Am Weltfrauentag

Patientenbeauftragte Karin Stötzner erhält Verdienstkreuz

16 Frauen werden ausgezeichnet, unter ihnen sind zwei Berlinerinnen.

Jan Thomsen
4 Min
„Wir wollen Patienten eine Stimme geben“, sagt Karin Stötzner.

„Wir wollen Patienten eine Stimme geben“, sagt Karin Stötzner.

© DPA/Laurin Schmid

Kürzlich musste Karin Stötzner etwas schmunzeln. In ihrer alten Heimat Frankfurt am Main wurde ein Jubiläum begangen, und zwar mit Pomp: 40 Jahre „Frauen für Frauen“ – ein Verein, den Stötzner, heute 65, damals mitgegründet hat. Der Oberbürgermeister erschien eigens im Kaisersaal, dem prunkvollen Festsaal am Römer, um feierlich zum Jahrestag zu gratulieren. Gewalt gegen Frauen, referierte das Stadtoberhaupt der Main-Metropole, sei immer noch ein reales, alltägliches Phänomen, eine Menschenrechtsverletzung. Und damit „so aktuell wie damals“.

Nur dass die Gründung des ersten Frauenhauses damals die geballte Empörung des Establishments auf sich zog – auch die der Stadtoberen selbstverständlich. „Dass wir es wagten, Gewalt in der Ehe so offen zu thematisieren, wurde uns übelgenommen“, sagt Stötzner. So ändern sich die Zeiten.

Eine von 16 geehrten Frauen

Auch Karin Stötzner selbst erhält an diesem 8. März, dem Internationalen Frauentag, eine Ehrung: als Berliner Patientenbeauftragte. Bundespräsident Joachim Gauck verleiht ihr das Verdienstkreuz am Bande. Stötzner ist eine von 16 Frauen bundesweit, die am Frauentag so ausgezeichnet werden, darunter zwei aus Berlin – neben Stötzner wird auch Shermin Langhoff, die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, geehrt.

Patientenbeauftragte mag deutlich trockener klingen als Frauenhaus-Gründerin. Doch auch mit dieser Aufgabe hat Stötzner ein kleines Stück Geschichte geschrieben. Denn sie war 2004 die erste Patientenbeauftragte eines Bundeslandes, als die damalige Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner von der Linken dieses neue Amt in ihrer Verwaltung einrichtete. Inzwischen gibt es nicht nur weitere Patientenbeauftragte auf Landesebene, nämlich in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, die sich Berlin, also Stötzner, zum Vorbild genommen haben. Auch der Bund hat eine solche Stelle, zudem müssen die Krankenkassen besser beraten als früher.

„Die gesamte Beratungsstruktur für Patienten hat sich deutlich verbessert“, sagt sie. Und das ist in Berlin auch ihr Verdienst. „Ich bin das große Ohr für alle Anliegen“, sagt Stötzner. „Patienten sind immer das schwächste Glied im Gesundheitssystem. Wir wollen ihnen eine Stimme geben.“ Ihre Stelle ist unabhängig – auch von der Hausleitung, die von der Linken zur CDU unter Mario Czaja und jetzt zur SPD unter Gesundheitssenatorin Dilek Kolat wechselte. Doch niemand außer Stötzner kann bestimmen, worum sie und ihre drei Mitarbeiter in der Oranienstraße sich kümmern. Im Jahr 2011 kam auch noch die Pflege als verwandtes Thema hinzu.

Wenn Menschen sich an Karin Stötzner wenden, können sie ganz kleine oder ganz große Sorgen haben: ein Arzt, von dem sich jemand im Wortsinn schlecht behandelt fühlt. Ein Problem mit der Krankenkasse, die einen Heilplan nicht akzeptieren will. Ein Verdacht auf einen Behandlungsfehler im Krankenhaus. Beobachtungen von Angehörigen zu mangelnder Hygiene auf einer Station.

Die Anfragen kommen telefonisch, per Mail, schriftlich, auch Termine können vereinbart werden. Oft genügt schon eine rechtliche Aufklärung. Darf man Einblick in die eigene Patientenakte nehmen? Ja, darf man. Hat man das Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung? Ja, hat man. An wen kann sich wenden, wer eine Beschwerde über einen Klinikarzt loswerden will? Zum Beispiel an die Patientenfürsprecher in den Krankenhäusern. Rat und Hilfe gibt es eigentlich immer. Sie ist inzwischen gut vernetzt mit den verschiedensten Einrichtungen und Behörden. „Und ich habe ein sehr kompetentes Team.“

Nicht nur Schreibtischarbeit

Doch es bleibt nicht bei reiner Schreibtischarbeit, sagt Stötzner. Manchmal, wenn es die Fälle nahelegen, geht sie los und schaut sich die Situation am Ort des Geschehens an. „Ich bin dann wie ein Scheinwerfer, beleuchte ein Problem, bringe Licht ins Dunkel.“ Einmal, erzählt sie, waren Angehörige einer Demenzkranken besorgt, die ständig von der Station verschwand und auf dem Klinikgelände herumirrte. Stötzner besuchte das Haus, sprach mit Beteiligten, machte auf die Problematik aufmerksam, half Lösungen zu finden. „Ich bin lautstark parteiisch im Sinne der Patienten“, sagt sie. Dabei helfen ihr diplomatisches Geschick und ihre Hartnäckigkeit. „Ich stoße meistens auf große Kooperationsbereitschaft“. Sie sei keineswegs als die nervige Kontrolleurin vom Dienst verschrien. Das würde auch nichts bringen, denn ihre Mittel sind Gespräche, die sie möglichst konstruktiv anlegen will und muss. Weisungen kann sie nicht erteilen. Nur überzeugen, dass es besser geht.

Die Patienten- und Pflegebeauftragte des Landes Berlin ist erreichbar von montags bis freitags, 10 bis 14 Uhr, unter Tel. 9028-2010. Per Mail unter patientenbeauftragte@sengpg.berlin.de – per Post unter Patientenbeauftragte für Berlin, Oranienstr. 106, 10969 Berlin.

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