Flüge in den Sommerferien sind teuer, Hotels vielerorts ausgebucht. Da wirkt der Urlaub im Wohnmobil plötzlich besonders reizvoll. Doch viele Camper sind lang, schwer und im Alltag kaum zu gebrauchen. Der japanische Hersteller Annex setzt deshalb auf das Gegenteil: Sein neuer Liberty 52 REi ist mit 5,23 Metern sogar kürzer als ein Toyota Hilux.
Trotzdem bringt der kompakte Camper erstaunlich viel unter. Bis zu acht Menschen dürfen mitfahren, fünf finden nachts einen Schlafplatz. Dazu kommen eine große Sitzgruppe, Küche, Bad, Fußbodenheizung und auf Wunsch eine Batterie mit 9,6 Kilowattstunden. Außen Pick-up-Format, innen fast ein kleines Ferienapartment.
Der Liberty 52 REi ist das jüngste Modell der Baureihe. Annex zeigte die Variante mit Heckeinstieg zunächst als Prototyp auf einer japanischen Campingmesse. Seit Juni 2026 wird sie regulär verkauft, Anfang Juli nahm der Hersteller sie in die offizielle Preisliste auf.
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Heckeinstieg schafft Platz für eine riesige Sitzecke
Der entscheidende Kniff steckt am hinteren Ende. Anders als bei vielen europäischen Wohnmobilen befindet sich die Eingangstür nicht an der Seite, sondern im Heck. Dadurch stehen beide Seitenwände fast vollständig für Möbel, Fenster und Sitzflächen zur Verfügung.
Direkt hinter dem Fahrerhaus erstreckt sich eine große Sitzlandschaft in U-Form. Zwei Sitzbänke verlaufen an den Seiten, dazwischen steht ein ausziehbarer und drehbarer Tisch. Der Hersteller spricht von bis zu acht zugelassenen Sitzplätzen. Je nach Antriebs- und Ausstattungsvariante können es auch sieben sein.
Für die Nacht wird die Sitzgruppe zu einer 1,80 Meter breiten und 1,86 Meter langen Liegefläche. Dort sollen nach Angaben von Annex drei Erwachsene schlafen können. Über dem Fahrerhaus lässt sich zusätzlich ein Alkovenbett auf 1,94 mal 1,74 Meter ausziehen. Insgesamt weist das Datenblatt fünf Schlafplätze aus.
Damit schafft der Liberty etwas, das bei kompakten Wohnmobilen selten gelingt: Tagsüber bleibt eine Sitzecke erhalten, die eher an das Wohnzimmer eines großen Liners erinnert. Nachts wird fast die gesamte Fahrzeugbreite zum Bett.
Küche, Bad und Fußbodenheizung auf 5,23 Metern
Trotz der großen Sitzgruppe verzichtet Annex nicht auf eine richtige Küche. Zur Serienausstattung gehören ein Zwei-Flammen-Kocher, eine Spüle, eine Mikrowelle und ein 85 Liter großer Kühlschrank mit einem separaten Gefrierfach. Eine Dunstabzugshaube soll Kochdämpfe aus dem Innenraum befördern.
In einem abgetrennten Mehrzweckraum sind ein Waschbecken, ein Spiegel und eine Belüftung untergebracht. Eine Kassettentoilette kostet Aufpreis. Alternativ lässt sich das Wohnmobil ohne Toilette bestellen, wodurch zusätzlicher Stauraum von außen zugänglich wird.
Für Reisen außerhalb der Sommersaison gibt es eine kraftstoffbetriebene Fußbodenheizung. In dasselbe System sind der Warmwasserbereiter und eine zusätzliche Warmluftheizung im hinteren Bereich eingebunden. Der Aufbau besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff und wird mit XPS-Platten sowie weiterem Dämmmaterial isoliert. Doppelte Acrylfenster sollen Wärmeverluste begrenzen.
Bis zu 9,6 Kilowattstunden Strom an Bord
Auch beim Stromsystem bietet Annex ungewöhnlich große Reserven. Käufer können zwischen drei Ausstattungsstufen wählen. Die kleinste besitzt eine Lithiumbatterie mit 2,4 Kilowattstunden, die mittlere kommt auf 5,76 Kilowattstunden. In der höchsten Stufe sind 9,6 Kilowattstunden und ein Wechselrichter mit 3000 Watt verbaut.
Damit lassen sich auch Geräte betreiben, die in kleineren Campern oft einen Landstromanschluss benötigen. Eine Haushaltsklimaanlage gehört ebenso zur Ausstattung wie die Mikrowelle. Auf dem Dach befinden sich beim Liberty 52 REi Solarmodule mit 420 Watt. Mit einem zusätzlichen Modul steigt die Leistung auf bis zu 590 Watt.
Wie lange der Camper tatsächlich ohne externe Stromquelle auskommt, hängt stark von Klimaanlage, Heizung, Kochgeräten und Wetter ab. Eine pauschale Reichweitenangabe nennt Annex nicht.
Toyota-Diesel mit 144 PS und optionalem Allradantrieb
Als Basis dient der Toyota Camroad, ein in Japan speziell für Wohnmobilaufbauten angebotenes Fahrgestell. Der Liberty wird von einem drei Liter großen Turbodiesel mit 144 PS angetrieben. Die Kraftübertragung übernimmt eine elektronisch gesteuerte Sechsgangautomatik. Käufer können zwischen Hinterrad- und Allradantrieb wählen.
Der Wendekreis dürfte trotz der kompakten Länge nicht mit einem Pkw vergleichbar sein. Annex nennt einen Radstand von 2,55 Metern und einen kleinsten Wendekreis von 4,8 Metern bei den Varianten mit schmalerer Hinterachse beziehungsweise fünf Metern bei den breiteren Versionen. Ein Doppelreifenpaar an der Hinterachse soll den schweren Aufbau stabilisieren.
Mini-Camper kostet mindestens rund 86.000 Euro
Günstig ist das japanische Raumwunder nicht. Die im Juli veröffentlichte Preisliste beginnt bei 15,958 Millionen Yen für die Version mit Hinterradantrieb und dem kleinsten Strompaket. Das Spitzenmodell mit Allradantrieb und 9,6-Kilowattstunden-Batterie kostet 17,911 Millionen Yen.
Beim Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 22. Juli entspricht das ungefähr 85.800 bis 96.300 Euro. Sonderausstattung, Transport, Einfuhrabgaben und eine mögliche technische Anpassung für die Zulassung in Deutschland sind darin nicht berücksichtigt
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