Der Moment, auf den ich mich am meisten freue, ist der Blick zurück zur Erde“, sagt der deutsche Astronaut Alexander Gerst. Bis dahin aber dauert es noch ein bisschen. Zunächst steigt Gerst an diesem Mittwoch in den Raumanzug und in die enge Sojus-Kapsel. Die wird ihn und seine beiden Kollegen, den US-Amerikaner Reid Wiseman und den Russen Maxim Surajew, innerhalb weniger Minuten auf 210 Kilometer Höhe katapultieren. Anschließend muss das Raumschiff dann noch zur weitere 190 Kilometer höher über der Erde kreisenden Station ISS aufschließen.
Der 38-Jährige hat jeden Schritt, jeden Handgriff Hunderte Male geübt. Viereinhalb Jahre lang trainierte er für seine Mission im Sternenstädtchen bei Moskau, im texanischen Houston und im Europäischen Astronautenzentrum Köln. Er wurde in Zentrifugen umhergeschleudert, übte unter Wasser den Ausstieg in den Weltraum, schlug sich im russischen Überlebenstraining bei minus 30 Grad durch die Wildnis und simulierte jegliche Notsituation. Er hat gelernt, Wunden zu nähen und Zahnfüllungen von Kollegen zu reparieren. Besonders schwer sei es ihm gefallen, im Crash-Kurs Russisch zu lernen, sagt er.
Gerst ist ein sportlicher Typ, unverheiratet, kinderlos. Er taucht, schwimmt, fährt Snowboard, springt mit dem Fallschirm ab. Zugleich scheint er ein aus der Zeit gefallener Romantiker zu sein. Ins All wolle er fliegen, seit er als Kind verstanden habe, was die Sterne seien, sagt er. Seine erste Trainingsstation war die Achterbahn in seinem Heimatort, dem baden-württembergischen Künzelsau.
„Wir arbeiten an der Grenze der Technologie“
In seinem Blog, in dem er über den Flug berichten wird, nennt er die Raumfahrt immer noch das „größte Abenteuer der Menschheit“. Obwohl sie längst Routine zu sein scheint, ist sie nicht ungefährlich. „Wir arbeiten an der Grenze der Technologie“, sagt Gerst.
2009 wurde er aus mehr als 8400 Bewerbern ausgewählt. Nicht nur wegen seiner Begeisterung, sondern weil er selbst Forscher ist – ganz wichtig für eine Mission, bei der er hundert wissenschaftliche Experimente durchführen soll. Gerst hat Geophysik studiert, erst in Karlsruhe, später in Neuseeland. Er unternahm viele Expeditionen in die Antarktis und zu aktiven Vulkanen, machte davon auch atemberaubende Fotos.
Vor allem aber bewies er, dass er monatelang auf engstem Raum mit anderen leben und arbeiten kann. „Alex ist an extreme Bedingungen gewöhnt“, sagt Volker Schmid, sein DLR-Missionsmanager. „Er ist ein Teamplayer und Vollprofi. Er macht das, was er macht, absolut sorgfältig.“ Gerst wolle alles wissen und sei ein unkomplizierter, cooler Typ, der zugleich den wissenschaftlichen Wert der Dinge nie aus den Augen verliere. „Wir sind sicher, dass er da oben einen guten Job machen wird.“
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