Für Mario El-Feghali sind die Ferien gelaufen. Der 18-jährige Schüler aus Mariendorf wollte nächste Woche ins Ferienhaus seiner Eltern in den Libanon fliegen, wie fast jedes Jahr in den Sommerferien. Daraus wird jetzt nichts - der Beiruter Flughafen wurde am Freitag von Israel bombardiert und ist nicht mehr benutzbar. Zudem ist Mario El-Feghali in großer Sorge. Seine Mutter Mouna und seine beiden jüngeren Brüder Cesar (16) und Daniel (14) sind vergangenen Mittwoch nach Beirut geflogen. Derzeit sind sie in einem kleinen Dorf namens Bsous, nur zehn Kilometer von der Hauptstadt entfernt. "Von unserem Balkon aus kann man sehen, wie die Bomben einschlagen", erzählt Mario. Sein Bruder filme mit seinem Handy, wie die Israelis sein Heimatland zerstören. Besonders beunruhigt ist der 18-Jährige durch einen Vorfall, der sich am Montag ereignete: "Da fiel der Tank eines Kampfflugzeugs nur 500 Meter von unserem Haus entfernt runter. 500 Meter, das ist gar nichts!" Neun Menschen seien verletzt worden, einer kämpfe um sein Leben.Bangen vor dem FernseherMario kam vor 17 Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland. Sein Vater betreibt die Tempelhofer Pizzeria Queen. Seine fünf Onkel leben mit ihren Familien noch in Bsous. "Gott sei Dank wurde bisher keiner verletzt", sagt Mario. Er findet es zwar schlecht, dass er nicht in den Libanon fliegen kann, ist aber andererseits auch froh, dass er nicht im Krisengebiet ist, weil ihm ja vielleicht etwas passiert wäre. Sein Leben in Berlin hat sich durch die Vorfälle im Heimatland seiner Eltern komplett geändert. "Das hat mir die Ferien verdorben, alles, ich gehe gar nicht mehr raus, mache nichts mehr, ich sitze nur zu Hause vor dem Fernseher und lese im Videotext die neuesten Nachrichten", sagt er. Zwei- bis drei Mal pro Tag telefoniert er mit seiner Mutter und den Verwandten im Libanon. "Meine Mutter hat sich jetzt an die deutsche Botschaft gewandt, um aus dem Libanon herauszukommen", erzählt Mario. Das sei aber nicht so einfach, es sei nicht mal sicher, dass alle drei zusammen evakuiert würden. "Eventuell muss mein 14-jähriger Bruder allein auf dem Landweg mit dem Bus fahren", sagt der Zwölftklässler. Zudem hätte die Botschaft seiner Familie gesagt, sie käme frühestens in zwei Tagen raus.Mario findet es unverhältnismäßig, wie Israel auf die Entführung zweier Soldaten reagiert. "Damit bestrafen sie das ganze Volk, viele Unschuldige sterben", sagt er. Auf eine Anti-Israel-Demonstration würde er aber nicht gehen. Warum, das will er nicht in der Zeitung lesen. Man müsse aufpassen, was man sage in der arabischen Gemeinschaft.Keine wirklich neue SituationIlan Weiss ist als in Berlin lebender Israeli auch von dem Konflikt in Nahost betroffen. Seine Mutter lebt in Haifa. "Sie sagt, ich bin 76, mich interessiert der Tod nicht, wenn er kommt, dann soll er kommen", erzählt der Versicherungsfachmann, der seit 1990 in Berlin lebt. Seine Mutter weigere sich, mehrmals täglich sieben Stockwerke hoch- und runterzugehen, um im Keller Schutz vor den Raketen der Hisbollah zu suchen. "Ich mache mir natürlich Sorgen, aber daran bin ich gewöhnt. Es ist keine wirklich neue Situation zum Alltag in Israel", sagt Ilan Weiss. Auch eine Schwester des 55-Jährigen lebt in Israel, allerdings in einer ländlichen Gemeinde. "Die ist als Ziel nicht interessant", sagt der Israeli.Laut Weiss, der einmal im Monat zu einem israelischen Gesprächskreis in Berlin lädt, ist die Stimmung in der israelischen Community in Berlin nicht so aufgeheizt. "Wir sind zwar betroffen, aber ich sehe das nicht so dramatisch, denn Israel ist der Stärkere und diktiert die Lage." Ilan Weiss verteidigt das Vorgehen seines Heimatlandes. Er sagt, auf den ersten Blick sehe es so aus, als seien die Bombardements unverhältnismäßig im Vergleich zu zwei gekidnappten Soldaten. Aber es gehe nicht um Vergeltung, sondern um die Zerstörung der Hisbollah. "Da ist das schon angemessen", findet er, "oder sollen die warten, bis noch mehr Raketen abgeschossen werden?"------------------------------Foto: Der Israeli Ilan Weiss lebt seit 16 Jahren in Berlin. Seine Mutter wohnt in Haifa.------------------------------Foto: Die Bilder, die Mario El-Feghali im arabischen Fernsehen sieht, lassen ihn nicht los. Seine Familie ist im Libanon.
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