Unauffälliger Aufsteiger

Warum Jonas Müller immer mehr Wertschätzung genießt

Bundestrainer nominiert den Verteidiger für den Deutschland-Cup.

Benedikt Paetzholdt
3 Min
Jonas Müller packt kräftig gegen Steven Pinizzotto zu.

Jonas Müller packt kräftig gegen Steven Pinizzotto zu.

© City-Press GbR

Er hatte bereits vorher erfahren, dass er zum DEB-Team gehören wird. Genauso wie Frank Hördler und Thomas Oppenheimer; Sean Backman steht im Kader der USA. Olympia im kommenden Jahr rückt somit ein Stück näher. Müller, 21, lässt sich wie auch sonst nicht zu Euphorie hinreißen. „Es bleibt schwierig, in den Kader reinzukommen. Man muss sich immer beweisen.“

Lob vom Sportdirektor

Eigentlich muss Müller die Saison einfach nur fortführen, wie er sie in den vergangenen 16 Spielen begonnen hat. Unaufgeregt und abgeklärt räumt er vor dem Tor auf, er leitet Angriffe ein, ist sich für keinen Weg zu schade. „Seit den Playoffs im letzten Jahr hat er eine super Entwicklung hingelegt“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer. In der Plus-Minus-Statistik, die das Verhältnis von Toren und Gegentoren anzeigt, als der jeweilige Spieler auf dem Eis war, steht er bei plus sieben − wie Nebenmann Micki DuPont, 37, übrigens auch. „Es ist ja unser Job, nicht ständig Tore zu kassieren“, kommentiert er das erfreuliche Zwischenergebnis.

Zu den Frontgesichtern des aktuellen Aufschwungs, den die Berliner heute Abend zu Hause gegen die Straubing Tigers (19.30) mit dem , neuen Trainer Tom Pokel fortsetzen wollen, zählt natürlich Torwart Petri Vehanen. Weil er schon jetzt die Paraden zeigt, die die Eisbären in den Playoffs ins Halbfinale gebracht haben. Oder Oder Backman, der zu flink für die gegnerischen Abwehrreihen ist und bereits neun Tore erzielt hat. Auch Verteidigerkollege Daniel Richmond fällt mit elf Punkten auf.

Scoring als Manko

Fleißbienen wie Müller, die unauffällig für Stabilität in der Abwehr sorgen, fallen da nicht sofort auf. Bundestrainer Sturm und die Eisbären-Verantwortlichen schätzen genau diesen Stil. „Er gehört schon jetzt zu den besten Verteidigern in Deutschland“, sagt Richer.

Größtes Manko, so sieht es das selbst, ist die Scoringbilanz. Eine Vorlage hat er bislang vorzuweisen. Damit steht er auf einer Stufe mit Vehanen. „Ich habe schon einen Offensivdrang und versuche es auch, bislang klappt’s einfach nicht“, sagt Müller. Eine Zustandsbeschreibung, die Richer aber nicht weiter stört: „Es zählen ja nicht nur die Punkte. Er ist läuferisch stark und bringt sich gut ein, er wird sich auch hier weiter verbessern.“

Kampf mit dem Rüpel

Beim letzten Heimspiel gegen München (5:4 nach Penaltyschießen) offenbarte er eine ganz andere Stärke, für die er großes Lob von seinen Mannschaftskollegen erhielt. Müller legte sich mit Steven Pinizzotto, einem der größten Rüpel der Liga an. „Ich bin kein klassischer Fighter, aber es war mal an der Zeit ein Zeichen zu setzen“, sagt Müller. „Diese ständigen Stockschläge sind echt unnötig.“ Dass er dafür eine saftige Strafe kassierte (2+2+10 Minuten), wird ihm kaum Tadel eingebracht haben. Richer sagt: „Gegen Pinizzotto trauen sich nicht viele.“ Es zeichnet Müller eben aus, große Aufgaben furchtlos anzugehen.

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