Kolumne

Antisemitismus ist nicht nur ein muslimisches Problem – sondern auch ein deutsches

Wer in Zeiten wie diesen schweigt, macht sich schuldig, meint unser Kolumnist. Und wer Richtung Neukölln schreit, unterschätzt den Antisemitismus von nebenan.

5 Min
Nicht noch einmal glauben, dass Antisemitismus das Problem von wenigen ist.

Nicht noch einmal glauben, dass Antisemitismus das Problem von wenigen ist.

© Chris Emil Janßen/Imago

„Schämt ihr euch nicht?“, denke ich vor einer Woche, am Sonnabend. Ich lese, wie alle, die Nachrichten, verfolge das Grauen mit meinen eigenen Augen, sitze in meiner Wohnung, höre den Verkehr rauschen. Das erste Mal in diesem Jahr gluckert die Heizung, und ich habe mich noch nie so sicher gefühlt wie in diesem Moment. Wenige Kilometer weiter: tanzende Menschen auf der Straße, Berliner. Brüder und Schwestern, die bei Gebäck und Heiterkeit ihre Unmenschlichkeit feiern, die den Angriff der Hamas auf Zivilisten freudig erregt betanzen. Sie freuen sich über die vergewaltigte Frau mit der grauen Hose, sie freuen sich über die geköpften Kinder, über die Besucher des Trance-Festivals, die hingerichtet wurden.

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