Manchmal möchte man lieber niemanden sehen.
© Imago Images/Ute Grabowsky
Das Buch
Das Gegenteil von Hasen.
Heyne, München 2020.
416 S., 17 Euro. Ab 14 Jahren
Black Box aus Holz
Die krummen Bäume in Michael Siebens Buch nennen sich selbst Mofs. Dass der Begriff eigentlich nicht passt, weiß auch Paul: „Auf einmal war ich verdammt stolz darauf, ein Mensch ohne Freunde zu sein – aber natürlich nur, weil ich in Wirklichkeit längst keiner mehr war. Das Gefühl hat mich durch die nächsten Wochen getragen wie ein Luftkissenboot über die windstille See.“ Ein Gefühl, dass der kleine dünne Ken und der dauerdaddelnde dicke Mehmet sicher teilten – teilten, denn zu Beginn des Buches ist „Das Jahr in der Box“ schon eine Weile her und einer der drei Jungen ist tot. Paul steht erneut vor Umzugskartons und wagt es endlich, eine besondere kleine Kiste zu öffnen. Darin: Erinnerungen an alles, was geschah, seit er von Berlin in die Kleinstadt Wicker umzog: Machtkämpfe. Demütigungen. Eine unerfüllte Liebe. Ein Video, dass niemanden etwas anging und dennoch der ganzen Schule gezeigt wurde ... Paul – und der Leser mit ihm – geht einen schweren Weg der Erinnerung. Dass er die Last ablegen kann, liegt auch an seiner Mutter. Bille, um die ihn alle beneiden und die den ersten Vollrausch der drei Mofs in ihrem Garten bemerkenswert gelassen nimmt, verliert ihren Sohn zwar zwischenzeitlich aus den Augen und ist selbst – natürlich – nicht ohne Narben. Aber auch Erwachsene sind eben krumme Bäume. Keine ganz unwichtige Botschaft.
Das Buch
Das Jahr in der Box.
Carlsen, Hamburg 2020.
256 S., 9,99 Euro. Ab 13 Jahren
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