Es klingt wie eine Kampfansage der Grünen an die SPD, auch wenn es nicht um ein Milliardenprojekt wie Stuttgart 21 sondern nur um einen neuen Gastronomie-Großmarkt im Norden Moabits geht: "Wir sind nicht prinzipiell gegen die Ansiedlung des Großmarktes. Aber wir werden der derzeitigen Planung nicht zustimmen", sagt Frank Bertermann, der Fraktionschef der Grünen in Mitte. Die Grünen unterstützen damit die Proteste der Bürger gegen das Projekt, so wie sie sich bundesweit auch den Protesten gegen Stuttgart 21 angeschlossen haben.Den Gastronomie-Großmarkt will das Münchener Unternehmen Hamberger auf dem ehemaligen Güterbahnhof an der Siemensstraße errichten. 180 Meter lang, 100 Meter breit und elf Meter hoch soll der Markt werden. Gastronomen, Imbissbetreiber und Hoteliers sollen dort einmal sämtliche Waren einkaufen können - von Luxusgütern wie Hummer und Kaviar bis hin zu Besteck und Servietten. Die Moabiter kritisieren den angrenzend an ihr Wohngebiet geplanten Bau als zu gewaltig. Vor allem befürchten sie mehr Lärm durch den Lieferverkehr - nach derzeitigen Prognosen werden täglich etwa 100 Lkw sowie bis zu 750 Autos den Großmarkt anfahren. "Städtebaulich und architektonisch ist der Markt suboptimal", sagt Uta Hanft von der Anwohnerinitiative. Man sei nicht bereit, die "unerträgliche Planung um jeden Preis hinzunehmen". Mehr als 1000 Unterschriften gegen das Vorhaben haben die Anwohner gesammelt und an Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) übergeben.Bäume vor der FassadeDieser aber bewertet das Projekt anders. "Ich halte den Markt an dieser Stelle in einem Gewerbegebiet für richtig", sagt er. Das Gebäude sei nach vielen Verhandlungen mit Anwohnern und Investor um mehr als drei Meter von der Grundstücksgrenze abgerückt worden, so dass nun eine Baumreihe vor der Fassade mit 44 Hainbuchen gepflanzt werden könne. Zusätzlich werden 20 Straßenbäume gepflanzt. Gothe ist der Meinung, dass sich mit der doppelten Baumreihe die Diskussion um die Fassade erledigt hat. Er befürchtet aber, sollte der Großmarkt nicht errichtet werden, werde auch die von der Wirtschaftsverwaltung geförderte Umgehungsstraße nicht gebaut und die Anwohner der Siemensstraße nicht vom Verkehrslärm entlastet. Zudem sei die Gestaltung des 1,5 Hektar großen Parks "Moabiter Stadtgarten" gefährdet. Der Streit hat erste finanzielle Auswirkungen: Weil das Bezirksparlament im September den Baustart für den Park gestoppt hat, kann dieses Jahr laut Gothe nur die Hälfte der geplanten 300000 Euro für die Grünanlage ausgegeben werden.Oliver Titius ist der Geschäftsführer des Familien-Unternehmens Hamberger. Wie er sagt, wolle man so schnell wie möglich den Großmarkt errichten. Und er betont: "Wir schaffen 300 Arbeitsplätze sowie 20 bis 30 Plätze für Auszubildende." Zusammen mit dem Jobcenter werde man versuchen, arbeitslose Menschen aus Moabit und Wedding zu beschäftigen.Ungeachtet der Anwohnerproteste will Baustadtrat Gothe die derzeitige Planung Ende Oktober im Bezirksparlament zur Abstimmung stellen. Grünen-Chef Frank Bertermann sagt: "Wir sehen noch immer Möglichkeiten, diesen Großmarkt stadtverträglicher zu machen."------------------------------Karte: Umstrittener Großmarkt - er soll im Norden Moabits errichtet werden.
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