Alexanderplatz

Acht Kabeldiebe gefasst

Außergewöhnlicher Einsatz für die Berliner Polizei: Sie wird in das leer stehende Haus der Statistik in der Nähe des Alexanderplatzes gerufen. Dort war eingebrochen worden. Acht Kabeldiebe werden festgenommen.

Uwe Aulich
3 Min
Verdacht auf Kabeldiebstahl: Festnahme in der Otto Braun Straße (15.05.2014).

Verdacht auf Kabeldiebstahl: Festnahme in der Otto Braun Straße (15.05.2014).

© Uwe Aulich/Berliner Zeitung Lizenz

Die Polizei hat am Donnerstag im früheren Haus der Statistik in Mitte acht Buntmetalldiebe festgenommen. Sie waren offenbar in die seit Jahren leerstehende Immobilie des Bundes an der Otto-Braun-Straße 70–72 eingebrochen, hatten einige Zimmer bewohnt und sogar eine Werkstatt eingerichtet, um Versorgungskabel aus dem riesigen Gebäudekomplex auszubauen. Ein Hausmeister hatte am Morgen eine aufgeschweißte Stahltür entdeckt und gesehen, dass sich Personen in dem Haus bewegten. Er alarmierte um 9.30 Uhr die Polizei.

Trafo im Keller

Der Großeinsatz mit 70 Beamten hatte Auswirkungen auf die Umgebung. Aus Sicherheitsgründen musste ein Trafo im Keller des Bürokomplexes abgeschaltet werden, über den weitere Gebäude des Viertels mit Strom versorgt werden. Betroffen von dem Stromausfall waren das Haus der Gesundheit an der Karl-Marx-Allee, ein Wohnhaus sowie Hotels an der Otto-Braun-Straße und der Mollstraße. Die Ampel an der Kreuzung Otto-Braun- und Mollstraße war mehrere Stunden außer Betrieb. Erst am Nachmittag sollte die Stromversorgung wieder hergestellt werden.

Die Täter sind nach ersten Ermittlungen zwischen 25 und 30 Jahre alt, unter ihnen ist auch eine schwangere Frau. Sie stammen aus Lettland, Tschechien und Frankreich. Sie hatten sich in verschiedenen Räumen eingerichtet, andere Büros wurden als Klo genutzt. Es sei unvorstellbar, wie es dort aussehe, sagte der Hausmeister.

Nach Angaben der Polizei haben die acht Personen keinen festen Wohnsitz in Deutschland und wurden festgenommen. Derzeit werde geprüft, ob sie am Freitag einem Richter vorgeführt werden und ein Haftbefehl erlassen wird. Denn bereits im April gab es im Haus der Statistik einen Zwischenfall. Damals waren aus dem Trafohaus ebenfalls Kabel gestohlen worden. Der Stromausfall hatte nicht nur die umliegenden Gebäude, sondern auch einige Wohnhäuser in Prenzlauer Berg lahm gelegt. Den Schaden hatte Vattenfall mit einer Million Euro beziffert. Er wurde aber nur notdürftig geflickt, die Kabel liegen seitdem im Keller offen, weshalb Lebensgefahr bestand und der Strom abgeschaltet werden musste.

Ob der Diebstahl im April ebenfalls von den acht Personen begangen wurde, wird jetzt von der Kriminalpolizei untersucht. Der Verdacht liegt nahe“, sagte ein Beamter. Im Keller und am Trafo wurden Spuren gesichert. Gefunden wurden auch Berge von Isolationsmaterial, mit dem Kabel normalerweise ummantelt sind, was offenbar von Buntmetalldieben zurückgelassen wurde.

Bis zum Nachmittag wurde das bis zu zwölf Geschosse hohe Gebäude von der Polizei nach weiteren illegalen Bewohnern durchsucht, andere Personen wurden nicht entdeckt. „Das sind 48 000 Quadratmeter Fläche, das dauert eine Weile“, sagte ein Beamter. Bei den Festgenommenen wurden Werkzeug, etwa ein Bolzenschneider, und Drogen sichergestellt.

Das Haus der Statistik soll abgerissen werden. Bund und Land stimmen sich derzeit noch über den Verkauf des Areals ab, auf dem Büro- und Geschäftshäuser sowie Wohnungen errichtet werden sollen. Gebaut wurde der Komplex 1968–70, er war Sitz der Zentralverwaltung für Statistik der DDR, im Erdgeschoss gab es beliebte Gaststätten wie Jagdklause und Mocca-Eck, die Suhler Jagdhütte und den Natascha-Laden mit Waren aus der Sowjetunion.

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