Das Magazin Weiter Schreiben widmet sich in seiner neuesten Ausgabe der Nacht – und feiert das am Freitag von 20 Uhr bis zur Schlafenszeit im Roten Salon der Volksbühne. Mit dabei ist die iranische Schriftstellerin Atefe Asadi, die in Hannover lebt. An sie geht die Frage: Kann man in Deutschland magisch-realistisch träumen?
Atefe Asadi: Wenn Sie erwarten, dass ich diese Frage aus meiner persönlichen Perspektive beantworte, müsste ich sagen, dass ich immer noch so sehr in zwei Kulturen verstrickt bin – man kann das ein Schweben und Bewegen nennen. Wenn ich meine Augen schließe, trete ich in eine Welt ein, die alle Ängste und Traumata der Vergangenheit enthält und die zugleich die Herausforderungen und Unsicherheiten der Gegenwart in der neuen Gesellschaft widerspiegelt.
Meine Albträume sind neuerdings zweisprachig, und die wenigen Träume, die ich habe, sind auf Persisch. Am häufigsten träume ich, dass ich wieder im Iran bin und an Türen klopfe, aber niemand erkennt mich. Und ich wünschte, es gäbe irgendeine Möglichkeit, meine Albträume zu kompensieren!
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Eine Form des Widerstands
Selbst jemand wie ich, der den Realismus schätzt und weiß, dass Träume und übertriebene Hoffnungen zu noch größeren Enttäuschungen führen können, verspürt weiterhin das Bedürfnis zu träumen, um es auch als eine Form des Widerstands gegen die Zwänge der Realität zu nutzen. Und all das kann der Beginn, der Stoff für das Schreiben einer neuen Geschichte sein.
Das Schreiben über das Thema Nacht für das Weiter-Schreiben-Magazin habe ich für mich vor allem als eine Art Selbstanalyse begriffen. Salman Rushdie sagt, dass er im Leben nie gelernt habe, ein Motorrad zu reparieren, aber doch verstanden, sich selbst mithilfe der Literatur zu reparieren. Und bei dem Nacht-Projekt, im Austausch mit meiner deutschen Kollegin Daniela Dröscher, habe ich den Stift in die Hand genommen, um zu sehen, wie weit ich mich ausdehnen kann, indem ich nur über einen Begriff nachdenke. Nacht ist mehr als nur ein Wort. Ich schreibe über Mahmonir, eine Mutter, die ihren Sohn durch das iranische Regime verloren hat. Auch sie klopft an Türen. Sie ist wie eine Heldin aus großen Legenden.
Weiter-Schreiben-Nacht, 13.12., 20 Uhr, u.a. mit Atefe Asadi, Daniela Dröscher, Kateryna Mishchenko, Abdul Wahid Rafee. Musik: Milad Khawam. Volksbühne, Roter Salon
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