Apothekenreform

Apotheken dürfen künftig impfen, Blut abnehmen und Medikamente ohne Rezept abgeben

Der Bundestag hat die Reform mit den Stimmen von Union und SPD beschlossen. Krankenkassen warnen vor Mehrkosten von über einer Milliarde Euro pro Jahr.

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Neue Angebote in Apotheken - das kommt für Patienten.

Neue Angebote in Apotheken - das kommt für Patienten.

© Monika Skolimowska/dpa

Der Bundestag hat am Freitag eine umfassende Reform des Apothekenwesens beschlossen. Apotheken sollen wirtschaftlich gestärkt und mit erweiterten Befugnissen ausgestattet werden, um das Versorgungsangebot insbesondere im ländlichen Raum zu sichern. Verabschiedet wurde das Gesetz mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD. Grüne und AfD stimmten dagegen, die Linksfraktion enthielt sich.

Die Reform binde Apotheken „breiter in die Versorgung ein – durch mehr Impfungen, Tests und Präventionsangebote“, erklärte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Apotheken sollten als „feste Säule für eine niedrigschwellige und flächendeckende Gesundheitsversorgung der Menschen“ gestärkt werden.

Mehr Befugnisse

Patienten mit chronischen Erkrankungen sollen verschreibungspflichtige Medikamente künftig ohne jedes Mal neues Rezept erhalten. Bei „akuten, unkomplizierten Formen“ bestimmter Erkrankungen dürfen Apotheken zudem verschreibungspflichtige Arzneien ohne ärztliche Verordnung abgeben. Ausgenommen sind Medikamente mit hohem Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial.

Apotheker dürfen außerdem alle Impfungen mit Totimpfstoffen verabreichen, etwa gegen Tetanus oder FSME. Bislang waren nur Impfungen gegen Grippe und Covid-19 möglich. Nach ärztlicher Schulung sollen sie zudem venöses Blut zu diagnostischen Zwecken abnehmen dürfen.

Kassen warnen vor Milliardenkosten

Das sogenannte Apothekenfixum, ein Pauschalbetrag der Krankenkassen je abgegebener Packung eines verschreibungspflichtigen Medikaments, soll im kommenden Jahr von 8,35 Euro auf 9,50 Euro steigen. Allein diese Erhöhung koste die gesetzlichen Krankenkassen rund 875 Millionen Euro pro Jahr, warnte der GKV-Spitzenverband. Insgesamt summierten sich die Mehrkosten auf „deutlich über einer Milliarde Euro“, kritisierte Vize-Vorstandsvorsitzende Stefanie Stoff-Ahnis. Bezahlen müssten dies die 75 Millionen gesetzlich Versicherten und ihre Arbeitgeber.

Die Grünen-Haushaltspolitikerin Paula Piechotta bezeichnete die Reform als „Murks“, da sie das Sozialsystem ohne Gegenfinanzierung belaste. Der Linken-Abgeordnete Ates Gürpinar beklagte ein „Hin- und Her-Geschiebe“ in der Gesundheitspolitik. Der AfD-Gesundheitspolitiker Martin Sichert forderte eine noch höhere Anhebung der Apothekenvergütung – seine Fraktion stimmte dennoch gegen die Vorlage.

Ärzte kritisieren neue Befugnisse

Die Bundesärztekammer wandte sich gegen die erweiterten Aufgaben der Apotheken. „Ärztliche Tätigkeiten gehören nicht in die Apotheke“, erklärte deren Präsident Klaus Reinhardt. „Wer diagnostische und therapeutische Aufgaben übernimmt, muss dafür ausgebildet sein. Das ist eine Frage der Patientensicherheit.“ Der Branchenverband Pharma Deutschland begrüßte die Reform hingegen als „richtungsweisend“. (mit AFP)

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