„Doch jetzt tut’s nicht mehr weh. Nee, jetzt tut’s nicht mehr weh. Und alles bleibt stumm und kein Sturm kommt auf, wenn ich dich seh …“ NEIN, so wie von Rio Reiser beschrieben, fühlt es sich noch nicht an, wenn ich Dich – wahrscheinlich – am Samstag in Gelb-Schwarz spielen sehe. Es tut immer noch weh!
Zur Person
Sechs Monate ist es her, dass wir uns zum letzten Mal sahen, Ostern, vor dem Auswärtsblock in Lüdenscheid-Nord. Mit Dir im falschen Trikot. Wie haben wir, die seit Jahren aus Norwegen an die Alte Försterei reisen, uns 2018 gefreut, als mit Dir endlich ein Norweger für den 1. FC Union Berlin auflief. Du hast es durch Union und Union hat es durch Dich in Norwegen aus dem Dunstkreis der Fußball-Nerds heraus und in die öffentliche Wahrnehmung geschafft: Du bist durch Union Nationalspieler geworden, und wir als Union-Fanclub haben einen Stammplatz in unserer Kneipe in Oslo erhalten, sind Norwegen-weit bekannt geworden.
Endlich die gelbe Wand bezwingen
Besucht hast Du uns im Bohemen letztes Jahr, und Dein Trikot mit Widmung für unseren Fanclub und den Unterschriften aller Union-Spieler hat noch immer einen Ehrenplatz hier im Vålerenga Fan-Pub in der Arbeidergata. Ein Bild wird für immer in unseren Herzen bleiben: als Du den Bamsegjengen Fan-Schal vom Balkon der Alten Försterei im Mai 2022 in den Himmel über Köpenick gereckt hast, für alle sichtbar.
Ryersons Trikot hat einen Ehrenplatz im Fan-Pub in Oslo.
© Bamsegjjengen
Du und Deine Kumpels aus Lyngdal waren wie ein Teil unseres Fanclubs. Leider viel zu kurz und der Abschied viel zu abrupt. Außer Jonas, der die Farben nicht gewechselt hat. Für den ist die Liebe zu Union größer geworden als das Bedürfnis, Dir zu folgen. Trotz rationaler Erklärung und allen individuellen Verständnisses fühlt es sich neun Monate später für mich als Fan immer noch ein wenig wie „vom Geliebten verlassen“ an. Und es schmerzt. Vielleicht ist es ja besser, Du spielst am Samstag nicht. Dann tut auch nix weh und wir können uns auf die Hauptaufgabe fokussieren: Endlich die gelbe Wand zu bezwingen.
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Am 26. Oktober 2016 war es, so erzählt die rote Regenjacke meines Sohnes, als wir zum ersten Mal nach Westen zogen, um die Wand zu besteigen. Gesanglich hatte das gut funktioniert, wie man auf YouTube hören kann. Sportlich leider nicht. Aber knapp war’s. Ist schon witzig, dass wir als Zweitligist in den Pokalspielen näher am Gipfelsturm waren als bisher in der Bundesliga. Vielleicht, weil sich Marco Reus beim Spiel gegen unterklassige Gegner nicht so schnell fallen lässt? Spekulation, steckt man nicht drin. Will man auch nicht. Zumindest nicht bei Union.
Die Wand-Bezwinger-Windjacke haben übrigens weder mein Sohn noch ich damals auf redliche Art erworben. Stattdessen wurde sie mir nach drei Bier in der Nacht nach einer Bayern-Niederlage vor einem Späti in der Köpenicker Bahnhofstraße von einem anderen Unioner geschenkt. Den hatte ich vorher und nachher leider nie wieder getroffen. Er lief sogar extra nach Hause, um sie zu holen: „Hier, für Deinen Sohn in Oslo. Meiner ist rausgewachsen. Ein Hoody ist auch dabei“, sagte er. Und „Prost, auf den nächsten Sieg!“ Gibt es so etwas eigentlich noch woanders?
Eisern!
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