Anschlagserie auf die Bahn: Das Werk von Profis

Werner K. ist Sprengstoffexperte bei der Polizei. Seit Beginn der Woche ist er im Dauereinsatz. Er gehört zu denjenigen, die seit vergangenem Montag an Bahngleisen in und um Berlin Brandsätze einsammeln und die Behälter und deren Inhaltsstoffe analysieren. Solch eine Serie habe es in Berlin noch nicht gegeben, sagt er. Mehr als 20 Brandflaschen sind an sieben Schienensträngen entdeckt worden. Der Polizist geht davon aus, dass noch weitere gefunden ...

BLZ
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Berlin - Werner K. ist Sprengstoffexperte bei der Polizei. Seit Beginn der Woche ist er im Dauereinsatz. Er gehört zu denjenigen, die seit vergangenem Montag an Bahngleisen in und um Berlin Brandsätze einsammeln und die Behälter und deren Inhaltsstoffe analysieren. Solch eine Serie habe es in Berlin noch nicht gegeben, sagt er. Mehr als 20 Brandflaschen sind an sieben Schienensträngen entdeckt worden. Der Polizist geht davon aus, dass noch weitere gefunden werden.

Am Dienstagvormittag entdeckten die Fachleute Brandvorrichtungen an der Straße Eichholzbahn in Staaken sowie zwischen den S-Bahnhöfen Schöneberg und Südkreuz. Einer der drei Brandsätze in Staaken war explodiert. Davon zeugen Spuren, die am Tatort sichergestellt wurden. Die Reste sollen nach Benzin gerochen haben. Bestätigt hat das die Polizei aber nicht. Unklar ist noch, wann der Brandsatz in die Luft geflogen ist. Es sei bei dem Wetter der vergangenen Tage schwer, das exakt festzustellen, sagt Sprengstoffexperte Werner K. Der Schaden an den Gleisanlagen sei überschaubar, berichten Polizisten.

Parallelen zum Ostkreuz-Anschlag

In den Labors des Landeskriminalamtes wird derzeit auf Hochtouren gearbeitet. Die Art der Flaschen sei bekannt. Auch die Zusammensetzung der brennbaren Flüssigkeiten kennen die Techniker. Anhand der Zünder und deren Aufbau versuchen die Ermittler nun Rückschlüsse auf die Täter zu ziehen. Mit Hilfe von Computerprogrammen des Bundeskriminalamtes vergleichen die Fahnder die aktuellen Spuren mit denen von früheren Brandanschlägen. Fündig geworden seien sie noch nicht, hieß es. Sie wissen lediglich, dass es Parallelen zu einem Anschlag auf Kabeltrassen der Bahn am Ostkreuz im Mai dieses Jahres gibt. Beides könnten dieselben Täter gewesen sein, sagt Werner K.

Ermittler der Landeskriminalämter in Berlin und Brandenburg sind sich sicher, dass Linksextremisten die Brandsätze gelegt haben. Ein entsprechender Bekennerbrief war am Montag veröffentlicht worden. Darin protestieren die Autoren unter anderem gegen den Krieg in Afghanistan sowie gegen Waffentransporte durch die Deutsche Bahn. Die Bauart der Brandsätze ist aus Sicht von Kriminaltechnikern technisch nicht besonders aufwändig. Vor allem Linksextremisten nutzten diese Bauweise, hieß es. Dabei befinden sich die Zünder außerhalb der mit Benzin gefüllten Flaschen, die miteinander verbunden sind. In den aktuellen Fällen waren die Zündvorrichtungen hauptsächlich in Kabelschächten abgelegt worden. Über die Art der Zünder, ob diese chemisch, elektronisch oder mechanisch funktionieren, äußert sich die Polizei nicht. Nach bisherigen Vermutungen sollten die Brandsätze offenbar alle zur gleichen Zeit explodieren. Das hat wahrscheinlich der Regen verhindert.

Drohung ausgeschlossen

Polizisten widersprachen am Mittwoch Vermutungen, nach denen die Täter die Flaschen nicht explodieren lassen, sondern nur damit drohen wollten. Bei solch einem logistischen Aufwand will man es auch krachen lassen um ernst genommen zu werden, sagen Ermittler. Alle bisherigen Erkenntnisse sprächen dafür, dass es sich um Täter handelt, die zwar nicht sehr erfahren im Umgang mit Brandsätzen seien, sich aber sehr genau mit der Technik der Deutschen Bahn auskennen. „Laien wissen nicht, welches Kabel strategisch wichtig ist, um den Verkehr oder die Kommunikation lahmzulegen und welches nicht“, sagte ein Fahnder.

Er und seine Kollegen gehen davon aus, dass die Taten lange geplant worden sind. „Diese Täter sind andere Leute als die, die Autos anzünden“, sagte ein leitender Ermittler. Polizisten schließen nicht aus, dass die Täter bei der Bahn arbeiten oder einmal in dem Unternehmen.

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