BERLIN. Der Bus wartete vor der Arena am Ostbahnhof, doch Marius Nolte stieg noch nicht ein. Der Paderborner Basketballer diskutierte mit Fans. Sie redeten über das 67:77 bei Alba Berlin, über das dritte Spiel im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft gerade eben. Eine gute Gelegenheit für Nolte, sich die Beine zu vertreten. Der 2,06 Meter große Center hockte schließlich noch den ganzen Sonntagabend in einer engen Sitzreihe, sechs Stunden, so lange brauchten sie zurück nach Paderborn.Albas Spieler konnten sich derweil ausstrecken, sie nahmen im VIP-Raum der Arena eine Stärkung zu sich. Am Dienstag sind sie es, die nach getaner Arbeit die Nacht auf der Autobahn zubringen, in umgekehrter Richtung, vielleicht mit einem guten Gefühl: Sollten sie gewonnen haben, stünden sie mit 3:1 Siegen im Halbfinale gegen Bonn.Playoffzeit ist Reisezeit, strapaziös also. Playoffzeit ist auch die Zeit der immer gleichen Duelle und daher knifflig. In enger Abfolge trafen Alba und Paderborn dreimal aufeinander: Sonntag, Donnerstag, Sonntag. Casey Jacobsen sagte: "Wir wussten heute, was die Paderborner tun würden." Zwar entwickelte sich gestern ein enges Spiel, Alba führte nach dem ersten Viertel 16:14. Doch hatte das Team von Trainer Luka Pavicevic die Lage meist unter Kontrolle. Zur Hälfte hieß es 38:29, am Ende des dritten Abschnitts 64:44.Das lag daran, dass Julius Jenkins seine Treffsicherheit zurückerlangte, er erzielte als bester Berliner Werfer 20 Punkte. Es lag auch an der verbesserten Defensivleistung. Und daran, dass die Center in der Offensive ihr schnelles Spiel aufzogen. Adam Chubb kam so auf zwölf Punkte, Blagota Sekulic auf 13.Aus dem komfortablen Vorsprung wurde im letzten Viertel dennoch ein knapper Vorsprung. "Paderborn gibt nie auf", sagte Alba-Trainer Pavicevic. Kurz vor Schluss hätte Lavelle Felton aus der Distanz auf vier Zähler verkürzen können, doch der Ball rollte vom Ring, und so vergrößerte Jakobsen am Ende den Abstand mit zwei Treffern um fünf auf zehn Punkte.Ein Schritt zu spät"Alba hat in der entscheidenden Phase mit Kopf und Intensität gespielt", sagte Gästecoach Douglas Spradley. Er habe dagegen seinem Assistenten vor der Partie in der Kabine gesagt: "Ich vermisse etwas bei meinen Spielern." Tatsächlich fehlte es den Paderbornern in der Defensive manches Mal an Schnelligkeit. "Der Unterschied zum ersten Spiel in Berlin war gewaltig", sagte Spradley, "ich hoffe, dass wir am Dienstag wieder unser hartes Playoffspiel aufziehen können."Sich häufig zu begegnen, bedeutet zwar, sich gut zu kennen. Sich gut zu kennen, bewahrt jedoch nicht vor Fehlern. Manchem mag die Gewohnheit ein trügerisches Gefühl der Sicherheit geben. Beim 68:71 am Donnerstag jedenfalls ließ Alba dem Gegner Platz für offene Würfe und kam in den Schlusssekunden den entscheidenden Schritt zu spät. Diesmal kehrte sich das Bild um.Die Paderborner mit taktischen Finten zu überlisten, will Alba nicht. "Die Zeit ist zu knapp, um im Training noch etwas anderes zu machen", sagte Sportdirektor Henning Harnisch, der vermutet, dass in der Serie mit ihren maximal fünf Spielen die Kraft den Ausschlag geben könnte. Von taktischen Änderungen hält auch Pavicevic nichts. Er richte die Konzentration der Spieler vor jedem Duell zumeist auf je drei wichtige Aspekte in der Defensive und in der Offensive, sagte er.Albas Basketballer wissen also, was zu tun ist. Sie möchten das in Paderborn gern zeigen. Leicht wird es nicht. Jenkins prophezeite: "Das wird ein sehr physisches Spiel." Dafür will Paderborns Coach Spradley auch alles tun. Auf der Heimfahrt machte er sich bereits an die Arbeit: "Wir werden uns das Video vom Spiel ansehen und hoffentlich etwas daraus lernen." In den Playoffs reisen sie viel und lernen den Gegner besser kennen. Und manchmal machen sie eben beides zugleich.------------------------------Foto: Ganz der Alte: Julius Jenkins erzielt beim 77:67-Sieg gegen Paderborn 20 Punkte und avanciert damit zum besten Werfer beim Deutschen Meister.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de