Die Freie Universität Berlin (FU) hat nach einem mutmaßlich antisemitisch motivierten gewaltsamen Angriff auf einen jüdischen Studenten gegen den mutmaßlichen Täter ein Hausverbot zum Schutz der Mitglieder der Hochschule erlassen. Das teilte die FU am Freitag mit.
Am vergangenen Wochenende war der jüdische FU-Student Lahav Shapira in Berlin-Mitte am Rosenthaler Platz brutal angegriffen und krankenhausreif geprügelt worden. Ein 23 Jahre alter propalästinensischer, deutscher Kommilitone soll ihn im Ausgehviertel in Berlin-Mitte geschlagen und getreten haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung, die Tat werde derzeit sowohl als antisemitisch eingestuft als auch im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt.
Pro-Palästina-Studenten nach brutalem Angriff auf Juden an der FU Berlin: „Nicht auf Unigelände passiert“
Keine Exmatrikulation „aus politischen Gründen“? Wissenschaftssenatorin erklärt umstrittene Äußerung
Nach der Gewalttat war die Leitung der Uni kritisiert worden, weil sie antisemitische Vorfälle und Ängste jüdischer Studenten nicht ernst genommen habe. Die Forderung nach einer Exmatrikulation des mutmaßlichen Täters wurde laut. Laut FU ist dies in Berlin aus rechtlichen Gründen in solchen Fällen aber nicht möglich.
FU: Hausverbot gegen Tatverdächtigen für drei Monate
Die FU teilte nun mit, das Hausverbot gegen den Tatverdächtigen gelte von diesem Freitag (9. Februar) an für drei Monate auf dem gesamten Campus und könne verlängert werden. Online-Lehrformate seien von der Entscheidung der Hochschule nicht berührt.
FU-Präsident Günter Ziegler sagte am Freitag: „Unser Mitgefühl gilt dem Opfer und seinen Angehörigen. Wir wünschen ihm schnelle und vollständige Genesung. Unsere uneingeschränkte Solidarität gilt allen Opfern antisemitischer Anfeindungen und Gewalt. Angesichts der Tat würde der Tatverdächtige auf dem Campus der Universität als Bedrohung wahrgenommen. Zum Schutz der Mitglieder der Universität und zur Sicherung des Universitätsfriedens ist das jetzt ausgesprochene Hausverbot für zunächst drei Monate unabdingbar.“
An der Freien Universität in Berlin studieren, lehren, forschen und arbeiten laut der Hochschule 40.000 Menschen aus mehr als 150 Nationen. „Diese Vielfalt prägt das Selbstverständnis der Hochschule. Menschlichkeit, Respekt und Toleranz sind die Grundpfeiler unserer Gemeinschaft. Antisemitismus jeglicher Form, Rassismus und Diskriminierung werden nicht geduldet. Als Universität sind wir ein Ort des Austauschs von Argumenten, wir sind ein Ort der offenen und demokratischen Diskussionskultur. Dies gilt auch in konfliktreichen Situationen“, hieß es von der FU.
Nach Angriff auf Juden: An der Freien Universität Berlin brodelt es
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de