„Wir müssen vier Mal gewinnen, unsere Gegner nur ein Mal“, sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Der Chef des Bob- und Schlittenverbandes, Andreas Trautvetter, 58, zählt zu den engagierten Kämpfern für Olympia. Thüringens früherer Innenminister gibt sich optimistisch, obwohl er die regionalen bayrischen Hindernisse bestens kennt.
Herr Trautvetter, es gibt Skeptiker, die fürchten, durch die Häufung von Wahlterminen in diesem Jahr ließen sich am Sonntag nicht ausreichend Befürworter Olympischer Winterspiele in Bayern zum Wählen animieren.
Im Berchtesgadener Land hat man natürlich die Problematik, dass die Mehrheit der Bevölkerung nördlich von Bad Reichenhall lebt in einem ländlich geprägten Landkreis, in Freilassing und weiter hinaus. Dort ist das Interesse an der Kunsteisbahn in Königssee nicht besonders ausgeprägt. Und ich kenne auch meinen lieben Landrat Georg Grabner, der für alle Entscheidungen zugunsten der Eisbahn in seinem Kreistag sehr hart kämpfen muss. Bis jetzt immer mit Erfolg, aber der Ausbau einer Kreisstraße oder eines Krankenhauses wird von der Mehrheit des Kreistages höher gewichtet als Geld geben für die Kunsteisbahn. Die gleiche Problematik habe ich bei mir in Schmalkalden-Meiningen mit Oberhof.
Warum traut sich Deutschland nur Bewerbungen um Winterspiele mit ihrer eher regionalen Attraktivität zu, statt die großen Sommerspiele mit internationalem Renommee?
Wenn die Argumente von Thomas Bach von vor fünf Jahren heute genauso gültig sind wie damals, dann haben wir in den Sommerspielen immer im Wettbewerb mit den großen Metropolen dieser Welt zu kämpfen. Und da sind erfahrungsgemäß die deutschen Städte nicht bevorteilt. Wenn wir eine Chance haben wollen, dann mit der Metropole München und den Skiregionen Garmisch, Ruhpolding und am Königssee.
Damit haben wir ein nachhaltiges Konzept vorgelegt, das wesentlich größere Chancen hat, den Zuschlag zu kriegen, als mit einer Bewerbung um Sommerspiele. Und ich glaube, es geht in erster Linie um die Durchführung von Olympischen Spielen, nicht so sehr, ob im Winter oder im Sommer. Sondern wieder so eine Veranstaltung in Deutschland zu organisieren, das bringt wieder den Impuls in Deutschland insgesamt für den Sport. Und da müssen wir die Chance ergreifen, wo wir die beste Möglichkeit haben, den Zuschlag zu erhalten.
Inzwischen hat sich die Schar der Bewerber aber schon so erweitert, dass München auch in einem zweiten Anlauf nicht zwangsläufig mit dem Zuschlag rechnen kann.
Wir haben natürlich Mitwettbewerber, die genauso ein gutes Konzept und Renommee haben, so dass alles erst entschieden wird, wenn wir den Zuschlag erhalten. Oslo bleibt eigentlich als einziger europäischer Mitwettbewerber von Rang und Namen übrig.
Aber die größere Bedeutung von Sommerspielen bleibt doch unbestritten …
… das ist doch ganz klar, dass von Sommerspielen die größere Wirkung ausgeht. Da stehen 28, 29 Weltverbände dahinter, im Winter sieben. Aber wenn ich die Chancen abwägen muss, haben wir mit Winterspielen bessere Perspektiven. Das haben alle unsere Analysen von der Bewerbung 2018 gezeigt.
Der designierte Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, der Allgäuer Alfons Hörmann, führt die Olympia-Kandidatur Münchens an. Wie groß schätzen Sie die Gefahr, dass er am Sonntag noch vor seiner Wahl zum DOSB-Chef Anfang Dezember durch eine Abstimmungsniederlage zu Olympia schweren Schaden nimmt?
Alle Signale, die ich höre, besagen, dass überraschenderweise ein großes Interesse besteht. Ich gehe davon aus, dass wir am Sonntag so viele Leute mobilisieren können, zur Wahl zu gehen, dass wir das Quorum in allen vier Bürgerentscheiden bekommen. Vom Ergebnis bin ich mir sicher, dass wir in allen vier Entscheiden ein positives Ergebnis bekommen.
Das Interview führte Jörg Winterfeldt.
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