Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?
Wütend war ich nicht wirklich, dazu bringt mich das Fernsehen dank meines fortgeschrittenen Angewracktheitsgrads nur noch in Ausnahmefällen. Aber ich runzelte schon alles verfügbare Stirnfleisch, als mir in einer Live-Ausgabe von „Love Island“ das ganze Ausmaß von Sylvie Meisens Moderationsmisere gewahr wurde. Bei einer Entscheidungsverkündung machte sie nämlich derart lange Pausen zwischen ihren Sätzen, dass selbst die Verzögerungsmeisterin Heidi Klum beim Zuschauen ungeduldig geworden wäre.
Weil das Meis-Mikro leider zu dicht an ihrem Knopf im Ohr platziert war, konnte man gut vernehmbar hören, dass diese Pausen nicht etwa dem Spannungsaufbau dienen sollten: Sehr deutlich war zu hören, wie eine Männerstimme der Moderatorin Wort für Wort vorsprach, was sie gleich zu den Kandidatinnen und Kandidaten sagen sollte. Diese Panne facht natürlich meinen Wunsch nach einem Freisprech-Battle zwischen Sylvie Meis und der ebenfalls überschaubar geschmeidigen Trash-Moderatorin Cathy Hummels wieder neu an.
Anja Rützels Kolumne: Ein lässiges Beispiel für Frauensolidarität
Anja Rützels Kolumne: Neonwürste, die den Namen Helene tragen
Iris Klein, die Katzenbergermutter und Instagram-Trennungsentertainerin, hat neben diesen beiden zeitintensiven Tätigkeiten noch mehr Ziele im Leben: Die 56-Jährige möchte gern in den „Playboy“. Wie schätzen Sie ihre Chancen ein?
Nachdem zuletzt Désirée Nick auf dem Cover des besagten Magazins zu sehen war, kann das sehr gut passieren. Da ich in steuerrechtlichen Belangen etwas das Wissen eines fünfjährigen Bernhardiners habe, weiß ich nun nicht wirklich verbindlich, ob an meiner nun folgenden These etwas dran sein könnte, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass Kleins Ausziehanliegen auch rein betriebswirtschaftliche Gründe haben könnte. Schließlich ließ sie sich ja erst unlängst die Brüste vergrößern, und zumindest in meiner Steuerfantasiewelt könnte sie die als Playboy-Model bestimmt als Arbeitsmaterial oder anderweitige Betriebskosten absetzen.
Ihre Tochter Daniela erklärte jedenfalls direkt, sich als Betreuerin und Coachin beim Fotoshoot zur Verfügung zu stellen und ihrer Mutter sachkundige Anweisungen wie „Mehr Hupen!“ und „Beine zusammen!“ zurufen zu wollen. Man sollte sich dieses Szenario abrufbereit im Hirn abspeichern, für Momente, in denen man denkt, die eigenen Familienverhältnisse seien eventuell etwas merkwürdig.
Anja Rützel und ihr Hund Juri
© Privat
Britney Spears verstörte ihre Fans mal wieder auf Instagram – dieses Mal hantierte sie in einem Video mit ziemlich großen Messern. Ihre Ferndiagnose, bitte!
Zumindest ihre Hündchen, die im Video erst noch im Hintergrund zu sehen waren, suchten offenbar instinktiv Deckung, als Britney mit den Messern fuchtelte. Ihrer Aussage nach soll es sich dabei um harmlose Halloween-Deko gehandelt haben, dafür schepperten die Klingen verdächtig metallisch. Vorsichtshalber kam direkt die Polizei vorbei, um nach dem Rechten zu sehen, das war vermutlich keine schlechte Idee.
Für Instagram: Heiratsantrag auf dem Alexanderplatz vor Publikum
Als erklärte Molchfreundin haben Sie sicher die Streitigkeiten um Boris Johnsons geplanten Swimmingpool verfolgt: Naturschützer hatten Bedenken, weil auf dessen Landsitz geschützte Molche leben sollen, die im Chlorwasser zu Tode kommen könnten.
Ich habe die Debatte verfolgt und kann berichten, dass Johnsons Anwesen tatsächlich nach einem wahren Molchparadies klingt: Drei Seiten des Grundstücks sind von einem Wassergraben umgeben. Das zuständige Gericht erlaubte den Poolbau nun auch nur unter der Auflage, dass das Schwimmbecken 35 Meter von den Wassergräben und 80 Meter von einem Teich entfernt liegen muss. Johnson zeigte sich in einer Zeitungskolumne immerhin kooperationsbereit: „Wenn wir kleine Molch-Hotels bauen müssen, um die Molche auf ihren Reisen am Swimmingpool vorbei unterzubringen, werden wir das tun.“
Was macht eigentlich Helene Fischer?
Sie reißt weiter ihre Konzerttour ab, die eventuell niemals enden wird – von Möpsen und Molchen unbehelligt.
Die Fragen stellte Christian Seidl.
Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung am Wochenende beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.
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