Und tatsächlich wird momentan ein Konzept für eine neue Nutzung erarbeitet. Das Gebäude im Herzen des Lichtenberger Ortsteils soll wieder zu einem belebten öffentlichen Ort werden – darum kümmert sich die Stiftung Stadtkultur. „Mit dem 70-jährigen Jubiläum des Hauses, das 1949 eröffnet wurde, wollen wir das Theater nun wieder etwas mehr in den Fokus rücken und es aus dem Dornröschenschlaf holen“, sagt Michael Wagner vom Vorstand.
Derzeit laufen Gespräche, in denen dem Haus ein neues Leitbild verpasst werden soll – ein Spielbetrieb im Sinne eines Ensembletheaters kann hier nicht mehr stattfinden. „Nach der Schließung wurden die Räumlichkeiten, die eigentlich für Maske, Requisite und Garderobe genutzt wurden, der Karlshorster Musikschule übergeben“, sagt Wagner. Man müsse die Raumnutzung neu denken.
„Russenoper“ ging nach der Wende an die Howoge
Das Theater wurde 1948 auf Befehl des Chefs der russischen Militäradministration gebaut, ist einer der ersten Theaterneubauten nach dem zweiten Weltkrieg. Ins „Haus der Offiziere“ – so hieß es nach der Eröffnung – durften allerdings nur Angehörige des Militärs.
Auf der Bühne standen Künstler wie der Geiger David Oistrach und die Primaballerina Galina Uljanowa, eine Besetzung, die zum umgangssprachlichen Namen „Russenoper“ führte. Erst ab 1963 hatte auch die übrige Bevölkerung Zutritt zum Theater, das für Kinovorstellungen und Konzerte genutzt wurde. Nach der Wende ging der Bau an die Howoge, die ihn fortan an kulturelle Betreiber vermietete. Der Theaterbetrieb endete 2007.
„Russenoper“: Etwa 600 Gäste passen in den Saal des Karlshorster Theaters.
© Stiftung Stadtkultur/Hölzl
Seitdem steht der 600 Gäste fassende Saal mit den rot bezogenen Sitzen leer – und der Zahn der Zeit nagt an dem Bau. „Wir haben kein Wasser, kein Licht, keine Heizung, keine Lüftung“, sagt Petra Grampe von der Stiftung.
Das Innenleben müsste saniert und generalüberholt werden: Im Bühnenturm hängen noch Gestelle und Scheinwerfer aus dem regulären Spielbetrieb. Wenn das Konzept für die Neuausrichtung steht, könnten die Arbeiten 2022 oder 2023 beginnen, damit sich bis 2027 der Vorhang hebt.
„Russenoper“ in Karlshorst: Theater soll Kulturstätte der Stadt werden
Kuratorin Francesca Ferguson, zuständig für die künstlerische Leitung, möchte aus dem Haus ein multifunktionales Kulturzentrum machen, geeignet für raumübergreifende Kunst- und Musikinszenierungen. „Wir wollen das Theater als eine der Kulturstätten der Stadt verankern“, sagt sie. „Und das Ziel ist es, ein gemischtes Publikum anzusprechen. Wenn man mit der Berliner Kulturszene spricht, nehmen viele das Haus gar nicht wahr – obwohl es mit der Bahn weniger als 20 Minuten vom Alexanderplatz entfernt liegt.“
Um den Blick der Berliner für das Schauspielhaus zu schärfen, sind verschiedene Veranstaltungen geplant. Den Auftakt bildet der Tag des offenen Denkmals am 8. September: Hier wird im 30 Meter hohen Bühnenturm – dort, wo eigentlich die Kulissen hängen – ein Musikprogramm geboten. Auf dem Vorplatz können sich die Karlshorster derweil auf einem Tanzboden austoben.
Weitere Veranstaltungen in der benachbarten Theatergasse sind geplant, darunter ein großes Schachturnier am 7. September und der bereits zweite Karlshorster Weinsommer am 5. Oktober.
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