Selbstverständlich redet Jan Jagla mit dem Schwiegervater über Basketball. Jan Jagla ist ja Power Forward bei Alba Berlin und Svetislav Pesic der Trainer des FC Bayern. Sie dürften also ein paar Worte gewechselt haben über den Auftakt der Playoffs, Albas 86:66 (37:41) gegen Ulm und das 101:57 (51:25) der Bayern gegen Ludwigsburg. Ein paar Worte, mehr nicht, denn: „Wir reden eigentlich nicht darüber, was gerade bei uns los ist oder bei ihm“, sagt Jagla. Beruflich sind sie Konkurrenten. Doch das, was er im Moment über den Basketballer Jan Jagla wissen muss, bekommt der Schwiegervater auch so mit. Es reicht im Grunde, über Albas Viertelfinalsieg gegen Ulm Bescheid zu wissen.
Es war ein schwerer Start in die Playoffs gewesen für die Berliner. Sie spielten nervös. Weniger wegen der Kulisse von 8155 Zuschauern im Ausweichquartier Max-Schmeling-Halle, aus der Arena am Ostbahnhof sind sie schließlich anderes gewohnt. Ungewohnt war für die meisten der Druck. Eine Niederlage, und sie hätten den in der Hauptrunde erarbeiteten Heimvorteil in der Serie Best of Five verspielt. „Wir haben viele Fehler gemacht“, sagt Albas Trainer Sasa Obradovic. Die Offensive bereitete Probleme, in den ersten 25 Minuten gelangen nur 46 Punkte. Die Quote aus dem Feld rutschte auf 36 Prozent ab.
Vertragsende nach den Playoffs
Doch Alba verteidigte weiter hart, und es kam der Moment, der bisher oft gegen Ende des dritten Viertels kam. Diesmal war es der Moment der Veteranen. Sven Schultze, 35, war zur Stelle mit einer Trefferquote von 75 Prozent. Jan Jagla, 32, machten 20 Punkte und 12 Rebounds zum Mann des Spiels. „Man hat gespürt, dass das Eis bricht“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi über die entscheidende Phase.“
Es sei sicher kein Zufall gewesen, dass sie das Spiel beruhigten, meint Schultze. Jagla sagt: „Sven und ich haben das schon ein paar Mal durchgemacht. Wir wissen, wie der Hase läuft.“ Zwischen 2001, als er Berlin verließ, und seiner Rückkehr liegen insgesamt acht Stationen als Profi in Deutschland, Griechenland, Spanien, Polen und der Türkei. „Ich wusste, wo ich hinkomme“, sagt Jagla über das Alba-Team der Saison 2013/2014. „Ich wusste, dass ich mal mehr, mal weniger spielen würde.“ Die Knöchelverletzung von Center Leon Radosevic, 24, rückt den 2,13 Meter großen Power Forward derzeit stärker in den Fokus.
Abseits des Spielfelds fungieren er und Schultze als Vermittler der Spielidee, als Mittler zwischen den jungen Kollegen und dem Trainerstab. „Auf eine perfekte Art“, sagt Baldi über die beiden und über Jagla: „Er bringt das, was man von ihm erwarten durfte.“ 13,35 Minuten steht Jagla im Schnitt auf dem Parkett, schafft 7,5 Punkte und 3,3 Rebounds, was nicht gravierend von den Werten der Vorsaison beim FC Bayern abweicht. Seine Routine ist in einem Team der Talente jedoch stärker gefragt als unter dem Herrn Schwiegervater. Das zeigte sich deutlich beim Playoffstart.
„Die Offensivrebounds, vor allem von Jagla, haben uns besonders wehgetan“, sagt Ulms Trainer Thorsten Leibenath. Mit 43:34 Abprallern ingesamt ging das Duell an den Brettern klar an Alba. „Er ist immer eine Gefahr von außen“, sagt Coach Obradovic. Zwei von fünf Dreiern verwandelte Jagla, zum 51:52 (27.) und zum 56:56 (29.).
„Er hat geblasen wie ein Wal“, sagt Geschäftsführer Baldi über den Fitnesszustand des Power Forwards nach der Partie. Jagla sei ja kein Leichtathlet, der 40 Kilometer am Stück renne, daran lasse sich nun aber ebenfalls der Wert von Routine erkennen. „Er hat das Gefühl: Wann gehe ich hin, wann bleibe ich weg.“
Es werden andere Tage kommen, sagt Jagla, und genau hierin unterscheidet sich diese Karrierestation von allen anderen: „Jeder hat sich gefreut, dass ich heute ein geiles Spiel gemacht habe. Das nächste Mal freuen wir uns, wenn ein anderer ein geiles Spiel macht.“ Irgendwann kehrt schließlich auch Radosevic zurück. Vielleicht schon am Dienstag zum Spiel in Ulm.
Über das Betriebsklima sagt Jagla jedenfalls: „Das ist eine Situation, die ich so noch nie hatte.“ Kann sein, dass er nächste Saison erneut in diesen Genuss kommt. Sicher ist das nicht. Die Verträge der zwei Veteranen laufen nächsten Monat aus.
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