BERLIN, 2. August. Die Kassenärzte vor allem in den östlichen Bundesländern haben ihre Arzneimittelbudgets 1999 zum Teil erheblich überzogen. Nach ersten Hochrechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) verschrieben die Ärzte bundesweit für rund 785 Millionen Mark mehr Medikamente, als sie laut Vereinbarungen mit den Krankenkassen gedurft hätten. Dabei gibt es regional deutliche Unterschiede, bestätigte die KBV am Mittwoch einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Während die Kassenärzte etwa in Bayern und Hessen ihre Budgets einhielten, verschrieben ihre Kollegen in Sachsen, Brandenburg oder Berlin jeweils für 179, 154 und 101 Millionen Mark mehr Arzneimittel als erlaubt. Die Ausgaben für Arznei- und Heilmittel (Physiotherapie) unterliegen seit 1993 der Budgetierung. Alle 23 regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) handeln mit den Kassen jährlich ein gemeinsames Budget für die Ärzte ihres Bereiches aus. Die jährliche Steigerungsrate hatte die Regierung im Zuge der Gesundheitsreform an die Einnahmeentwicklung der Krankenkassen gekoppelt. Die Budgets 2000 dürfen danach nur bis zu 1,4 Prozent über denen des Vorjahres liegen. 1999 betrug das Gesamtbudget für Arznei- und Heilmittel rund 34 Milliarden Mark. Die Verhandlungen über die konkreten Budgets dieses Jahres sind in vielen Regionen noch nicht abgeschlossen.Wird das Budget überschritten, müssen kollektiv alle Ärzte einer KV mit ihren Honoraren für einen Teil der Kosten geradestehen. Diese Haftung ist laut Gesetz auf fünf Prozent der regionalen Budgetsumme begrenzt. Was darüber hinaus geht, müssen die Kassen übernehmen. Bisher mussten die Ärzte aber noch nicht zurückzahlen. Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) hatte den Vertragsärzten zuletzt 1998 die Regressforderungen aus den Vorjahren erlassen. Anschließend hatte sie jedoch immer wieder betont, dass die Krankenkassen sich nunmehr an die geltende Rechtslage halten und von den Ärzten Regresse einfordern müssten. "Dabei bleibt es", hieß es im Gesundheitsministerium. Die Höhe möglicher Regresse ist aber noch unklar und von den Verhandlungen zwischen den Standesvertretungen der Ärzte und den Krankenkassen abhängig.
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