Was für ein Empfang! 300 Menschen sitzen am Dienstagabend im Zoo-Restaurant, 600 sind es am gestrigen Abend im Tierpark Friedrichsfelde. Die Mitglieder des Fördervereins und Mitarbeiter von Zoo und Tierpark sind gekommen, weil sie ihn kennenlernen wollen, den neuen Chef von Zoo und Tierpark, von dem sie schon viel gehört und gelesen haben.
Es gibt schon einen Fanclub
Im Zoo-Restaurant wirken einige ältere Damen regelrecht aufgekratzt. Eine Frau hat ein Bild gemalt. „Herzlich Willkommen, Andreas Knieriem!“ steht darauf, mit Buntstiften hat sie ein Porträt des Mannes gezeichnet, der bald Zoo, Tierpark und Aquarium leiten wird. Und der schon einen Fanclub hat. Es sind Frauen, die sich nach dem Tod des Eisbären Knut kennengelernt hatten. Nun gilt ihre ganze Liebe dem neuen Zoochef. Er sei so klug, so adrett gekleidet und er habe so viele gute Ideen, schwärmt Karin Gude-Kohl.
„Ich kann verstehen, dass Sie viel Interesse an mir haben. Ich wurde ja schon als Messias dargestellt“, sagt Andreas Knieriem in zurückhaltendem Ton und lächelt. Der 49-jährige Tiermediziner ist noch amtierender Direktor des Münchner Zoos Hellabrunn. Spätestens im Mai soll er neuer Chef von Zoo und Tierpark in Berlin werden und den bisherigen Chef Bernhard Blaszkiewitz ablösen. Der Vorstand hat Blaszkiewitzs Vertrag, der im Sommer endet, nicht verlängert. Es gab in den vergangenen Jahren einfach zu viel Ärger, etwa um den autoritären Führungsstil des eigenwilligen Zoochefs. Blaszkiewitz gibt sein Amt nun vorzeitig ab.
Umso größer sind nun die Hoffnungen, die auf Andreas Knieriem ruhen. Von einer „historischen Weichenstellung“ spricht der Vorsitzende des Fördervereins, Thomas Ziolko. „Wir haben nun die Chance, im 21. Jahrhundert anzukommen.“
Doch Andreas Knieriem stellt an diesem Abend nicht seine Pläne für den Berliner Zoo und den Tierpark vor. Dafür sei es noch zu früh, sagt er. Noch sei er Zoodirektor in München, es gebe noch keinen Nachfolger und Blaszkiewitz sei noch Chef in Berlin. Knieriem redet über sich, über seine Arbeit, über seine Vorstellungen, wie Zoos mit wilden Tieren in einer Stadt heutzutage angelegt werden sollten, damit es allen gut geht: den Tieren, den Besuchern, den Mitarbeitern. „Ich will die Menschen für die Natur und die Tiere begeistern“, sagt er.
Knieriem hat die Zoos in Hannover und München zu modernen Anlagen umgebaut. Er sagt, in Berlin müsse es ein Konzept für die Besucher geben, Zoo und Tierpark sollen ihre Eigenständigkeit behalten. „Die Besucher sollen nicht in den Zoo oder in den Tierpark gehen, sondern in Zoo und Tierpark“, sagt er. „Das sind großartige Einrichtungen mit einem guten internationalen Ruf. „Dem Zoo geht es gut, aber in Friedrichfelde fehlen Erträge.“ Dort brauche man wegen „betriebswirtschaftlicher Zwänge“ neue Ideen.
Ein Schwimmbad? „Ich bin kein Bademeister“
Die Zoofreunde und Mitarbeiter im Saal wollen viel wissen vom neuen Chef, der unterhaltsam und faktenreich redet, ausführlich und bedacht auf alle Fragen antwortet. Und er sagt dann doch mehr, als er sagen wollte. Eine Frau fragt, was Knieriem von der Idee halte, im Tierpark ein Schwimmbad zu bauen? „Ich bin kein Bademeister“, antwortet Knieriem, der an diesem Abend eine Krawatte mit Motiven kleiner Wüstenfüchse trägt. „Und neben einem Löwen zu schwimmen, ist ein einmaliger Vorgang.“ Brauchen die Tiere mehr Platz und mehr Beschäftigung? „Natürlich“, sagt Knieriem. Den Tieren einen Lebensraum einzurichten, heiße, sie zu beschäftigen.
Knieriem sagt, er wolle für mehr Transparenz sorgen. Er werde die Besucher informieren, wenn ein Tier gestorben oder an einen anderen Zoo verkauft worden sei. Neue und mehrsprachige Beschriftungen sowie ein Leitkonzept sind geplant, lange Warteschlangen an den Kassen soll es nicht mehr geben. Knieriem arbeitet an einem Ziel- und Entwicklungsplan. Und die Mitarbeiter sollen mitreden können. „Geben Sie mir bitte Zeit und haben Sie Geduld“, bittet Knieriem die engagierten Zoo- und Tierparkfreunde.
Doch die ersten machen sich schon Sorgen, ob sich der neue Zoochef da nicht zu viel vorgenommen hat, der bald für 27.000 Tiere und 400 Mitarbeiter verantwortlich ist. „Ich habe mich dazu entschieden“, sagt Knieriem. „Und ich kann Verantwortung auch weitergeben, an die vielen gute Leute, die mit mir arbeiten.“ Da klatscht der ganze Saal.
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