ARD-Themenwoche

Ein Glück kommt selten allein

Am Sonnabend startet die diesjährige ARD-Themenwoche. Sieben Tage lang dreht sich alles darum, ob man mehr als zufrieden ist. Und wenn nicht: Wie man es wird.

Marcus Bäcker
5 Min

Glück ist ein Thema, das dem Comedian, Schriftsteller und Moderator Eckart von Hirschhausen am Herzen liegt. Eines seiner Programme hieß „Glücksbringer“, sein Buch „Glück kommt selten allein ...“ war ein Bestseller. Auf seiner Homepage kann man sein persönliches Glück trainieren. Und wenn man mit ihm ins Gespräch kommt, dann erzählt er mit Leidenschaft über die neuesten Ergebnisse psychologischer Forschung, die unterschiedlichen Definitionen von Glück, über das, was wirklich glücklich macht.

Glück, das ist für den Doktor der Medizin jeder Augenblick, in dem man die Zeit vergisst, „weil man sich engagiert, seine Stärken nutzt, sich gebraucht fühlt“. Auch Meditation trage zum Glücklichsein bei, das Ausschalten aller äußerlichen Reize, die Konzentration auf den eigenen Atem, auf das, was gerade ist. Und das Fernsehen? „Fairerweise muss man sagen, dass Menschen, die sehr viel fernsehen, nicht glücklich sind, weil es einen oft nicht genug aktiviert und fordert“, entgegnet von Hirschhausen, während fünf Meter weiter Fernsehkameras stehen und der WDR-Intendant Tom Buhrow über die neue Themenwoche der ARD spricht.


Die Themenwoche „Glück“ läuft von Sonnabend (16.11.2013) bis Freitag in der ARD.

Zu den Höhepunkten im Ersten zählen die Reportage „Sowas wie Glück – Eine Reise mit Anke Engelke“ (Mo., 20.15 Uhr), der Film „Ein Schnitzel für alle“ (Mi., 20.15 Uhr) mit Armin Rohde und Ludger Pistor sowie die Show „Zum Glück mit Hirschhausen“ (Fr., 20.15 Uhr)

ARD-Themenwoche Glück


Nun muss man allerdings auch fairerweise sagen, dass das Thema der Themenwoche „Glück“ ist, was die Aussichten auf ein wenig Glück dann doch wieder vermehrt. Allein auf den Fernseher ist man auch nicht angewiesen, Radio und Internet werden ebenfalls bespielt. Und, nicht zu vergessen: In des Doktors eigener Show wird der Zuschauer aktiviert und gefordert, darauf legt der Moderator Wert und verweist unter anderem auf das große Glücksvoting: Gewählt wird, was uns Deutsche wirklich glücklich macht.

„Zum Glück mit Hirschhausen“ ist so etwas wie die offizielle Show zur Themenwoche und findet am kommenden Freitag statt, als Finale. An den sechs Tagen zuvor macht sich die ARD mit Feuereifer daran, so ziemlich alle Aspekte von Glück abzubilden und nutzt dafür von Dokumentationen über Spielfilme bis hin zu Radiofeatures die unterschiedlichsten Formate und vom Ersten über RBB bis Tagesschau 24 tatsächlich alle TV-Kanäle: Sogar in Günther Jauchs Talkshow wird über Glück geredet.

Mit Themenwochen kennt man sich in der ARD mittlerweile aus, seit 2006 setzt man multimedial jedes Jahr einen Schwerpunkt. 2012 ging es um das Leben mit dem Tod, was im dunklen deutschen Herbst ein wenig schwermütig stimmen konnte. Das Thema „Glück“ verspricht da schon Launigeres, zum Beispiel die Komödie „Ein Schnitzel für alle“ mit Armin Rohde und Ludger Pistor. Nur gelacht werden soll aber auch nicht. Laut Tom Buhrow, der gerne lacht, muss so eine Themenwoche immer auch eine gesellschaftliche Bedeutung haben: Banal sein können andere.

Und es stimmt ja auch: Laut UN belegen die Deutschen im Ranking der glücklichsten Nationen gerade mal den 26. Platz, sogar die von langer Dunkelheit gepeinigten Finnen liegen weit vor uns. Dass man kein Altruist sein muss, um den miesepetrigen Landsleuten glückstechnisch auf die Sprünge helfen zu wollen, liegt auf der Hand: Dort, wo das Unglück pathologisch wird, schwindet Arbeitskraft, entstehen Kosten für Therapien. Dann doch lieber gleich lernen, Glück zu empfinden. In einigen Schulen ist das tatsächlich schon laut Unterrichtsplan möglich, und bei der ARD soll man nun auch klüger werden und im Idealfall erkennen, wie man sein Leben verbessern kann, wie greifbar das Glück tatsächlich ist.

Zu den herausragenden Beiträgen der Themenwoche zählt die gute alte „Sendung mit der Maus“, die den kleinen Constantin auf seinem Weg ins Leben begleitet hat und einfühlsam dokumentiert, was so ein Winzling schon im Mutterleib erlebt; auch bei seiner Geburt war die Kamera dabei. Da ist Glück greifbar, natürlich. Doch kann man auch dort Glück finden, wo niemand damit rechnet, wo schwer erkrankte Kinder dem Tod entgegensehen? Anke Engelke hat für ihre Reportage „Sowas wie Glück“ unter anderem eine Kinderkrebsstation besucht und dort mit einem kleinen Jungen gesprochen, der weiß, dass er sterben wird. Das sind Fernsehmomente, die man nicht so leicht vergisst, die einem noch lange nachhängen. Anke Engelke kann so etwas, weil sie sich nicht mit journalistischer Routine und Distanz panzert, sondern sich in solche Situationen ganz einfach nur als Mensch hineinwagt: ungeschützt, berührt, aufrichtig. In weiteren Dokumentationen gehen Autoren der Frage nach, ob Besitz glücklich macht, ob Kinder glücklich machen, was Menschen glücklich macht, die von sich selbst sagen, dass sie glücklich sind.

Die Menschen ein wenig glücklicher machen will ja auch Eckart von Hirschhausen in seiner Show. Ob das mit Prominenten wie Janine Kunze, Isabell Varell und Birgit Schrowange klappt, mag so ein bisschen dahingestellt sein. Aber vielleicht helfen einem ja die angekündigten Glücksübungen und die Ratschläge der eingeladenen Wissenschaftler weiter. Ansonsten gilt: Man kann auch ohne Fernsehen glücklich sein.

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