Geopolitik

Atommächte-Konflikt: Indien greift Flugabwehrsysteme in Pakistan an

Zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan eskaliert derzeit die Gewalt.

Sophie Barkey dpa/AFP/sba
3 Min
Raketentrümmer in Indien. Die indische Regierung erklärte am 8. Mai, Pakistan habe in der Nacht einen Luftangriff mit Drohnen und Raketen durchgeführt, bevor Neu-Delhi mit der Zerstörung eines Luftabwehrsystems in Lahore zurückschlug.

Raketentrümmer in Indien. Die indische Regierung erklärte am 8. Mai, Pakistan habe in der Nacht einen Luftangriff mit Drohnen und Raketen durchgeführt, bevor Neu-Delhi mit der Zerstörung eines Luftabwehrsystems in Lahore zurückschlug.

© Narinder nanu/AFP

Indien hat nach eigenen Angaben Flugabwehrsysteme an mehreren Orten des Nachbarlandes Pakistan attackiert. Eines der Systeme in der Millionenstadt Lahore sei zerstört worden, teilte die indische Regierung mit. Mit dem Beschuss in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) habe das Militär auf den Versuch Pakistans reagiert, militärische Ziele im Norden und Westen Indiens mit Drohnen und Raketen zu treffen. Dies habe aber vereitelt werden können. Eine Bestätigung dafür aus Pakistan gab es zunächst nicht.

Indiens Antwort auf die pakistanischen Raketen- und Drohnenangriffe seien mit den gleichen Mitteln und der gleichen Intensität erfolgt, hieß es. Trümmerteile pakistanischer Drohnen und Raketen sollen demnach eingesammelt und untersucht werden.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi führte inmitten der militärischen Spannungen Gespräche in Neu-Delhi: Er traf seinen indischen Kollegen Subrahmanyam Jaishankar, wie iranische Staatsmedien berichteten. Der Besuch sei länger geplant gewesen, sagte Araghtschi bei seiner Ankunft. Daher stünden auch wirtschaftliche Themen auf der Agenda. „Unsere Region braucht Ruhe“, fügte er hinzu. Deshalb wolle der Iran auch vermitteln.

Auch Deutschland und die anderen 26 EU-Staaten haben derweil die beiden Atommächte Indien und Pakistan zu einer sofortigen Deeskalation des aktuellen militärischen Konflikts aufgerufen. „Die EU verfolgt die wachsenden Spannungen in der Region sowie die daraus resultierenden Folgen mit großer Besorgnis“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die EU fordere beide Seiten auf, Zurückhaltung zu üben, die Spannungen abzubauen und von weiteren Angriffen aufeinander abzusehen, um das Leben von Zivilisten zu schützen. Man werde mit allen Parteien zusammenarbeiten, um zur Deeskalation der Lage beizutragen.

Lage im Konflikt zwischen Indien und Pakistan bleibt angespannt

In der Nacht zuvor waren bei pakistanischem Artilleriebeschuss nach Angaben des indischen Militärs mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein indischer Soldat. Davor hatte das Militär von zwölf Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, gesprochen. Mehrere Gebäude in grenznahen Orten wurden demnach zerstört.

Das pakistanische Artilleriefeuer begann nach Angaben Indiens in der Nacht zum Mittwoch – nach Angriffen der eigenen Streitkräfte auf Ziele in Pakistan und dem pakistanisch kontrollierten Teil Kaschmirs. Die Region ist zwischen Pakistan und Indien geteilt, beide beanspruchen aber das ganze Gebiet für sich. Bei den gezielten indischen Angriffen seien neun Einrichtungen von „Terrorgruppen“ zerstört worden, hieß es. Pakistan, das von Raketenangriffen sprach, drohte Indien mit Vergeltung.

Durch indische Angriffe kamen auf pakistanischer Seite nach Angaben des Militärs mehr als 30 Menschen ums Leben, 57 weitere wurden demnach verletzt. Zudem seien durch den Abschuss der indischen Drohnen in der vergangenen Nacht durch die herabstürzenden Trümmerteile eine Person getötet und fünf weitere verletzt worden, darunter vier Soldaten.

Die Angriffe Indiens gelten als Reaktion auf einen Terroranschlag vom 22. April im indischen Unionsterritorium Jammu und Kaschmir, bei dem 26 Menschen – überwiegend indische Touristen – getötet wurden. Neu-Delhi wirft Pakistan eine Beteiligung vor, was Islamabad zurückweist.

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