Es ist ja nicht so, dass man den Sieger der Finalserie nicht vorhersehen hätte können. Die Basketballer des FC Bayern München, das sagen sie auch immer wieder bei Alba Berlin, sind nun mal das beste Team der Bundesliga. Die höchste Qualität, die am tiefsten besetzte Mannschaft, die größte Erfahrung in der gesamten Liga – drei Elemente, die Titel garantieren. In der Bundesliga sollte dieses Rüstzeug, vor allem im Play-off-Format Best-of-Five, auch in den kommenden Jahren schwer bis gar nicht zu schlagen sein.
Am ehesten hatte man noch Alba Berlin die Rolle des ernsthaften Herausforderers zugetraut. Ähnlich tief besetzt, dazu eine annähernd hohe Qualität im Kader. Einzig die Erfahrung ist es, die den Wagners, Hermannssons und Mattissecks noch fehlt. Diese, im Vergleich zu den Bayern, fehlende Kompenente nur mit jugendlicher Leichtigkeit und Unbekümmertheit auszugleichen, kann punktuell in einem Spiel zum Sieg führen. Das hat das BBL-Viertelfinale in München gezeigt, in welchem ausgerechnet Jonas Mattisseck zum Matchwinner wurde.
Fünfte Finalniederlage
Auch in den drei Finalspielen hätte sich der Alba-Stil durchsetzen können, in Spiel eins sogar müssen. Unabhängig von einflussnehmenden Schiedsrichterentscheidungen hätte sich ein Team mit mehr Erfahrung einen Acht-Punkte-Vorsprung kurz vor Ende nicht mehr nehmen lassen. Wer weiß, wie die Serie gelaufen wäre, hätte Alba Berlin dieses erste Spiel geklaut.
So aber hat das Team von Aito Garcia Reneses auch dieses Finale verloren, das dritte von dreien in dieser Saison. Fünf Finalniederlagen in Folge sind es sogar, wenn man den Vizetitel und das verlorene Pokalfinale der Vorsaison dazurechnet. Das kann einer Mannschaft einen Knacks versetzen, kann sie aber auch noch weiter wachsen lassen.
Entwicklung als Erfolg
Wenn man Erfolg nur an Erfolgen, an Titeln misst, müssten Verantwortliche, Spieler und Fans unzufrieden sein. Doch hat Alba in dieser Saison mit dem Erreichen des Endspiels um den Eurocup mehr erreicht, als in der Vorsaison. Mit dem Einzug in die Finalrunde gegen Bayern München gelang gleichzeitig die Qualifikation für die Euroleague. Sind das nicht auch Erfolge?
Trainer klatscht Kapitän ab: Aito Garcia Reneses nach dem Finale mit Niels Giffey.
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Ist es nicht ein Erfolg, dass mit Franz Wagner und Jonas Mattisseck Berliner Eigengewächse nicht nur Bankwärmer und Handtuchhalter, sondern große Hoffnungen für die Zukunft sind? Das primäre Ziel der Verantwortlichen bei Alba Berlin ist die Entwicklung. Die Entwicklung von Spielern, die Entwicklung der Vereinsstruktur.
Interessanter geworden
Mit dieser Saison, mit diesen drei Endspielen, ist die Marke, der Verein Alba Berlin noch einmal interessanter für Spieler geworden, die nach gesundem Boden zur Entwicklung oder, wie Luke Sikma, nach Stabilität in einem Umfeld mit Perspektive suchen. Und wenn diese erneute Niederlage in einem Finale genau die Erfahrung bringt, die den jungen Spielern noch fehlte, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es endlich mal wieder einen Titel gibt.
Es soll ja schließlich Leute geben, die erst sechs Endspiele verlieren mussten, um endlich mit der Champions League einen großen Wettbewerb zu gewinnen. So gesehen hat Alba Berlin sogar noch ein Endspiel Zeit.
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