Analoges Kabelfernsehen

Was muss ich beachten, wenn der Bildschirm schwarz bleibt?

Annika Leister
4 Min

Die Telefonleitungen bei Fernsehverkäufern und Reparaturdiensten laufen seit Tagen heiß. Denn viele Berliner sind verunsichert. Einige haben Post erhalten, bei anderen läuft ein Textband über den Bildschirm – mit der Mitteilung, dass das Analogfernsehen in diesen Tagen abgestellt wird. Einige Netzanbieter machen ausgerechnet jetzt auch massiv Werbung für neue Verträge. Doch viele, vor allem die Älteren, wissen gar nicht, ob ihr Fernseher analog läuft und was sie jetzt genau tun sollen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viele Haushalte sind betroffen?

In Westdeutschland wurde die Umstellung vielerorts bereits vorgenommen, insgesamt sollen jetzt noch knapp 1,2 Millionen Haushalte betroffen sein. In Berlin sind es nach Schätzung von Uwe Haaß von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg schätzungsweise 75.000 Haushalte. Hier ist Kabelfernsehen besonders weit verbreitet, weil man für eine Satellitenschüssel in der Regel eine Genehmigung des Hausherrn braucht, der Empfang je nach Ausrichtung der Wohnung oft schlecht ist und viele Vermieter ihren Mietern den Kabelanschluss standardmäßig anbieten.

Wann ist genau Schluss mit Analogfernsehen?

Die Termine zur Abschaltung variieren je nach Bezirk und Anbieter. In Berlin beginnt die Telekom in dieser Nacht mit der Abschaltung, Vodafone folgt in Schüben auch am 13., 20. und 27. November. Auch Potsdam und Schönefeld sind schon im November dran – der Rest von Brandenburg folgt erst im März 2019. In der Regel läuft bei Betroffenen zurzeit ein Textband mit dem Abschalttermin über den Fernsehschirm.

Brauche ich jetzt einen neuen Vertrag?

Nein – auch wenn Netzbetreiber versuchen, die Unsicherheit von Analogkunden auszunutzen und ausgerechnet jetzt neue, teurere Verträge anbieten. Ein Vertragswechsel ist bei der Abschaltung aber auf keinen Fall zwingend. Die Betreiber haben der Medienanstalt eigentlich auch zugesichert, die Informationen über die Abschaltung neutral zu halten und nicht mit Werbung zu verquicken. Verstöße dagegen können bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg gemeldet werden.

Woran erkenne ich, ob mein Fernseher analog empfängt?

Wer eine Zimmerantenne oder eine Satellitenschüssel zum Empfang nutzt, muss sich keine Sorgen machen. Sein Programm wird schon digital übertragen. Wer Kabelfernsehen empfängt – erkennbar an der weißen TV-Dose an der Wand, an die der Fernseher direkt angeschlossen ist – der muss unter Umständen umrüsten. Das gilt besonders, wenn der Fernseher – egal ob Röhre oder Flachbild – vor dem Jahr 2010 gekauft wurde. Neuere Geräte haben ein Empfangsteil für digitales Kabelfernsehen bereits integriert.

Die beste Orientierung bietet ein Blick in die Programmliste des Fernsehers: Sind es nur rund 30 Programme, die empfangen werden, und fehlen digitale Sender wie One, Tagesschau24 oder ZDFneo, läuft das Gerät analog und eine Umrüstung ist nötig. Wer rund 90 Sender und ARD oder ZDF auch mit ausgewiesener „HD“-Qualität empfängt, schaut hingegen sicher digital.

Was muss ich tun, wenn ich noch analog schaue?

Wer noch analog empfängt, bei dem bleibt der Bildschirm nach der Abschaltung schwarz. Ein neues TV muss her oder aber ein DVB-C-Kabelreceiver, mit dem das alte Gerät aufgerüstet wird. Die Receiver kosten im Handel zwischen 40 und 50 Euro. Nachteil: Der Receiver braucht eine eigene Fernbedienung. „Vor allem ältere Kunden sind damit oft überfordert“, sagt Frank Riewe, Geschäftsführer von Fernseh Clavis in Wilmersdorf. Unter diesen Umständen sei ein neuer Fernseher oft die bessere Alternative. Inzwischen seien alle im Handel angebotenen Geräte digitaltauglich.

Und wenn ich schon digital empfangen kann?

Wer schon einen Digitalempfänger im Fernseher hat, aber zurzeit noch analog schaut, kann in der Regel in den Menü-Einstellungen einfach selbst auf den neuen Empfangsweg „Digital-TV“ oder „DVB-C“ umstellen. Weil mit der Abschaltung des analogen TV-Programms auch die digitalen Sender neu sortiert werden, müssen außerdem auch alle, die schon seit Längerem digital empfangen, nach der Umschaltung einen Sendersuchlauf starten.

Kann ich Radio noch analog empfangen?

Nein. Wer Radio über Kabel analog empfängt, muss ebenfalls aufrüsten: Neben dem Digital-TV-Receiver braucht es dann auch einen Radio-Receiver (in der Regel zwischen 35 und 55 Euro). Auch dieser benötigt eine eigene Fernbedienung. Ein neues Radio hilft in diesem Fall nicht, denn: „Es gibt noch kein Radio-Gerät, das Digitalreceiver eingebaut hat“, erklärt Frank Riewe. Als einfachste Alternative zum Receiver empfiehlt Experte Riewe eine Wurfantenne, die an das Gerät angeschlossen wird. Dann wird der Ton aber klassisch per Ultrakurzwelle (UKW) übertragen, nicht digital.

Was habe ich von der Umstellung?

Mehr Sender in besserer Bild- und Audioqualität.

Und was haben die Anbieter davon?

Das Angebot von Analogfernsehen frisst Platz in den Kanälen der Anbietern. Sie wollen diesen Platz für andere Angebote nutzen, zum Beispiel neue Sender und eine höhere HD-Qualität oder – recht neu – für schnelleres Internet und Telefonie per Kabel. Von Letzterem können Verbraucher auch profitieren: Häufig ist das Internet per Kabel ähnlich leistungsstark aber wesentlich günstiger als ein DSL-Anschluss. 

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