Märchenhelden leben ewig. Deshalb musste es 1975 alle DDR-Kinder verstören, dass plötzlich Meister Nadelöhr nicht mehr im Fernsehen auftauchte. Der nette Mann mit der Zauberelle hatte Sonntag für Sonntag in das "Märchenland" eingeladen. Beim Start 1955 hieß die Sendung noch "Meister Nadelöhr erzählt Märchen", später dann "Zu Besuch im Märchenland". Für den jungen Schauspieler Eckart Friedrichson sollte die Figur zur Lebensaufgabe werden. Sein Meister Nadelöhr war dem Tapferen Schneiderlein nachempfunden. Auf seiner Zauberelle begleitete er Lieder wie seine berühmte Ouvertüre "Schnippel-Di-Schnappel-die-Scher". Er erzählte Märchen und war für seine kleinen Mitbewohner im Märchenland ein großzügiger, nachsichtiger Freund. In den ersten Jahren gaben noch einige "Große" ein Gastspiel im Märchenland, so der Postbote "Meister Briefmarke" und der populäre Clown Ferdinand. Doch die eigentlichen Stars waren die Puppenfiguren, vor allem der Kobold Pittiplatsch. Erfunden hatte ihn die Kinderbuchautorin Ingeborg Feustel, gespielt und gesprochen wurde er von Heinz Schröder. Pittiplatsch war ein frecher Kerl, der Streiche spielte (und sie hinterher heftig bereute), während die Ente Schnatterinchen ein braves, altkluges Mädchen blieb und ihr "Nak-Nak-Nak" schnatterte. Neben ihnen tummelten sich noch eine Reihe anderer Gestalten im Märchenland: Onkel Uhu und Maunz, Herr Fuchs und Frau Elster, Hoppel und Bummi, später der sowjetische Bruderteddy "Mischka". Dieses Ensemble wurde nicht allein deshalb so populär, weil es liebevoll gespielt wurde und so Generationen von Kindern begeisterte. Pitti und Co wurden auch als Helden von Schallplatten, Büchern, Spielen und als Plüschfiguren zu Alltagsgefährten, obwohl die DDR-Planwirtschaft den Begriff "Merchandising" nicht kannte. Viele der Figuren spielten auch im "Abendgruß" des DDR-Fernsehens mit. Mit dem Abschied von Meister Nadelöhr wirkte das Märchenland verwaist. Viele Eltern drucksten bei Nachfragen herum, mochten ihren Kindern nicht erklären, dass Eckart Friedrichson schwer krank war und 1976 im Alter von nur 46 Jahren starb. 1978 kam ein neuer Gastgeber ins Märchenland: Fabian, gespielt von Klaus-Peter Plessow, der heute manchmal in der Fielmann-Werbung zu sehen ist. Schon bald nach der Wende wurden die Märchenland-Figuren zu Symbolen des Ostalgie-Kultes. Pittiplatschs Ausruf "Ach du meine Nase" wurde zum Dance-Hit der "Sandmann s Dummies". Neue Märchen-Geschichten werden allerdings nicht mehr produziert. Zu sehen sind Pitti & Co. trotzdem. Derzeit schicken sie sonnabends im "Abendgruß" des Brandenburger RBB die Kleinsten ins Bett. Märchenhelden leben halt manchmal doch ewig.BERLINER VERLAG Eckart Friedrichson mit Pittiplatsch
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