Aufrecht ins Gefängnis

Bernhard Bartsch
3 Min

Er wollte Aids-Waisen unterstützen, tibetische Antilopen retten und Korruptionsopfern zu ihrem Recht verhelfen. Doch er bekam Morddrohungen, Hausarrest und nun sogar dreieinhalb Jahre Gefängnis. Der prominente chinesische Aktivist Hu Jia, 34, ist gestern wegen "umstürzlerischer Absichten gegenüber der Staatsmacht" verurteilt worden. Als Beweismittel dienten den Richtern Artikel, die Hu auf einer US-Internetseite veröffentlicht hatte, sowie Äußerungen in Interviews mit ausländischen Medien. Darin hatte er die eingeschränkte Meinungsfreiheit und Repressionen gegen andere Menschenrechtsaktivisten kritisiert."Ich bin von dem Urteil schockiert", sagte seine Frau Zeng Jinyan nach der Urteilsverkündung. Der Schuldspruch sei für sie inakzeptabel, aber sie wisse noch nicht, ob ihr Mann in Berufung gehen werde. Dies werde auch von seinem Gesundheitszustand abhängen.Hu leidet an Hepatitis und braucht täglich Medikamente. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen droht politischen Häftlingen mit chronischen Krankheiten eine Verschlechterung ihrer ärztlichen Versorgung, wenn sie nicht mit den Behörden kooperieren. Hu hatte auf unschuldig plädiert, nach Angaben seines Anwalts aber eingestanden, dass einige seiner Äußerungen "exzessiv" gewesen seien. Die Staatspresse wertete dies als Schuldeingeständnis. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua bezeichnete das Urteil als "milde", die Höchststrafe hätte bei fünf Jahren gelegen.Reporter ohne Grenzen warf der chinesischen Regierung vor, an Hu ein Exempel statuiert zu haben, um Proteste vor den Olympischen Spielen zu unterdrücken: "Die Liste der Olympiagefangenen wird immer länger, während das Internationale Olympische Komitee verzweifelt schweigt." Hu, der an einer Pekinger Universität Informationstechnik studierte, hatte 1996 einen gut bezahlten Job ausgeschlagen, um als Umweltschützer in Chinas armen Westen zu gehen. 1999 gründete er eine Hilfsorganisation für Opfer eines Aids-Skandals, bei dem kommerzielle Blutkäufer mit infizierten Nadeln das HI-Virus in Umlauf gebracht hatten. Die Gesundheitsbehörden wurden erst durch die Aktivisten auf den Fall aufmerksam, warfen diesen aber Verrat von Staatsgeheimnissen vor.Hu und seine ebenfalls als Menschenrechtlerin engagierte Frau sind seitdem Schikanen durch die Sicherheitskräfte ausgesetzt. 2006 wurde Hu von der Geheimpolizei gekidnappt, 41 Tage lang ohne Anklage festgehalten und misshandelt. Als er seine Aktivitäten auch während des anschließenden Hausarrests nicht einstellte und über das Internet weiterhin regimekritische Texte veröffentlichte, wurde er im vergangenen Dezember festgenommen. Wie es ihrem Mann seitdem ergangen ist, weiß nicht einmal seine Frau genau. "Ich durfte nur zweimal kurz mit ihm sprechen", sagt Zeng, die mit dem im Herbst geborenen Kind des Paares weiter unter teilweisem Hausarrest steht. Bei der Urteilsverkündung sah sie nur Hus Rücken. "Ich habe ihm zugerufen, aber er konnte mich nicht hören."------------------------------Foto: Hu Jia, chinesischer Menschenrechtsaktivist

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