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Auktionshaus in Neuss wollte Judenstern und Briefe von KZ-Häftlingen versteigern, Polen protestierte

Ein Neusser Auktionshaus wollte einen Judenstern und Briefe von KZ-Häftlingen und deren Angehörigen versteigern. Das internationale Auschwitz-Komitee und Polens Präsident reagierten.

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Der polnische Präsident Karol Nawrocki

Der polnische Präsident Karol Nawrocki

© AFP/WOJTEK RADWANSKI

Das Internationale Auschwitz-Komitee hatte ein Neusser Auktionshaus aufgefordert, seine für Montag geplante Auktion mit Zeugnissen des Holocaust abzusagen. Die angekündigte Versteigerung persönlicher Dokumente von NS-Opfern werde von Holocaust-Überlebenden und ihren Angehörigen als „zynisches und schamloses Unterfangen“ gewertet, teilte IAK-Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner in Berlin mit.

Das Leid aller Menschen, die von den Nazis verfolgt und ermordet wurden, werde aus kommerziellem Interesse missbraucht. Dokumente der Verfolgung und des Holocaust gehörten den Familien der Verfolgten. Sie sollten in Museen oder in Ausstellungen von Gedenkstätten ausgestellt und nicht zu Handelsobjekten degradiert werden. „Wir fordern die Verantwortlichen des Auktionshauses auf, menschlichen Anstand zu bewahren und die Auktion abzusagen“, so Heubner.

Auktion „Das System des Terrors“

Das Auktionshaus Felzmann in Neuss wollte die Auktion unter dem Titel „Das System des Terrors Vol. II 1933–1945“ am Montag starten. Nach Angaben des Internationalen Auschwitz Komitees (IAK) sind unter anderem Briefe aus Konzentrationslagern, Gestapo-Karteikarten und weitere Täterunterlagen angeboten worden. Viele Stücke enthielten persönliche Informationen und Namen von Betroffenen.

Versteigert werden sollten laut dem Online-Katalog auch ein antijüdisches Propaganda-Plakat und ein Judenstern aus dem KZ Buchenwald mit „Gebrauchsspuren“. Nach einer ersten Durchsicht durch die Berliner Filiale des Pilecki Instituts stammt ein großer Teil der Stücke aus dem Nachlass polnischer politischer Häftlinge aus verschiedenen deutschen KZs. Das Auktionshaus war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Rafał Leśkiewicz, Pressevertreter des polnischen Präsident Karol Nawrocki, hatte anschließend auf die geplante Auktion reagiert. Er schrieb am Sonntagmorgen auf X: „Der Präsident der Republik Polen, Karol Nawrocki, erwartet von der polnischen Regierung, dass sie die Rückgabe aller Erinnerungsstücke an die Opfer deutscher Verbrechen auf polnischem Gebiet fordert und diese gegebenenfalls aufkauft, wobei die Kosten für dieses Vorhaben zur allgemeinen Reparationsrechnung hinzugerechnet werden sollen!“ Der polnische Präsident setzt sich für Reparationszahlungen ein. Er fordert von Deutschland Reparationen in Höhe von circa 1,3 Billionen Euro (1.300 Mrd. €).

Am Sonntagnachmittag (16.11.) informierte Polens Außenminister die Öffentlichkeit, dass die Auktion von der Website des Auktionshauses verschwunden sei. Radoslaw Sikorski schrieb auf Twitter: „Botschafter Jan Tombiński, der seit einigen Tagen bei den Behörden Westfalens in dieser Angelegenheit interveniert hatte, teilte mir mit, dass alle Artefakte von der Website der skandalösen Auktion verschwunden seien.“

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