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Antiker Schmuck im Netz: Vom Click des Findens

Das Kreuzberger Atelier von Simon Hofer beliefert die Welt mit pre-loved Juwelen. Der Trick: Profi-Recherche, tolle Web-Präsenz, fairer Preis. Wenn da nur dieses Armband von Lady Di nicht gewesen wäre.

Margit J. Mayer
16 Min

Aquamarin-Anhänger aus den 1950ern aus der Pforzheimer Schmuckfabrik Alfons Grupp. Für die Datierung kaufte Hofer alle Grupp-Kataloge.

© „Hofer Antikschmuck, Berlin“

Auf den Social-Media-Accounts und im Webshop von Hofer Antikschmuck herrscht eine charmante Weltläufigkeit, wie man sie eher mit London oder Paris verbindet. Die Lage der Firmenzentrale ist trotzdem sehr Kreuzberg: Industriearchitektur aus Backstein, eine gelbe Rollmülltonne vor alten Garagentoren. Im Treppenhaus überall Stahltüren.

Hinter einer davon kommt erst eine Sicherheitsschleuse, wie man sie von Banken kennt. Danach aber fühlt man sich in eine andere, kultiviertere Welt versetzt: Midcentury-Möbel vor Ölgemälden aus dem 19. Jahrhundert, große Arbeitstische mit Computerscreens, hier ein Hügel antiker Korallen und dort große Mikroskope und andere technische Apparaturen zum Tiefencheck von Edelsteinen. Fakes haben hier keine Chance, so scheint es.

Und da ist auch schon der 44-jährige Chef: Simon Hofer, Kunsthistoriker (Aachen, Florenz, Berlin) und Co-Geschäftsführer von Hofer Antikschmuck, wirkt wie unsichtbar gerahmt − präzise Bewegungen, druckreife Ausdrucksweise. Das soll wohl eine Begeisterung im Zaum halten, die dennoch sofort überspringt.

Hofers Kernteam, v. l.: Co-Gründer Franz-Josef Dröge, die Kunst- historikerinnen Deborah Kruck und Lea Döding, Gemmologe Florian Horsthemke, Fotograf Adam Blaufarb, Kunsthistoriker Malte Hesemann und Mastermind Simon Hofer. (Diese Tapete? „Nuvole“ von Cole and Son.)

© Hofer Antikschmuck, Berlin

Herr Hofer, Sie sind ein Jäger verborgener Schätze, wirken aber eher wie ein Wissenschaftler oder Diplomat. Was treibt Sie an?

Ich fand es einfach immer spannend, etwas zu entdecken. Ich bin überhaupt kein Sammler, aber es macht mir Spaß, gute Dinge zu finden. Hier in Deutschland werden Schmuckstücke oft weniger dafür wertgeschätzt, dass sie schön gearbeitet sind. Sie wollen etwas verkaufen, der Händler legt es einfach auf die Waage und sagt, was das Gold wert ist. Das heißt, es findet eine Abwertung von Kreativität und Handwerk statt. Wir wollten das anders machen. Wir bewerten die Stücke als Kunsthistoriker, was für uns ihr eigentlicher Value ist. Das ist es, was wir mit unserem Onlineshop eigentlich versuchen: Den Fokus auf die Wertigkeit historischer Objekte zu lenken.

Fühlen Sie sich damit in der Gegenwart genau richtig, in der das menschliche Element einerseits systemisch unterschätzt, gerade dadurch aber zum Luxus wird?

So würde ich zumindest unsere Kunden einschätzen. Woran sie Freude haben: ein Objekt zu besitzen, das nicht aus einer Maschine gefallen ist, das eine eigene Historizität mitbringt. Gold wird niemand wegschmeißen, Diamanten werden wiederverwendet. Diese Dinge leben länger als die Menschen. Mich hat immer geärgert, dass so viele historische Schmuckstücke oftmals nur halbrichtig beschrieben sind. Deshalb spielen Texte und Recherche neben guten Fotos bei uns schon eine große Rolle.

Klingt ein wenig nach Detektivarbeit.

Ja, das ist es! Und das ist natürlich auch spannend daran. Man kann Edelsteine über die Schliffe relativ genau datieren, nicht nur Diamanten. Man kann bestimmte Goldschmiedetechniken bestimmten Zeiten zuordnen. Und manchmal passt das nicht zusammen, weil alte Steine verwendet wurden. Oder man hat aus zwei Schmuckstücken eins gemacht oder umgekehrt. Und dann muss man beim Datieren vorsichtig sein. Und vor allem immer ganz genau hinsehen.

Wir sind hier 14 Fachleute, meinen Geschäftspartner Joe Dröge mitgezählt, der ein klassischer Diplom-Kaufmann ist und alles kann, was ich nicht kann. Und die Regel lautet: Jeder muss dem Team erklären können, wie er oder sie auf eine Datierung gekommen ist.

Diamantbrosche in Gold, entworfen von Marianne Ostier, New York um 1960

© Hofer Antikschmuck, Berlin

Die deutsche Dame bevorzugte dezentere Stücken

Gibt es je nach Herkunftsland große Unterschiede?

Ja, klar. Wir untersuchen vor allem Zentraleuropa und stellen immer wieder fest: Schon in Italien war es anders. Die Sachen sind viel größer, die Volumina ausladender, durch die Jahrhunderte. Prunkvoller. Die deutsche Dame dagegen neigte, so untersuchen wir das, immer zu dezenteren Stücken. Dinge aus Italien oder Spanien sind einfach größer. Man weiß das, sobald man es in der Hand hat: Das kann nicht deutsch sein. Das ist wirklich spannend.

(Er steht auf, geht zu einem Schrank und entnimmt eine lederbezogene rundliche Schatulle. Darin ein prächtiger Armreif und passende Ohrringe mit Mikromosaik-Medaillons) Das ist so ein Mosaikset … mosaico filato, das ist wirklich fein gemacht ... und wir haben hier Stempel, die Papst-Tiara mit gekreuzten Schlüsseln, also das Wappen des Vatikans. Ein typisches Souvenir einer Grand Tour, von 1865/70. So etwas wurde dann für die Schwester oder Mutter mitgebracht.

Übrigens, bevor dieses Schmuck-Set zu uns kam, gab es ein Gutachten aus Heidelberg, das es als „Modeschmuck 50er Jahre“ auf 250 Euro schätzte. Die Kundin rief an und sagte: „Ich hab’ da was, das ist alter Modeschmuck, aber Sie haben so was Ähnliches auf Ihrer Website.“ Ich bat sie um ein Foto. Als ich das sah, dachte ich nur: Okayyy – ist ja Wahnsinn. Das Set ist aus Echtgold, das hatte die Gutachterin nicht erkannt. Den vatikanischen Stempel auch nicht. Und dass die Arbeit nicht 1950er ist, sondern 1860er auch nicht.

Zur Person
Hofer Antikschmuck, Berlin

Zur Person

Simon Michael Hofer ist der geborene Händler: Schon als Kind verkaufte er „Stofftiere, die ich nicht mehr wollte“ und Überraschungseierfiguren. 1980 in Heinsberg im Rheinland geboren, studierte Hofer Kunstgeschichte in Aachen, Florenz und an der HU Berlin.

Sein erstes Gewerbe meldete er 1996 an. Hofer Antikschmuck gründeten er und der BWler Franz-Josef Dröge am 28. Mai 2011. Das Duo baute sukzessive einen Webshop für historischen Schmuck auf, der inzwischen weltweit erfolgreich ist.

Wie kommen Sie überhaupt an die Objekte in Ihrem Webshop? Wird Ihnen das von Privatleuten oder Händlern angeboten, oder suchen Sie sehr aktiv im Netz – auf Plattformen, auf Messen?

Das ist durchaus beides. Ich mache das jetzt seit 30 Jahren, dadurch gibt es ein recht schönes Netzwerk aus Händlern, die wir schon sehr lange kennen, die aber eher allgemein Antiquitäten anbieten. Das sind womöglich Leute, die ihr Geschäft aufgeben – das gibt es gerade öfter, da der lokale Handel weniger wird oder auch, dass die Inhaber keinen passenden Nachfolger finden. Wir machen keine Kommissionsgeschäfte, ich kaufe die Stücke an, die mir gefallen oder die interessant erscheinen und dann suchen wir über unseren Onlineshop Kundinnen und Kunden dafür auf der ganzen Welt. Alle Stücke auf unserer Site sind also unsere eigenen.

Und die privaten Verkäufer?

Es kommen natürlich immer wieder Personen, die eine Erbschaft gemacht haben. Oder wo der Schmuck nicht mehr zum gegenwärtigen Leben gehört und nichts mehr bedeutet. Kann passieren. Was wir dann tun: Ich setze mich mit den Leuten hin, wir gucken jedes Stück an und ich erzähle, was ich sehe. Und dann mache ich ein faires Ankaufsangebot. Am liebsten aber gehe ich ganz gezielt selbst los und finde Dinge auf Auktionen oder auf Märkten. Ich fahre jetzt mal wieder nach England, im Mai.

Wo entdeckt man dort das Besondere?

London und Umland, da gibt es so tolle Märkte! Einer liegt im Süden von London, auf dem Weg nach Brighton, auf einer alten Pferderennbahn. Morgens um 6 Uhr geht es dort los. Da ist ein eisernes Tor, und vor dem steht ein kleiner Wagen, wo man Tee kaufen kann. Also kauft man um 5.45 Uhr seinen Tee und stellt sich in die Schlange, wie das in England so ist. Glockenschlag 6 öffnet ein Mann dieses Tor – und die Leute rennen los, als gäbe es kein Morgen mehr. Man findet dort phänomenale Objekte. Denn das ist eine Nation, die immer viel gereist ist, die Kolonien in der ganzen Welt hatte, die überall gekauft hat – und diese Dinge tauchen dann in den Nachlässen wieder auf. Daneben gibt es natürlich auch viel Krempel und Kram.

Ich selber kenne nur den Pariser Flohmarkt, also Saint-Ouen.

Auch schön, aber nicht so konzentriert wie das auf einer Insel wie England möglich ist. Das letzte Mal, als ich in Paris war, habe ich vielleicht 20 Schmuckstücke mitgebracht, das letzte Mal in London waren es um 450 Stücke. Es ist wesentlich effektiver.

Vor allem ist es so, dass die Szene, die sich mit altem Schmuck beschäftigt, relativ klein ist. Das heißt, ich kann bei den meisten Händlern einkaufen, ohne dass ich sofort bezahlen muss. Das funktioniert über Handschlag. Das ist toll, weil man sich ganz anders fühlt. Ich fotografiere die Rechnung und schicke sie rüber ins Berliner Büro. Der Kollege überweist das, und die Sache ist erledigt. Das heißt, ich habe weder den Stress mit dem Bargeld noch die Aufschläge, die bei Kartenzahlung fällig würden.

Diamant- und Saphirschmuck der Belle Époque um 1890

© Hofer Antikschmuck, Berlin

Hollywood, München und Wien kaufen, Hamburg eher nicht

Haben Sie dann im Hinterkopf schon die Kundin oder den Kunden dafür?

Manchmal ja. Andere Male kaufe ich einfach, weil ich selbst von dem Stück überzeugt bin. Was ich nie mache: Ich rufe den Kunden nicht an vom Stand aus. Ich mag das nicht, wenn es da so einen Druck gibt. Es gibt aber auch Menschen, die vorher wissen, dass ich eine Ankaufsreise mache und mir dann ihre Wünsche mitgeben: „Schön wäre eine Amethyst-Rivière für mich“ oder sowas.

Wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen Ausland und Deutschland bei den Online-Verkäufen? Sind viele Amerikaner dabei? 

20 Prozent Käufer aus den USA, würde ich sagen. Wir haben sogar schon nach Hollywood geliefert. Die richtig teuren Sachen verkaufen wir sehr selten in Deutschland. Das sind amerikanische, chinesische oder auch Schweizer Kunden, die viel Geld ausgeben und auch glücklich darüber sind, glaube ich. Weil im Schmuckbereich das Preisgefüge in der Schweiz nochmal deutlich höher ist als hier..

Was machen die Skandinavier?

Die kaufen keinen Schmuck, Reichtum funktioniert dort anders. Wenn wir eine Europa-Karte angucken mit unseren Zahlen, dann wird das klar: Der alte Westen und der Süden kaufen Schmuck. Wir haben ganz tolle Kunden in Bayern. München ist eine Stadt, wo man gern gute Qualität kauft. Man darf ruhig sehen, dass etwas teuer war. Nach Hamburg wiederum verkaufen wir sehr wenig. Wien ist unsere stärkste Stadt im Verkauf, mengenmäßig. Jedes zehnte Paket geht nach Österreich, würde ich sagen, und der Großteil nach Wien. Oft Dinge, wo man merkt: Da erkennt jemand die Seltenheit eines Objekts. Und die Wiener scheinen sehr zufriedene Menschen zu sein, denn es gibt kaum Retouren.

Begehrt zur Verlobung: Diamantringe von 1900 bis 1925

© Hofer Antikschmuck, Berlin

Jetzt die Gretchenfrage: Wie steht es mit Berlin?

Berlin ist ein guter Standort, weil viele Stammkunden immer mal in die Stadt kommen. Berliner als Käufer gibt es bislang eher wenige. Aber es gibt die Kundschaft, die bei uns ihre Verlobungsringe kauft, meist junge Menschen – und sie werden immer jünger. Ich merke da eine Biedermeierisierung der Gesellschaft. Es wird deutlich konservativer. Ist bestimmt nicht flächendeckend, aber ich kann mich nicht erinnern, dass das vor zwanzig Jahren vorkam: dass 19-Jährige Geld gespart hatten, um einen Verlobungsring zu kaufen. Ich sage da öfter: Reist doch erstmal um die Welt! Aber da ist alles schon geplant. Das sind dann häufig Berliner.

Aus Art-déco-Diamantuhren werden Ohrgehänge

Wie kamen Sie eigentlich auf die – natürlich extra ausgewiesenen – Hybridstücke, für die Teile von altem Schmuck neu kombiniert werden? 

Das ist nur Spaß! Ich bastle unglaublich gerne. Wenn ich so auf Flohmärkte gehe, begegnen mir Dinge, bei denen ich denke: Du bist einfach viel zu schön, um dich hier liegen zu lassen. Es gibt zum Beispiel diese schönen gearbeiteten Diamant-Platin-Uhren des Art déco, mit winzigen Zifferblättern, auf denen man die Zeit mit einer Lupe ablesen muss. Die Uhrwerke funktionieren nicht mehr, aber aus den Bändern und Gehäuseteilen kann man sehr hübsche Ohrgehänge machen.

Das alles wird genau festgehalten. Die Texte, die wir online als Beschreibung haben, die bekommen die Käufer mit, samt Foto und genauen Materialangaben. Denn es geht nichts so schnell verloren wie das Wissen um ein Objekt. So kommen immer wieder Dinge zu uns, die sich als deutlich wertvoller herausstellen als gedacht. Erst kürzlich haben wir einen Ring verkauft ans V & A, an das Victoria & Albert-Museum in London. Weil wir rausfanden, dass das ein Stück aus der Saphirgarnitur August des Starken ist.

Hoppla, dazu muss man Ihnen aber gratulieren!

Als Teil des sogenannten Fürstenausgleichs nach dem Ersten Weltkrieg ging ja ein Teil der historischen Juwelen an den ehemaligen König Sachsens, also an dessen Familie. Als Ausgleich für den Verlust ihrer Schlösser, Grundstücke und Sammlungen. Ein Teil davon kam danach in den Handel. Und wir haben in Stuttgart einen Ring in einer Auktion entdeckt, bei dem ich dachte: Der Schliff ist Anfang 18. Jahrhundert, ganz sicher. Die Schiene ist neu, der Stein ist ein Saphir. Und die Fassung sieht so aus wie Dinglinger, das war der Goldschmied von August dem Starken.

Der Saphir-Knopf des Sachsenkönigs ging nach London

Dann kam der Ring und wir haben es verglichen und merkten: Das war mal ein Knopf, man erkannte noch die Aufhängung an der Unterseite. 1718/19 oder so. Und dann kam raus, dass Lotte Bechstein, die Erbin der Pianofabrik, diesen Knopf gekauft hatte und ihn in Dresden zum Ring machen ließ. Damit hatten wir die komplette Geschichte. Mit der machten wir dann einen Instagram-Post. Und innerhalb von Minuten meldete sich das V & A. Wenn sowas gelingt, dann bin ich schon ein bisschen stolz.

Wieviele Schmuckstücke gehen denn jedes Jahr durch Ihre Hände, ungefähr?

Wir haben so zwischen 2000 und 2500 Objekte, die wir im Jahr verkaufen. Sehen tun wir viel mehr, weil wir nicht alles ankaufen. Wir sind relativ picky, weil wir nichts anbieten wollen, das beschädigt ist oder in einer Art verändert, dass es keinen Sinn ergibt. Und natürlich blättern und klicken wir permanent Auktionskataloge, und das sehr aufmerksam.

Alter Schmuck ist feiner, individueller – und preiswerter

Gehen Sie manchmal zu Cartier oder Tiffany am Kudamm, nur so zum Gucken?

Immer. Ich guck da ins Fenster und denke: Das ist von Maschinen gemacht. An diesen Marken hängt ein struktureller Kostenapparat, der ja wieder reingespielt werden muss. Und das merkt man den Dingen auch an. Und ihren Preisen ebenfalls. Wir verkaufen Objekte zu einem Bruchteil der Preise von Cartier heute, die so viel feiner gearbeitet sind. Viel mehr Zeit ist da reingeflossen. Mitunter auch mehr „Blut, Schweiß und Tränen“, bis so eine Verschlussmechanik, bei einem Armband etwa, richtig funktioniert. Und mehr Risiko, denn wer sich das genauer ansieht, merkt: Hat sich der Goldschmied da einmal versägt, musste er es neu machen.

Gibt es ein Stück, von dessen Entdeckung Sie noch träumen? 

Jetzt erzähle ich Ihnen mal die womöglich tragischste Story meines Händlerlebens. Ist ganz frisch noch. Wir haben vor Jahren ein Armband verkauft, das ich bei einer Auktion in Hamburg ersteigert hatte, für 3000 Euro. Nicht weil es mir so sehr gefiel, sondern weil es fünf altrömische Gemmen hatte und große Südseeperlen. Value for money, dachte ich, nimm es mal mit. Wir hatten das Stück länger auf der Website.

Ein Sherlock des alten Schmucks: Simon Hofer Simon

© „Hofer Antikschmuck, Berlin“

Südseeperlen und römische Gemmen, ist ja eine komische Kombi. Klingt nach 1980er. 

Total. In unserem Archiv auf der Website kann man das Armband immer noch angucken als Foto. Mit der Marke von Benoît de Gorski, einem Goldschmied in Genf. Aber jetzt kommt es: Letzte Woche rief dessen Tochter an. Er ist gestorben und sie hat das Geschäft übernommen. Sie fragte: „Ich sehe da in Ihrem Archiv ein Armband, haben Sie das noch?“ Und ich: Nee, das haben wir vor neun oder zehn Jahren verkauft. Und sie: „Haben Sie die Möglichkeit, das zurückzukaufen?“ Und ich: Was ist denn los mit dem Armband?

Und sie sagte: „Ich sitze hier gerade über den Papieren meines Vaters. Wissen Sie, für wen mein Vater dieses Armband gemacht hat? Ich sage es Ihnen und Sie versuchen, das zurückzubekommen! Das Armband hat 1990, als sie in Klosters Ski fahren war, Prinzessin Diana gekauft. Sie selbst hat dafür die römischen Gemmen ausgesucht aus der Sammlung meines Vaters. Ich habe hier die Rechnung, die an Diana ging, und ich habe die Zeichnung dazu. Das ist genau das Armband auf Ihrer Website. Durch die Gemmen, die ja Einzelstücke sind, kann ich hundertprozentig sagen, dass es genau dieses ist.“

150.000 Franken für die Kopie eines Armbands von Lady Di

Wie das Armband in eine Auktion in Hamburg gekommen ist–für nur 3000 Euro!– ist komplett unklar. Ob Diana es verloren hat, ob es gestohlen wurde, ob sie es jemandem geschenkt hat. Dann sagte Constance de Gorski noch: „Ich habe das Armband nachgebaut, gleiche Form, nur mit anderen Gemmen und Perlen. Die Kopie unter dem Modellnamen „Lady Diana“ und mit dieser Story verkauft sich so um 150.000 Franken. Also, wenn Sie an das Original kommen könnten, wäre ich sehr interessiert“ … Ich saß da wie vom Donner gerührt. Denn natürlich weiß ich, wer das Armband hat.

Da hilft nur Transparenz.

Genau. Man kann das nur transparent machen. Ich werde die Armband-Kundin also anrufen und ihr die Geschichte ihres Stückes erzählen. Ich glaube, dass sie sich sehr darüber freut und dass sie es nicht verkaufen wird. Aber ich kann das nicht unter einem Vorwand zurückkaufen und dann teuer in die Schweiz verkaufen. Aber schon tragisch: Da war etwas mit unglaublicher Provenienz – und wir haben es nicht erkannt! Es gibt sogar ein Magazin-Cover, auf dem Diana das Armband trägt. Es war ihres.

Fünf antike Gemmen, fünf Südseeperlen: das im Interview besprochene Armband von Princess Di, kreiert 1990 vom Juwelier Benoît de Gorski, Genf

© Hofer Antikschmuck, Berlin

Aber die 150.000 Franken – sind das die Perlen oder der Diana-Effekt 

Achtung, 150.000 Franken, das ist nur der Preis des Nachbaus. Auf der Website des Juweliers kann man das angucken. Das Modell heißt dort „Lady Diana“, als Hommage an sie. Da fragt man sich schon: Was würde dann das Original kosten? Eine halbe Million? Kann sein. Tja, tragisch.

Man wird ja völlig wahnsinnig, wenn man Ihnen zuhört. Was gehe ich überhaupt noch ins Büro, ich muss auf jeden Trödelmarkt gehen!

Ja, das ist tatsächlich der schönste Gedanke für mich: morgens aufzustehen und nicht zu wissen, was an dem Tag noch auf Entdeckung wartet.


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