Ukraine-Krieg

Ukraine meldet 116 getroffene Schiffe: Drohnenkrieg im Asowschen Meer verschärft sich

Binnen neun Tagen sollen ukrainische Drohnen 116 russische Schiffe getroffen haben. Die Angriffe bremsen inzwischen Getreideexporte und treiben die Preise.

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Der Hafen Kawkas an der Straße von Kertsch

Der Hafen Kawkas an der Straße von Kertsch

© Serguei Fomine/imago

Ukrainische Drohnen haben in der Nacht zum Dienstag nach Angaben Kiews elf weitere russische Schiffe im Asowschen Meer getroffen. Der Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, Robert Brovdi, teilte auf Telegram mit, es habe sich um fünf Tanker, fünf Frachter und einen Schlepper gehandelt.

Damit läge die Zahl der binnen neun Tagen angegriffenen Schiffe bei 116. Die Angaben stammen ausschließlich aus ukrainischen Militärquellen und sind unabhängig nicht bestätigt.

Moskau spricht von Terrorismus

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach laut der Nachrichtenagentur TASS von Terrorismus. Was die ukrainische Führung tue, gehe „über Piraterie hinaus“. Ziel sei es, Schaden anzurichten und einzuschüchtern, sagte Lawrow. Das russische Außenministerium erklärte laut TASS, bei den jüngsten Angriffen im Asowschen Meer seien zwei Seeleute getötet und zehn verletzt worden.

Ein ukrainischer Militärvertreter wies gegenüber Reuters zurück, dass zivile Frachter ins Visier genommen würden. Angegriffen würden ausschließlich militärische Ziele oder solche, die zur Stärkung der russischen Kampfkraft beitrügen. Mit dem Vorwurf, zivile Schiffe zu treffen, suche Moskau lediglich einen Vorwand für eigene Angriffe auf ukrainische Zivilinfrastruktur.

Wie Branchenvertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters allerdings berichteten, seien am Montag und Dienstag mehrere Getreidefrachter getroffen worden und in Brand geraten.

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs zielen die Angriffe auf das „militärisch-wirtschaftliche Potenzial des russischen Aggressors“. Die Tanker würden genutzt, „um Öl und Ölprodukte unter Umgehung internationaler Sanktionen zu transportieren“, hieß es unter Bezugnahme auf die vom Westen gegen Russland verhängten Strafmaßnahmen.

Schifffahrt eingeschränkt, Getreideexporte betroffen

Seit dem 10. Juli ist die Durchfahrt durch den Asow-Don-Kanal und die Straße von Kertsch nach Angaben von Reuters und des im Exil erscheinenden russischsprachigen Mediums Novaya Gazeta Europe faktisch eingeschränkt.

Über die Häfen am Asowschen Meer wickelt Russland nach Branchenangaben rund ein Viertel seiner Getreideexporte ab. Das russische Verkehrsministerium teilte der Zeitung Kommersant mit, Reeder arbeiteten an Schutzmaßnahmen für ihre Flotte, Hafenkapitäne an einer schnelleren Abfertigung. Bei Bedarf sollten Massengüter auf andere Verkehrsträger verlagert werden.

Das Moskauer Institut für Agrarmarktanalyse IKAR und das auf den russischen Agrarmarkt spezialisierte Analysehaus Sovecon senkten laut Kommersant ihre Prognose für den russischen Weizenexport im Juli um 13 bis 20 Prozent auf rund zwei Millionen Tonnen. Sovecon-Direktor Andrej Sisow warnte, die Tiefwasserhäfen am Schwarzen Meer könnten die Ausfälle in der Exportspitze von August bis Oktober nicht vollständig auffangen. Der Weizenpreis an der Börse Euronext stieg laut Novaya Gazeta Europe um rund vier Prozent.

Kritik auch aus dem russischen Militärumfeld

Der russische Getreideexportverband erklärte laut Reuters, die Verpflichtungen gegenüber ausländischen Abnehmern würden vollständig erfüllt. Aus dem militärnahen russischen Telegram-Umfeld kam dagegen Kritik am fehlenden Schutz der Handelsschiffe. Der einflussreiche kremlnahe Militärblog Rybar bemängelte, die Handelsflotte im Asowschen Meer werde nicht ausreichend gesichert.

Seit Ende des vergangenen Jahres hat Russland nach Angaben Kiews seine Angriffe auf ukrainische Schwarzmeerhäfen verstärkt. Ukrainische Vertreter erklärten laut Reuters, die monatliche Ausfuhrkapazität für Getreide in der Region Odessa könne dadurch um bis zu ein Drittel sinken.

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