Auch Mittelschichten sind anfällig für rechtsextreme Einstellungen

Jonas Rest
2 Min

Rechtsextreme und antidemokratische Einstellungen nehmen deutlich zu. Als "dramatische Trendwende" bewerteten die Autoren der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung gestern in Berlin ihre Ergebnisse. Während 2008 rund ein Fünftel der Befragten ausländerfeindlichen Aussagen zustimmte, ist es nun bereits knapp ein Viertel.Insbesondere Muslime geraten dabei ins Visier. Fast 60 Prozent der Deutschen wollen Muslimen verbieten, ihre Religion auszuüben. Über die Hälfte der Deutschen kann es gut verstehen, dass "Araber manchen Leuten unangenehm sind".Bemerkenswert sei, dass rechtsextreme Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft stärker ausgeprägt sind als in der Unterschicht, sagten die Forscher. Die Angst vor dem sozialen Abstieg, verstärkt durch die Krise, mache die Mittelschichten anfällig für rechtsextreme Einstellungen. Die zunehmende soziale Unsicherheit und das Anwachsen der "prekarisierten Unterschicht" gehe mit einer Zunahme der rechtsextremer Einstellungen einher.Die politische "Entsolidarisierung mit gesellschaftlich schwächeren Schichten", etwa durch die Hartz-IV-Gesetze und Restriktionen gegenüber Migranten, seien nicht folgenlos geblieben, so die Forscher. Sie schuf das "gesellschaftliche Klima für autoritäre Aggressionen und legitimieren diese von staatlicher Seite nachdrücklich". Auch Wolfgang Benz, Antisemitismusforscher an der TU Berlin, macht die Politik für den Anstieg rechtsextremer Einstellungen mitverantwortlich. "Der Stammtisch fühlt sich bestärkt, wenn auch der Ministerpräsident einen Zuwanderungsstopp fordert," sagte er dieser Zeitung.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema