„Tatort“-Kritik

ARD-Tatort „Wo ist Mike?“ aus Franken: Flackernder Albtraum mit Realitätsverlust

Ein fünfjähriger Junge ist verschwunden. Unter Verdacht gerät der neue Freund von Kommissarin Paula Ringelhahn. Was ist passiert? Die „Tatort“-Kritik.

2 Min
Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) sind bestürzt über die aktuellen Entwicklungen des Falls.

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© BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Marc Reimann

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Der siebte fränkische „Tatort“ gibt den Zuschauern schon früh eine Vermutung, was passiert sein könnte, fixiert sich aber nicht auf die Tätersuche, sondern fächert drei besondere Beziehungen auf, mal gestört, mal beklemmend, mal fragil.

Wahrnehmung wird auf die Probe gestellt

Die beiden Eltern des Verschwundenen streiten sich so gewaltsam, dass ihr Sohn flüchtet, und finden dann wieder zusammen. Die Mutter des jungen Mannes, der Wahnvorstellungen hat, klammert sich regelrecht an ihren psychisch kranken Sohn. Die sonst so besonnene Kommissarin Ringelhahn schließlich gerät in ein brutales Drama, weiß nicht, ob ihre Recherchen ihren neuen Freund belasten oder entlasten. Zwar sind private Verbindungen der Kriminalisten in ihre Fälle im TV-Krimi arg überstrapaziert. Doch wenn dabei Schauspieler so spannungsreich aufeinandertreffen wie hier Dagmar Manzel und Sylvester Groth, gleichaltrig und seit Studententagen miteinander bekannt, dann nimmt man das gern in Kauf.

Regisseur Andreas Kleinert lässt in seinem Psychodrama immer wieder albtraumartige Szenen aufflackern, kreiert mit seinem Kameramann Michael Hammon expressive, kontrastreiche Lichtstimmungen und surreale Bilder – so sieht der psychisch Kranke beim Psychiater Raupen im Bart. Kommissar Voss dagegen sieht immer wieder den verschwundenen Jungen und erinnert sich an die eigene Kindheit. Im Revier trainieren die Polizisten mittels Virtual-Reality-Brillen den Wechsel von Perspektiven. Nach besonderen Schocks wird der Ton ausgeblendet und von Musik überlagert. Der „Tatort“ aus Franken stellt so die Wahrnehmung auf eine harte Probe, schafft es, oft zu irritieren, mitunter zu verstören.

Tatort: „Wo ist Mike?“, läuft am Sonntag, 16.5., um 20.15 Uhr in der ARD.

Wertung: 3 von 5 Punkten

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