Antidepressivum Reboxetin offenbar nur wenig wirksam

Schlechtes Zeugnis für Pfizer

Anke Brodmerkel
2 Min

Vernichtender hätte das Urteil für den Pharmariesen Pfizer kaum ausfallen können: Sein gegen Depressionen zugelassenes Medikament Reboxetin sei ineffektiv und möglicherweise sogar schädlich, konstatiert die Fachzeitschrift British Medical Journal (BMJ) in ihrer aktuellen Ausgabe.Grund für das schlechte Zeugnis ist eine Analyse von 13 Studien, die ein Team um Beate Wieseler vom Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vorgenommen hat. Pikant an dem Bericht der Arzneimittelprüfer ist vor allem, dass Pfizer die meisten der angeforderten Studien offenbar erst auf massiven öffentlichen Druck herausgegeben hat.Wieseler und ihre Kollegen verlangen deshalb nach strengeren Regeln. Arzneimittelhersteller müssten künftig gesetzlich dazu verpflichtet werden, sämtliche Patientenstudien vor Beginn registrieren zu lassen und die Ergebnisse nach Abschluss zu veröffentlichen, heißt es in einer Mitteilung des IQWiG.Reboxetin, das in Deutschland unter den Handelsnamen Edronax und Solvex vertrieben wird, gehört zu den selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (Nari). Der Wirkmechanismus dieser Arzneien unterscheidet sich von dem der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), zu denen die meisten modernen Antidepressiva gehören: Während SSRI im Gehirn die Menge des Botenstoffs Serotonin erhöhen, wirken sich Nari auf die Konzentration von Noradrenalin aus. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte Reboxetin im Jahr 1997 zugelassen.In die im BMJ veröffentlichte Analyse sind Studien mit 4098 Patienten eingeflossen. Die Daten von 3033 Patienten -also von fast drei Viertel aller Probanden -stammten allerdings aus den zunächst unter Verschluss gehaltenen Studien, bemängeln die Arzneimittelprüfer. Wenn man alle Untersuchungen auswerte, in denen Reboxetin mit einem Scheinmedikament verglichen worden sei, erscheine der positive Effekt nur noch etwa halb so groß wie von Pfizer behauptet."Der Unterschied wird so klein, dass Reboxetin keinen Nutzen mehr hat", sagt Wieseler. "Gleichzeitig sehen wir beim Schaden die entgegengesetzte Verzerrung: Der Anteil der Patienten, die Reboxetin wegen unerwünschter Nebenwirkungen absetzen, verdoppelt sich ungefähr, wenn man alle Studien betrachtet."Pfizer selbst wehrt sich gegen die Kritik des IQWiG. "Reboxetin ist ein wirksames Präparat mit einem positiven Nutzen-Risiko-Profil", sagt Pressesprecher Martin Fensch.BMJ, Bd. 341, S. c4737

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