Anne Kim Sarnau verdrängt die Münchener Kommissare

Allein unter Männern

Torsten Wahl
3 Min

Als die Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) durch die Gänge des Gefängnisses Stadelheim eilen, um einen aggressiven Geiselnehmer zu beruhigen, da wird ihnen unterwegs die Gefängnispsychologin vorgestellt. Diese Marie Hoflehner trägt eine Uniform und ein bekanntes Gesicht: Sie wird gespielt von Anne Kim Sarnau, und die Schauspielerin ist längst kein Fall mehr für eine uniformierte Nebenrolle. Dass Marie eine tragende Rolle spielen wird, verrät schon der Titel "Die Heilige" - die Psychologin ist die einzige Frau in diesem Knastkrimi.Anne Kim Sarnau wird, wohl wegen ihres sportlich-burschikosen Typs, gern als Polizistin eingesetzt. Sie ist nicht nur aktuelle "Polizeiruf"-Ermittlerin aus Rostock, sondern verkörperte auch schon eine junge Polizeibeamtin, die gemobbt wird (für die Rolle in "Die Hoffnung stirbt zuletzt" bekam sie alle wichtigen Fernsehpreise). Auch in der ProSieben-Serie "Dr. Psycho" und im Rosa-Roth-Dreiteiler "Der Tag wird kommen" war sie als Polizeibeamtin zu sehen.Im Münchener "Tatort"-Krimi nun aber steht ihre Gefängnisbeamtin nicht etwa auf der Seite von Leitmayr und Batic, sondern verteidigt engagiert ihre Gefangenen gegen die Verdächtigungen. Aufzuklären gibt es eine Menge: Der Geiselnehmer der Ouvertüre liegt tot im Arrest, sein Zellengenosse aber ist verschwunden. Wer für diese Flucht verantwortlich ist, erfährt der Zuschauer schon nach einer Viertelstunde: Es ist niemand anders als Gefängnispsychologin Marie, die den einstigen Drogendealer Hassan (Mehdi Nebbou) bei sich aufnimmt und ihm einen Neustart in der algerischen Heimat ermöglichen will.Der Knastkrimi um die "Heilige" und ihre Schützlinge verläuft weit außerhalb der "Tatort"-Konventionen. Das Drehbuch von Magnus Vattrodt, nach einer Vorlage des Krimistarautors Friedrich Ani, drängt die obligatorische Frage nach dem Täter an den Rand. Dafür wird gefragt, was das Gefängnis aus seinen Insassen macht. "Hinten kommt immer Scheiße raus", erklärt ein Lebenslänglicher lakonisch. Batic und Leitmayr setzten mit ihren Ermittlungen eine Kette in Gang, die sie kaum aufhalten können.Mag auch die Dramaturgie gegen Ende hin ihre Schwächen haben, weil Überraschungen ausbleiben - visuell und schauspielerisch bietet dieser "Tatort" einiges. Regisseur Jobst Oetzmann und sein Kameramann Hanno Lentz arbeiten sich einfallsreich an der Ästhetik des Gefängnisses ab. Immer wieder unterbrechen Detailaufnahmen den Erzählstrom, mitunter springen kurze Szenen, wie Vorahnungen, der Handlung voraus.Parallel zum Gefängnisdrama erzählt der Film die spannungsgeladene Beziehung zwischen Marie und ihrem befreiten Schützling. Anneke Kim Sarnau spielt sich ins Zentrum des Films. Sie überzeugt diesmal in der Rolle einer Frau, die sich mit ihrer geheimen Mission unter einen enormen Druck setzt, der sich in drastischen Ausbrüchen entlädt. Nur eins ist ihre Marie von Anfang an nicht: eine Heilige. Tatort: Die Heilige, Sonntag, 20.15, ARD------------------------------Foto: Am Boden: Batic und Leitmayr.

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