Später drang nichts von den Worten Obradovics an seine Mannschaft nach außen. Was in der Kabine besprochen wird, bleibt in der Kabine. Doch dürfte ein Satz gefallen sein. „Wir haben die ganze Saison nicht über die Leistung der Schiedsrichter geredet, wir tun es auch jetzt nicht.“ Obradovic sagte diesen Satz in der Pressekonferenz, Sportdirektor Mithat Demirel, Geschäftsführer Marco Baldi und Kapitän Sven Schultze sagten ihn auch. Und redeten so indirekt dann doch über die Unparteiischen.
Ein Wert in der Statistik erregte die Gemüter. Insgesamt 61 Freiwürfe hat das Gespann Clemens Fritz, Benjamin Barth und Christof Madinger in der Partie am späten Mittwochabend verhängt. 41 gegen Alba, 20 gegen Quakenbrück. 35 Punkte haben die Gastgeber daraus gemacht, 17 die Gäste. „So, wie es ausgegangen ist, hat man ein komisches Gefühl“, sagte Marco Baldi.
Alba schien ja das Spiel unter Kontrolle zu haben. Mit einer 7:0-Serie zog die Mannschaft auf 15:9 davon (7. Minute), doch es blieb eng. 17:17 stand es nach dem ersten Viertel, im zweiten verschoben sich die Gewichte aber Richtung Berlin, Anfang des dritten stellte Jan Jagla beim 47:37 mit einem Distanzwurf eine Führung von zehn Punkten her.
In der 27. Minute zog der Power Forward wieder die Aufmerksamkeit der 3 000 Zuschauer in der Halle auf sich. Es ging um ein Foul gegen Alba. Jagla fühlte das Team zu Unrecht bestraft, richtete sich an die Schiedsrichter, hielt sich mit einem Finger zwischen den Zähnen verbal zwar zurück, doch das war für den Geschmack der Schiedsrichter wohl trotzdem zu theatralisch. Jagla kassierte ein Technisches Foul. Als kurz darauf Albas Center Levon Kendall ebenfalls mit einem Pfiff bedacht wurde, war aus Albas 58:49 in Windeseile ein 58:55 geworden.
Pedanterie in der Schlussphase
Die Halle tobte. Obradovic tobte. Albas Bank tobte. Baldi gab von seiner Warte an der Ecke des Spielfelds Jagla gestenreich zu verstehen, seine Emotionen besser zu kontrollieren. „Das Momentum“, sagte der Geschäftsführer später, habe sich in diesem Augenblick verschoben. Albas Guard Akeem Vargas rechnete vor: „Wenn du mit zwölf Punkten ins letzte Viertel gehst, ist das ein anderes Spiel.“ Abzüglich der sechs Punkte, die Quakenbrück in der 27. Minute an der Freiwurflinie erzielte, führte Alba aber nur 65:59.
Die Foulbelastung drückte die Berliner immer schwerer, die Pedanterie der drei Unparteiischen auf den Spielfluss. In der 38. Minute erwischte es Albas besten Verteidiger, Clifford Hammonds musste wegen des fünften Fouls vom Platz. 75:76 stand es da, 82:85, als Levon Kendall das gleiche Schicksal ereilte. 24 Sekunden waren noch zu spielen. Es folgten zwei vergebene Distanzwürfe von Jagla, vier verwandelte Freiwürfe der Dragons und der Schlusspunkt von Antonio Graves 4,4 Sekunden vor Ultimo.
Für Albas Sportdirektor Demirel fühlte sich das alles an wie ein gestohlener Sieg. Kapitän Schultze fand: selbst schuld. „Vielleicht hatten die Schiris nicht ihren besten Tag, aber dann müssen wir eben trotzdem weitermachen“, sagte er. Obradovic ergänzte: „Wir müssen einen Weg finden, unter diesen Umständen ein Spiel zu gewinnen.“
Warum auch nicht? Es war ja nicht alles schlecht gewesen. Es war sogar einiges ziemlich gut, fand der Coach. Sie schalteten Quakenbrücks gefährlichste Offensivkraft diesmal aus, sie hielten David Holston bei sieben Punkten. Sie provozierten elf Ballverluste und hatten selbst nur vier. „Wir haben besser als zum Auftakt in Berlin gespielt“, sagte Obradovic. Darauf wollen sie aufbauen, am Sonntag im dritten Spiel in Berlin (18:35 Uhr/Sport 1 live). Und am Dienstag wieder bei den Artland Dragons.
Draußen in Quakenbrück gab der Landregen der Stimmung am späten Mittwoch einen Rahmen. Schultze verabschiedete am Bus mitgereiste Fans. Einige Spieler suchten drinnen schon nach der Schlafposition für die lange Heimfahrt, andere stellten sich in einer Garage an der Halle unter, diskutierten. Irgendwo im Ort versammelten sich die Quakenbrücker. In der Kantine ist an solchen Abenden noch Betrieb. Ein winziges Lokal gegenüber vom Bahnhof, Cocktails gibt es dort und Bio-Wein. Vor dem Lokal steht ein Schild: „David Holston – Drinks for free.“ Die Zeche geht aufs Haus.
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