedenfalls weiter mächtigen Auftrieb verschaffen. Und der Eurocup könnte auf längere Frist als Katalysator für den vielversprechenden Entwicklungsprozess dieses Berliner Teams dienen.

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