Marokko

„Allah ist lesbisch“: Feministin Ibtissame Lachgar wegen T-Shirt in Haft

In Marokko sitzt die Frauen- und LGBTQ-Aktivistin Ibtissame Lachgar wegen Blasphemie in Haft. Auslöser ist die Aufschrift auf einem T-Shirt von ihr.

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Dieses Foto von Ibtissame Lachgar löst Empörung aus.

Dieses Foto von Ibtissame Lachgar löst Empörung aus.

© screenshot/x

Die prominente marokkanische Feministin und Atheistin Ibtissame Lachgar ist Medienberichten zufolge in Rabat festgenommen worden. Der Vorwurf: Blasphemie. Die 50-Jährige habe laut den Behörden „Gott und die islamische Religion beleidigt“. Auslöser war demnach ein Foto in sozialen Netzwerken, auf dem sie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Allah is lesbian“ (Allah ist lesbisch) trägt. Die Staatsanwaltschaft des erstinstanzlichen Gerichts in Rabat leitete eine Untersuchung ein und ordnete eine bis zu 48-stündige Untersuchungshaft an.

Ende Juli veröffentlichte Lachgar in sozialen Netzwerken ein Foto von sich in dem provokanten T-Shirt. In dem Beitrag bezeichnete sie den Islam als „wie jede religiöse Ideologie“ faschistisch und frauenfeindlich. Die Veröffentlichung stieß auf heftige Reaktionen. Auf Facebook berichtete Lachgar, sie habe daraufhin tausende Drohungen erhalten – darunter Aufrufe zur Vergewaltigung, Mord und Steinigung.

Ist jemand wegen Blasphemie verurteilt? In Marokko droht bei öffentlicher Beleidigung der islamischen Religion eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zwei Jahren sowie eine Geldstrafe von bis zu 200.000 Dirham (etwa 19.000 Euro). Im Fall der Verbreitung solcher Äußerungen, etwa im Internet, erhöht sich die Höchstdauer auf bis zu fünf Jahre Haft.

Wer ist Ibtissame Lachgar?

Ibtissame (Betty) Lachgar ist eine bekannte Aktivistin für Frauenrechte, LGBTQ‑Rechte und individuelle Freiheiten. Sie ist Mitbegründerin der Bewegung für individuelle Freiheiten (MALI) und zählt zu den wenigen öffentlich atheistischen Stimmen in Marokko. Für ihren Einsatz hat sie bereits mehrere Male internationale Anerkennung erhalten – darunter Auszeichnungen durch humanistische Organisationen.

Zu ihren bekanntesten Aktionen zählen ein „Ramadan-Picknick“ im Jahr 2009 – ein symbolischer Protest gegen das Fasten, der eine landesweite Debatte über Religionsfreiheit auslöste – sowie ein „Kiss-In“ in Rabat 2013 im Zeichen der Toleranz gegenüber LGBTQ-Rechten. Darüber hinaus engagiert sich Lachgar für das Recht auf Abtreibung und die gesellschaftliche Anerkennung von LGBT-Personen.

Hintergründe und Reaktionen

Morocco World News berichtet, dass die Polizei auf zahlreiche Online‑Meldungen reagierte und rechtliche Schritte ankündigte. Laut Medien schreckte der provokante Slogan viele auf – er geht auf einen feministischen Ursprungssatz zurück: „Nobody knows I’m a lesbian“ (dt. “Niemand weiß, dass ich lesbisch bin”).

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