Attentat in Berlin: Islamistischer Prediger Abu Walaa soll Anis Amri angeworben haben

Entscheidend wird sein, ob sich der Verdacht gegen ihn auch erhärten lässt.

BLZ
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Berlin - Dass Abu Walaa die mutmaßlich zentrale Figur der islamistischen Szene in Deutschland ist, darüber herrscht seit einiger Zeit Klarheit. Seit Montag aber steht ein sehr viel konkreterer Verdacht im Raum.

Beweise hat die ARD nicht

In der ARD-Dokumentation „Der Anschlag“ werden Dokumente des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen zitiert. Danach soll der 33-Jährige den Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri „autorisiert“ haben, zunächst den polnischen Lkw-Fahrer und dann elf weitere Menschen zu töten. Das wäre eine neue Qualität.

Beweise im eigentlichen Sinne hat die ARD nicht. Es ist davon die Rede, dass Abu Walaa eine „dreißigminütige Privataudienz“ gehabt und über eine „exklusive Beziehung“ zu Abu Walaa verfügt haben soll.

Es spricht vieles für das Szenario

Nach Einschätzung des besagten Landeskriminalamts sei der Tunesier Amri „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ durch Gespräche mit Beschuldigten des Abu Walaa-Netzwerkes „zur Verübung des Anschlags in Berlin angeworben“ worden. Nur: Dass Amri Kontakt zu Abu Walaa hatte, ist bekannt. Und eine hohe Wahrscheinlichkeit ist noch keine Gewissheit.

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass es so gewesen sein könnte. Denn Abu Walaa, der 2001 ohne Papiere aus dem nordirakischen Kirkuk nach Deutschland kam und hier einen Asylantrag stellte, gründete später den Deutschsprachigen Islamkreis Hildesheim und zog von dort aus seine Fäden.

Abu Walaa steht seit kurzem vor Gericht

Mit zwei Frauen und sieben Kindern in Tönisvorst bei Krefeld lebend, begeisterte er junge Männer für Reisen in das untergehende Kalifat des selbst ernannten Islamischen Staates. Insgesamt sollen er und seine Leute 15 solche Reisen organisiert haben.

Im November vorigen Jahres wurde Abu Walaa festgenommen und steht seit kurzem in Celle vor dem Oberlandesgericht. Kronzeuge ist der Medizin-Student Anil O. aus Gelsenkirchen, der desillusioniert aus dem IS-Gebiet heimkehrte und später Aussagen machte über den Mann, der sich auf Propaganda-Videos lediglich von hinten filmen ließ und deshalb „Prediger ohne Gesicht“ genannt wurde.

Verhaftung treffe den Richtigen

Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke sagte dieser Zeitung bereits vor einem Jahr: „Ich wüsste keinen, der so einen Status hat wie Abu Walaa und der als Prediger so verehrt wird.“ Mit der Verhaftung treffe es auf jeden Fall „den Richtigen“.

Dass der Islamisten-Führer seinen Gesinnungs-Genossen Anis Amri autorisiert hat, ist mithin möglich. Nun ist Amri tot. Abu Walaa lebt. Entscheidend wird sein, ob sich der Verdacht gegen ihn auch erhärten lässt.

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