Diplomatie

Nach Entführung von Influencer: Algerien will zwölf französische Diplomaten ausweisen

Die Verschleppung eines regierungskritischen algerischen Influencers und die Festnahme seiner mutmaßlichen Entführer sorgt für Unmut zwischen Paris und Algier.

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Der französische Außenminister Jean-Noel Barrot

Der französische Außenminister Jean-Noel Barrot

© Anna Ross/dpa

Algerien hat zwölf französische Botschaftsangehörige aufgefordert, innerhalb von 48 Stunden das Land zu verlassen. Das gab der französische Außenminister Jean-Noël Barrot am Montag bekannt. „Ich fordere die algerischen Behörden auf, diese Ausweisungsmaßnahmen aufzugeben … wenn die Entscheidung, unsere Beamten zurückzuschicken, aufrechterhalten wird, haben wir keine andere Wahl als sofort zu reagieren“, sagte Barrot weiter. Hintergrund für die Ausweisung der Diplomaten sei die Verhaftung von drei algerischen Staatsangehörigen in Frankreich, die versucht haben sollen, den algerischen Influencer Amir Boukhors zu entführen.

Die Entscheidung sei „ungerechtfertigt“, sagte Barrot weiter laut BFM TV. „Wir haben gemeinsam mit der algerischen Regierung beschlossen, den Faden des Dialogs im Dienste unserer beiden Länder neu zu knüpfen. Ich fordere die algerischen Behörden auf, diese Ausweisungsmaßnahmen aufzugeben, die in keinem Zusammenhang mit den laufenden Gerichtsverfahren stehen“, fügte er hinzu. Barrot fügte hinzu, dass Frankreich „sofort“ reagieren werde, falls die Ausweisungen fortgesetzt würden.

Algier will Influencer Boukhors vor Gericht stellen

Der Influencer Amir Boukhors, bekannt als „Amir DZ“, ist ein Gegner der algerischen Regierung und hat mehr als eine Million Follower auf TikTok. Er hält sich seit 2016 in Frankreich auf und erhielt 2023 politisches Asyl. Im April 2024 wurde er entführt und nach Angaben seines Anwalts am nächsten Tag wieder freigelassen. Algier fordert die Rückkehr des Influencers, um ihn vor Gericht zu stellen, und hat neun internationale Haftbefehle gegen ihn ausgestellt, in denen ihm Betrug und terroristische Straftaten vorgeworfen werden. Unter den nun in Frankreich festgenommenen Tatverdächtigen soll sich ein Beschäftigter des algerischen Konsulats in Créteil bei Paris befinden.

Algerien hatte am Samstag heftig gegen die Anklageerhebung gegen seinen Konsularbeamten protestiert und die Argumentation des Innenministeriums als „an den Haaren herbeigezogen“ bezeichnet. „Diese neue, unzulässige und unsägliche Entwicklung wird den algerisch-französischen Beziehungen großen Schaden zufügen“, warnte das algerische Außenministerium, nachdem es den französischen Botschafter in Algerien empfangen hatte.

Unter den 12 Personen, die Algerien nun nach französischen Angaben ausweisen will, befinden sich auch einige Mitglieder des französischen Innenministeriums, so eine diplomatische Quelle gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben des Pariser Außenministeriums handele es sich um einen einmaligen Vorgang seit der Unabhängigkeit des nordafrikanischen Landes im Jahr 1962.

Algerien und Frankreich hatten sich gerade erst bemüht, ihre angespannten Beziehungen wieder zu normalisieren. Vor einer Woche erst war Barrot zu diesem Zweck nach Algerien gereist. (mit dpa)

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